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Neue Marktlage

Altkunststoff-Exporte: Markt findet Alternativen zu China

Der Exportmarkt für Altkunststoffe sortiert sich neu. Einige Exporteure haben bereits Alternativen zu China gefunden. Doch die Aufgabe ist gewaltig: Im kommenden Jahr müssen mehrere Millionen Tonnen anderweitig untergebracht werden.

Chinas Importpolitik hat bei den Altkunststoff-Zulieferern nicht für eine Erkältung gesorgt, sondern eher für eine veritable „Lungenentzündung“, meint Surendra Borad Patawari. Im Jahr 2016 hätten China und Hongkong zusammengenommen noch 10,2 Millionen Tonnen Altkunststoffe importiert. „Diese Zahl wird sich im kommenden Jahr wahrscheinlich im Sturzflug befinden“, warnte der Vorsitzende des BIR-Ausschusses für Kunststoffe bei der BIR-Herbsttagung Mitte Oktober in Neu Dehli.

Diese Vermutung teilt auch Steve Wong, Geschäftsführender Präsident der China Scrap Plastics Association. Zwar würden die zuständigen chinesischen Behörden Einfuhrlizenzen für 2018 erteilen. „Diese werden aber wohl nur denjenigen Betrieben ausgestellt, die einwandfrei saubere Aufzeichnungen und die Einhaltung der Umweltvorschriften vorweisen können“, sagte Wong.

Als Folge könnten die Importe im kommenden Jahr um 30 bis 40 Prozent fallen. „Ausländische Lieferanten müssen dann für vielleicht 6 oder 7 Millionen Tonnen Altkunststoffe alternative Absatzmöglichkeiten finden“, betonte Borad Patawari.

Exporteure aus Europa und Nahost haben neue Absatzwege gefunden

Unterdessen haben europäische Exporteure bereits neue Absatzwege aufgetan. Renaud Pfund von Veolia Propreté France Recycling stellte in seinem Marktbericht fest, dass sich einige Stoffströme aufgrund der chinesischen Importpolitik bereits verschoben haben. Gebündelte LDPE-Folie beispielsweise ginge nun zu spanischen und portugiesischen Sortierern und nicht mehr Richtung Asien.

Auch etliche Exporteure aus Nahost haben bereits alternative Märkte gefunden. Das sagte Mahmoud Al Sharif von der Sharif-Unternehmensgruppe, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten angesiedelt ist.

Chinas Importverbote haben aber noch weitere Auswirkungen. So sei der Wert bestimmter in Containern versandter Materialien auf null gesunken. Teilweise sogar noch darüber hinaus, wie beim BIR-Kongress zu hören war. Umgekehrt seien die Preise für Altkunststoffe innerhalb Chinas aufgrund von Engpässen zwischen 20 und 30 Prozent gestiegen.

Nicht zuletzt habe die Einfuhrsperre zu einer Verlagerung der Verarbeitungskapazitäten für Altkunststoffe in andere Länder in der Region geführt. Diese wandern demnach nach Taiwan, Indonesien, Malaysia und Vietnam ab.

Mehr Recycling in Indien?

Chinas Importpolitik hat aber auch etwas Positives. Das hat Rajesh Gauba, Vizepräsident für Recycling und Nachhaltigkeit beim indischen Unternehmen Reliance Industries beim BIR-Kongress hervorgehoben: „Chinas neue Importpolitik wird dazu beitragen, die Recyclingquote im Inland zu erhöhen.“ Derzeit läge die Quote in China bei gerade einmal 22 Prozent. So werde beispielsweise die PET-Sammelmenge deutlich steigen, von 3,1 Millionen Tonnen im Jahr 2015 auf annähernd 4,1 Millionen Tonnen im Jahr 2018, wie Gauba prognostizierte.

Gauba ging in seinem Vortrag auch auf den Altkunststoffmarkt in seinem Heimatland Indien ein. „Wir müssen den Recyclingmarkt wesentlich formeller organisieren – derzeit wird er vom informellen Sektor beherrscht.“ Wie stark der Einfluss des informellen Sektors ist, machte Mani Vajipey deutlich. „Rund 80 Prozent des Recyclings von Polyethylen und Polypropylen findet im informellen Bereich statt“, sagte der Mitbegründer und CEO des in Hyderabad ansässigen Anbieters von Technologielösungen Banyan Nation.

In seinem Länderreport schätzte Borad Patawari, dass Indien rund 150.000 Tonnen Altkunststoffe pro Jahr importiert.

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