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Interview zum Hedging im Metallhandel

„Für Recyclingfirmen ist das fast immer sinnvoll“

Starke Preisschwankungen machen Metallrecyclern das Leben schwer. Mit Hedging können sie sich gegen den Kursverfall absichern. Michael Alt erklärt im Interview, welche Instrumente sinnvoll sind und welches Restrisiko bleibt.

Der Diplom-Betriebswirt Michael Alt arbeitet bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team seit 2007 für das Rohstoff-Absicherungsgeschäft mit Firmenkunden verantwortlich.

Herr Alt, wenn es um das Thema Hedging geht, denken viele an die Geschäfte von großen Handelsunternehmen. Mittelständische Recyclingunternehmen halten sich oftmals für zu klein für solche Instrumente. Wann lohnt es sich auch für einen Recycler, sein Preisrisiko mit Hedging abzusichern?

Michael Alt
Commerzbank
Commerzbank

Michael Alt

Für Recyclingfirmen ist das fast immer sinnvoll. Vor allem im Metallhandel ist Hedging essentiell. Denn die Margen sind in dem Bereich relativ gering, so dass es nur einen relativen kleinen Puffer gibt, der nachteilige Preisentwicklungen abfedern könnte. Hinzu kommt, dass  es bei den Preisen erfahrungsgemäß eine sehr große Schwankungsbreite gibt, die sich direkt auf die Erlöse auswirkt.

Wie stark schwanken die Preise Ihrer Erfahrung  nach?

Die Schwankungen können im Metallbereich leicht plus und minus 20 Prozent pro Jahr ausmachen. Selbst bei einem kurzlaufenden Auftrag kann es also schnell zur großen Belastung werden, wenn die Preise schwanken. Dieses Risiko kann durch Hedging ganz einfach minimiert werden.

Für viele klingt Hedging aber immer noch nach einem komplizierten Instrument. Was heißt Hedging konkret?

Beim Hedging gibt es im Prinzip zwei Basisinstrumente:  Festpreise  und die Versicherung einer bestimmten Preisunter- oder -obergrenze. Beide Elemente können, der Idee eines Baukastenprinzips folgend, auch miteinander kombiniert und für den Kunden individuell angepasst werden.

Nehmen wir als Beispiel einen Recycler von Katalysatoren. Wie funktioniert für ihn das Modell mit den Festpreisen?

Der Recycler kauft zunächst die Katalysatoren zu einem bestimmen Preis an. Das Risiko besteht darin, dass er ja nicht weiß, was er für das Material bekommt, wenn er es teilweise erst Monate später verkaufen kann.  Hier kommt der Festpreis ins Spiel. Mit dem Hedgingpartner – beispielsweise die Commerzbank – wird ein fester Preis vereinbart. Dieser fixiert dann bereits heute, welcher Preis in zwei Monaten für das Absicherungsgeschäft zugrunde gelegt wird. Damit hat der Recycler Kalkulationssicherheit und schreibt seine Marge fest.

Und wenn der Preis in den Keller rutscht, bekommt der Kat-Recycler den Differenzbetrag vom Hedgingpartner?

Ja, genau. Angenommen, es wurden 1.000 Euro für eine Einheit eines Metalls vereinbart. Zum Verkaufszeitpunkt liegt der Marktpreis nur noch bei 500 Euro. Dann bekommt das Unternehmen vereinfacht gesagt die fehlenden 500 Euro von dem Hedgingpartner.

Und was passiert, wenn der Preis steigt?

Dann ist das Umgekehrte der Fall. Sollte der Marktpreis auf 1.200 gestiegen sein, dann zahlt der Recycler 200 Euro an den Hedgingpartner.

Da nimmt er sich aber doch die Möglichkeit, an Preisanstiegen zu partizipieren?

Das stimmt. Dies ist oft eine bewusste Entscheidung, wenn die Kalkulationssicherheit im Vordergrund steht. Allerdings wählen viele als Absicherung auch einen Mix aus Festpreis und Preisuntergrenze. Letztere funktioniert wie eine Art Versicherung. Dabei zahlt das Unternehmen an den Hedgingpartner eine Prämie und vereinbart einen Mindestpreis. Liegt der Marktpreis darüber, vereinnahmt das Unternehmen diese Summe durch einen Verkauf am Markt und muss keine Zahlung an den Hedgingpartner leisten. Fällt der Preis, bekommt das Unternehmen eine Ausgleichzahlung. Daneben gibt es Modelle wie beispielsweise die Führung von Edelmetallkonten. Diese werden ebenfalls oft zur Steuerung von Beständen und des Preisrisikos verwendet.

Wie werden die Festpreise bestimmt und wie lange gelten sie?

Bei der Preiseermittlung sind wir an die Marktgegebenheiten gebunden. Sollte ein angestrebtes Preisniveau für ein Unternehmen nicht realisierbar sein, kann auch mit Limitaufträgen gearbeitet werden. Die mögliche Laufzeit der Kontrakte hängt ebenfalls von den Marktgegebenheiten ab. Kupfer, Aluminium und Gold können z. B. problemlos bis zu fünf Jahre abgesichert werden, bei Zink und Nickel sind dies knapp 3 Jahre, bei Zinn nur etwa 12 Monate.

Welcher Aufwand kommt auf ein Unternehmen zu, wenn es sich für Hedging entscheidet?

Es muss sich zunächst über seine Risiken klar sein, diese identifizieren und quantifizieren. Damit ist das bestehende Grundgeschäft genau zu untersuchen. Ich sehe das aber weniger als Aufwand, sondern als Prozess mit dem Ergebnis einer bewussten Steuerung der Rohstoffpreisrisiken.

Auch ein Hedgingpartner will Geld verdienen. Was zahlt ein Unternehmen für die Sicherheit?

Bei den Fixpreisen -rechnen wir eine kleine Marge in den Festpreis, bei dem Modell der Preisunter- bzw. -obergrenze ist dies in der gezahlten Prämie berücksichtigt. Hierfür wird der Kunde beraten und aktiv begleitet und kann unser kostenloses Rohstoff-Research nutzen.

Und was passiert, wenn das zugrunde liegende Geschäft nicht zustande kommt?

Das Geschäft, das ein Unternehmen mit dem Hedgingpartner abschließt, ist getrennt von der eigentlichen physischen Transaktion. Fällt das physische Geschäft weg, hat das Unternehmen immer noch eine Verpflichtung gegenüber dem Partner im Absicherungsgeschäft.

Was heißt das dann konkret?

Nehmen wir an, dem Katalysatorenrecycler fällt der Lieferant weg, oder es sind nicht genügend Edelmetalle in dem Material enthalten. Dann hat der Recycler trotzdem dem Hedingpartner das Metall für 1.000 Euro verkauft. Wenn er das Geschäft mit dem Partner auflösen will und der Preis am Markt zum Beispiel bei 1.050 Euro liegt, muss er 50 Euro einbezahlen, obwohl er das physische Geschäft nicht abgeschlossen hat. Der umgekehrte Fall ist natürlich auch möglich, so dass der Recycler dann den positiven Marktwert bei Auflösung erhält.

Wären diese Modelle auch etwas für Recycler anderer Materialien?

Im Prinzip schon. Im Kunststoffbereich kann beispielsweise eine Absicherung auf Basis von Vorprodukten wie Öl oder Naphtha sinnvoll sein, sofern physische Verträge diese beinhalten oder zumindest ein ausreichender Gleichlauf der Preise festzustellen ist. Meist wird hier auch ein Kombimodell gewählt, damit das Unternehmen mehr Flexibilität hat, falls der Gleichlauf der Preise aufbricht.

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