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Altbatterien

16 Jahre in der Schublade

Geht die Berechnungsformel für die Sammelquote an der Wirklichkeit vorbei? Ein japanischer Batterieexperte ist davon überzeugt und belegt es mit einer Studie.

Die Battery Association of Japan (BAJ) wollte wissen, wie der Verbraucher mit gebrauchten Batterien umgeht. Fünf Jahre dauerte die Studie. Das Ergebnis: „Es werden massenhaft kaputte Elektrokleingeräte gehortet – und damit auch die in ihnen steckenden Batterien“, sagte Mike Takao, Councillor beim japanischen Elektronikkonzern Panasonic und Mitglied bei BAJ.

Vor allem die kleinen wiederaufladbaren Batterien hätten eine „ungeheuer lange Verweildauer“ in den Haushalten, erklärte Takao beim International Congress for Battery Recycling Congress (ICBR) im September im kroatischen Dubrovnik. Frühestens nach drei Jahren gelangen die wiederaufladbaren Batterien in die Sammel- und Recyclingkette. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Denn oftmals können auch neun Jahre ins Land gehen, bis die Geräte und Batterien entsorgt werden. Manchmal dauert es sogar noch länger. „Unter Umständen kann sich die Verweildauer bis zu 16 Jahre hinziehen“, so Takao. Auffällig ist dabei, dass in allen untersuchten Gerätetypen Nickel-Cadmium-Batterien länger gehortet werden als Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren und Lithium-Ionen-Batterien. Von Letzteren trennen sich die Verbraucher augenscheinlich gern und geben sie „bereits“ nach gut vier Jahren an den Sammelstellen ab.

Wenn Batterien zu einem großen Teil erst nach so vielen Jahren in die Sammlung gegeben werden, drängt sich die Frage auf, ob die in der EU-Batterie-Richtlinie aufgestellte Berechnungsformel für die Sammelquote von Geräte-Altbatterien und –Akkumulatoren wirklich aufgehen. Denn die Berechnung der Sammelquote basiert auf den in den letzten drei Jahren in Verkehr gebrachte Neubatterien. Der Richtlinientext bezeichnet als Sammelquote den Prozentsatz, den die Masse der Altbatterien, die im jeweiligen EU-Staat in einem Kalenderjahr zurückgenommen werden, im Verhältnis zur Masse der Batterien ausmacht, die im Durchschnitt des betreffenden und der beiden vorangegangenen Kalenderjahre erstmals in den Verkehr gebracht worden sind und dort für eine getrennte Erfassung zur Verfügung stehen. Von daher sei diese Berechnung für die Sammelquote nicht angemessen, betonte Takao. Insbesondere was die kleinen wiederaufladbaren Batterien angeht.

Diese Studienergebnisse können zwar nicht 1:1 auf Europa übertragen werden, doch die europäischen Verbraucher werden sich nicht stark von den japanischen unterscheiden. Die seit Jahren stagnierenden Sammelquoten sind ein Indiz dafür, dass die drei Jahre, die in die Berechnung der jeweils aktuellen Sammelquote einfließen, zu kurz gegriffen sind. Denn auch die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS Batterien) ist zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen. In ihrer Jahresbilanz hat GRS Batterien festgestellt, dass viele Batterien längere Zeit beim Verbraucher liegen bleiben und zudem oft mit den Altgeräten zusammen entsorgt werden. GRS Batterien sieht es denn auch als eine der größten Herausforderungen, an diese Batterien heranzukommen.

Japan begegnet dem Hortverhalten der Verbraucher mit einer neuen Verordnung. Seit April 2013 gilt das sogenannte „Small Home Appliance Recycling Law“. Alte kleinere Haushaltsgeräte werden über die kommunalen Sammelstellen und auch über Elektrogeschäfte gesammelt. Der Verbraucher kann dort verschiedene Geräte abgeben wie zum Beispiel Drucker, Rasierer, Telefone, Digitalkameras, Laptops oder Föhne und Ventilatoren. „Wir erwarten, dass dadurch zusätzlich rund 650.000 Tonnen E-Schrott pro Jahr gesammelt und recycelt werden können“, sagte Takao beim ICBR. Der Panasonic-Councillor schätzt das darin steckende Recyclingpotenzial von Metallen auf 280.000 Tonnen Metalle – mit einem Marktwert von 650 Millionen Euro.

Atsushi Terazono vom National Institute for Environmental Studies sprach in diesem Zusammenhang das Thema Sicherheitsprobleme und Risikovorsorge an. „Weil viele kleine Elektronikaltgeräte Primärbatterien beziehungsweise wiederaufladbare Akkumulatoren enthalten, muss unbedingt auf eine entsprechende Handhabung der Batterien während der Sammlung und des Recyclingprozesses geachtet werden.“ Daher müsste unter anderem nach sicheren und effektiven Sammelmethoden geforscht werden. Einerseits, um das von den Batterien ausgehende Explosionsrisiko zu mindern. Andererseits, um die Materialströme dieses komplexen Mix so zu lenken, dass das Ressourcenpotenzial bestmöglich ausgeschöpft werden kann.

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