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Erfolgreicher Ökobilanz-Vergleich

Ausnahme von Pflicht zur Biotonne

Quelle: Klaus-Peter Wolf/pixelio.de

Quelle: Klaus-Peter Wolf/pixelio.de

Zwei Landkreise in Baden-Württemberg sind von der Pflicht zur Einführung der Biotonne befreit. Die Ausnahme ist mit einer Auflage verbunden und gilt zunächst begrenzt.

Viel Zeit bleibt nicht mehr: In sieben Monaten müssen in ganz Deutschland die Bioabfälle aus Haushalten getrennt gesammelt werden. So steht es in Paragraf 11 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die Pflicht ist umstritten, einige Abfallwirtschaftsbetriebe versuchen, dem Zwang zu entkommen. In Baden-Württemberg ist das in zwei Kreisen gelungen. Zumindest vorläufig.

Die Ausnahme gilt in den Kreisen Ortenaukreis und Emmendingen im Südwesten von Baden-Württemberg. Hier ist der Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK) für den Müll der Bürger zuständig. Der Bioabfall wird dort in der grauen Restmülltonne gesammelt.

Der Grund für die Ausnahme ist die mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) Kahlenberg. Diese ist nach Aussage des ZAK „weltweit einzigartig und europaweit patentiert“. Eine Biotonne sei deshalb nicht nötig, argumentieren die Betreiber und wehren sich beim zuständigen Landesumweltamt gegen die Pflicht.

Gutachten des IFEU-Instituts

Seit 2006 wird in Kahlenberg der Restmüll mehrstufig bearbeitet. Das patentierte Verfahren nennt sich „Maximum Yield Technology“ (MYT)  und trennt zunächst in der mechanischen Aufbereitung die Abfälle nach Material und Größe in Brennstoffe, Mineralstoffe, Metalle und nicht verwertbare Reststoffe. In der biologischen Stufe werden in einem aeroben Mischprozess die Abfälle zerkleinert und homogenisiert. Mithilfe von Prozesswasser wird die Konsistenz gleich gehalten und anschließend nach Entwässerung ein Feststoff herstellt. Dabei wird nach Angaben der Anlagenbetreiber die mikrobiell umsetzbare Organik im Feststoff belassen.

Im nächsten Schritt – der biologischen Trocknung – werden die Abfälle mit Sauerstoff versorgt und dabei Wärmeenergie erzeugt. Der dabei entstehende homogene, trockene und rieselfähige Feststoff kann dann in die Bestandteile Energieträger, Mineralstoffe und Metalle zerlegt werden. Dies geschieht über den letzten Schritt, die mechanische Stofftrennung, mithilfe von Sieb- und Sichtungsanlagen.

Der Output der Kahlenberger MBA besteht zu 38 Prozent aus Brennstoffen, weitere 38 Prozent sind Wasser, 10 Prozent Mineralstoffe, 2 Prozent Metalle, 2, Prozent Reststoffe und 5 Prozent Verluste. Zu Biogas werden 5 Prozent verarbeitet. Rund 120.000 Tonnen Restmüll werden in der MBA jährlich angeliefert, daraus entsteht Energie von etwa 230.00 MWh/Jahr.

Um der Biotonne zu entgehen, hat der ZAK eine Ökobilanz der bestehenden Behandlung vorgelegt. Ein Gutachten des Instituts IFEU aus Heidelberg hat der Anlage 2011 bescheinigt, dass die Ökobilanz der patentierten Technologie besser und klimafreundlicher ist, als die übliche Behandlung von Bioabfällen. Auch das Bundesumweltministerium (BMUB) hatte schon vor drei Jahren mitgeteilt, dass die Behandlung mit dem speziellen Verfahren unter Umweltgesichtspunkten den durchschnittlichen Kompostierungen überlegen ist.

Neben der Ökobilanz wirft der ZAK ein weiteres Argument in die Waagschale. Die zusätzliche Tonne würde deutlich höhere Müllgebühren für die Bürger bedeuten. Zu einer Steigerung der Sammelmenge werde es jedoch nicht kommen, weil die Bioabfälle schon gemeinsam mit dem Restmüll komplett erfasst würden.

Ministerium fordert auch stoffliche Verwertung

Bis zum Frühjahr dieses Jahres sah es so aus, als würde der ZAK auf ganzer Linie Recht bekommen. Nun muss sich der Verband mit einem Teilsieg begnügen, denn das Umweltministerium in Baden-Württemberg hat die Ausnahmeregel mit einer Bedingung verknüpft. Zwar ist auch das Ministerium von der Anlage überzeugt. Die Technologie der Anlage in Kahlenberg sei in energetischer Hinsicht den Kaskadenanlagen mit energetischer und stofflicher Verwertung der Bioabfälle gleichwertig, sagt Ministeriumssprecher Ralf Heineken. Doch es brauche künftig auch eine stoffliche Verwertung.

„Eine energetische Verwertung alleine reicht unserer Auffassung nach nicht aus, um dem Gebot der hochwertigen Verwertung gerecht zu werden“, sagt der Sprecher. Der Aspekt der stofflichen Verwertung müsse unbedingt künftig berücksichtigt werden. „Deshalb schlagen wir vor, die biogenen Abfälle durch eine zumindest teilweise Rückgewinnung von Phosphor stofflich zu verwerten“, sagt Heineken. Dem Biomüll solle der Phosphor entzogen werden, um damit Dünger zu gewinnen. Bis Ende 2015 habe der ZAK nun Zeit, dies zu realisieren. Sollte der Schritt nicht getan werden, so wird auch in Emmendingen und im Ortenaukreis die Pflichtbiotonne kommen.

Grundsätzlich ist der ZAK bereit, für die Rückgewinnung von Phosphor zu sorgen.Nach einem Bericht der Lahrer Zeitung wurden vom Verband bereits zwei entsprechende Gutachten in Auftrag gegeben. Allerdings seien die Verantwortlichen verärgert über die Drohung, bei Nichtrealisierung die Pflichttonne doch noch einzuführen. Hier wolle man versuchen, das Ministerium noch einmal umzustimmen.

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