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Digitales Abfallmanagement

„Hallo System, ich bin voll“

Quelle: ©iStock.com/Claudiad

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Keine Standardfahrten mehr, sondern optimierte Routen, die der Computer vorgibt. So könnte die Abfalllogistik der Zukunft aussehen. Überquellende Mülltonnen würde es dann nicht mehr geben, glauben Anhänger dieses Modells. Außerdem würde die Zahl der gefahrenen Kilometer sinken.

So wie in Barcelona könnte man es auch in Frankfurt machen. Das denkt sich Martin Kliehm öfters, wenn er durch Frankfurt Straßen läuft. Überquellende Mülltonnen auf der einen Seite, halbvolle auf der anderen. Und dennoch kommt die Müllabfuhr immer nur zu einem vorgegebenen Zeitpunkt – völlig unabhängig vom tatsächlichen Bedarf.

Das will Kliehm ändern. Der Webentwickler ist zugleich Vorsitzender der online-affinen ELF Piraten Fraktion in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Seine Piraten-Fraktion wird am heutigen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung beantragen, dass die Stadt Frankfurt den Einsatz des intelligenten Abfallmanagements prüft. „Es gibt heute IT-gestützte, intelligente Lösungen, die Abläufe optimieren können und die das Potenzial haben, Ressourcen zu sparen“, erklärt Kliehm. „Auch in Frankfurt sollte deren Einsatz geprüft werden.“

Kliehms Vorbild ist Barcelona. Die spanische Metropole testet zurzeit in einem Pilotprojekt, was intelligentes Abfallmanagement in der Praxis bedeuten kann. Barcelona gewann im September 2013 den C40 Climate Leadership Award (LINK). Für das Projekt wurden Mülltonnen mit drahtlosen Sensoren ausgerüstet. Sie melden den Füllstand und eine Leerung der Tonnen in Echtzeit an die Müllabfuhr.

Müllautos fahren dann nicht mehr ihre Standardrouten ab, sondern erhalten über ein Computerprogramm eine optimierte Route. Die Mülltonnen werden dann geleert, wenn sie voll sind. Zu überquellenden Mülltonnen kommt es nicht mehr. Kliehm geht davon aus, dass die Müllabfuhr mit Unterstützung eines solchen IT-gestützten Abfallmanagement die gefahrenen Kilometer reduziert. Das verringert Abgas- und Lärmemissionen, Kosten und damit Entsorgungsgebühren.

Zugleich sei nicht zu befürchten, dass das System an anderer Stelle neuen Abfall und Umweltbelastungen verursacht. Die Batterien der in Barcelona eingesetzten Sensoren halten zehn Jahre, die Identifizierung einzelner Mülltonnen funktioniert über RFID-Chips. „Es gibt heute technische Möglichkeiten, deren Einsatz vielversprechend sind“, ergänzt Kliehm.

So ein digitales Abfallmanagement sei ein visionäres Vorhaben, betont Kliehm. „In Barcelona werden die Sensoren zusätzlich als Feuermelder, zum Aufzeichnen von Luftverschmutzung und Lärmbelastung genutzt. Die Infrastruktur der Datennetze hilft auch beim Aufbau eines städtischen WLANs.“

Das ist das, was Kliehm unter „Smart City“ versteht. Eine vernetzte Infrastruktur, auch für die Abfallwirtschaft. Fragt sich nur, ob Frankfurts Stadtpolitiker das auch so sehen.

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