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Biogas aus Abfällen

Allesfressende Vergärungsanlage

Ernteabfall, Schlämme, Speisereste – alles in einer Vergärungsanlage? Das war bislang problembehaftet. Aber das könnte sich ändern: Forscher arbeiten an einem neuen Vergärungsverfahren, das für alle Bioabfälle und organischen Reststoffe geeignet sein soll.

Zur Vergärung von Biomasse werden heute Fermenter in Garagen- oder Siloform sowie verschiedene Reaktoren mit Rührwerken eingesetzt. Garagenfermenter werden mit strukturreichem stapelbarem Substrat befüllt und haben einen relativ geringen Ertrag, da die Biomasse nicht durchmischt wird. Fermenter mit Rührwerken hingegen benötigen strukturarmes Material, sind aber technisch aufwändig und haben einen hohen Verschleiß. Vergärungsanlagen, die sowohl strukturreichen Ernteabfall und Mist als auch Schlämme, Flüssigkeiten und pastöse Speisereste verarbeiten können, gibt es auf dem Markt nicht.

Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) wollen das ändern. Sie arbeiten an der Entwicklung einer Gärtrommel, die für alle Bioabfälle und organische Reststoffe geeignet sein soll. Projektleiter an der THM sind die Gießener Professoren Ulf Theilen und Harald Weigand vom Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik. Sie kooperieren mit der Kompostierungsanlage Brunnenhof und dem Ingenieurbüro Dr. Geipert in Biebesheim.

Bio- und Grünabfallaufkommen in Deutschland nach Bundesland 2010Die Gärtrommel soll den Plänen zufolge 30 Meter lang sein und über einen Durchmesser von 6 Metern verfügen. Die Trommel besteht aus einem Hohlzylinder, der an zwei gegenüberliegenden Stirnseiten abgeschlossen ist. Der Fermenter ist drehbar gelagert.

„Die Drehbewegung des großvolumigen Reaktorbehälters in Verbindung mit Mischwerkzeugen an der Trommelwand führt zu einer optimalen Materialdurchmischung und damit zu einem hohen Gasertrag“, erläutert Theilen. „Die Trommelform und der Verzicht auf ein innenliegendes Rührwerk erlauben eine energieeffiziente Durchmischung bei sehr geringem Materialverschleiß.“ Die entwässerten Gärrückstände sollen zu Kompost weiterverarbeitet werden. Basis des neuen Trommelfermenters ist eine Rottetrommel, die sich in Biebesheim seit 15 Jahren für die Kompostierung bewährt habe.

Die Partner sehen für ihre Neuentwicklung ein großes Marktpotenzial. Laut einer Studie des Wiesbadener Umweltministeriums fallen in Hessen eine halbe Million Tonnen Bioabfälle an. Davon werden nur 15 Prozent in Vergärungsanlagen genutzt.

Das Forschungsvorhaben hat ein Gesamtvolumen von 377.000 Euro. Das Land Hessen fördert das Vorhaben im Rahmen der Förderlinie 3 der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (Loewe) mit 268.000 Euro. Mit „Loewe“ bezuschusst die Landesregierung Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

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