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Edelstahlmarkt in Asien

Indiens Bedarf an Edelstahlschrott wird immer größer

Indiens Wachstumspotenzial beim Edelstahlverbrauch ist enorm und ungebrochen. Die Schrottnachfrage wird entsprechend größer. Alles in allem sind die Aussichten der Industrie rosig. Die Kontrolle über die Märkte liegt aber woanders.

Asien hat drei Wachstumsmotoren: China, Indien und die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten Asean. Die stark anziehende Konjunktur und Kaufkraft in diesen Regionen treibt auch die Binnennachfrage nach Edelstahlerzeugnissen an. Vor allem der Infrastruktursektor, die Kfz- und Schienenfahrzeugbauer, der Maschinenbau sowie die Konsumgüterindustrie sorgen für eine rege Nachfrage.

Insbesondere Indien stillt seinen Edelstahlhunger in zunehmendem Maße mit Schrotten. „Im Laufe der vergangenen zwei Jahre hat sich Indien zum größten Käufer von Edelstahlschrott in Asien entwickelt“, stellte Bharat Mandloi, Geschäftsführer von Cronimet Abcom, bei der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Paris fest.

Wichtigste Länder weltweit nach Edelstahlproduktion im Jahr 2012 (in Millionen Tonnen) Einen Teil seiner Edelstahlschrotte bezieht Indien aus der relativen Nachbarschaft, aus der Asean-Region. Die größten Schrottproduzenten unter den zehn Mitgliedsstaaten sind nach Angaben Mandlois Thailand und Vietnam mit je 8.000 Tonnen pro Monat. Gefolgt von Malaysia, das pro Monat 6.000 Tonnen Schrott produziert, sowie Indonesien und Philippinen mit je 2.000 Tonnen pro Monat.

„Insgesamt fallen in dieser Region jährlich über 350.000 Tonnen Edelstahlschrott an“, sagte Mandlois. Interessanterweise gibt es zwar vier große Kaltwalzwerke und eine Vielzahl kleinerer Vertragshersteller, bei denen Industrieschrotte anfallen. „Es gibt aber keinen größeren Schmelzofen oder Stahlwerk, die für den Einsatz von Schrott ausgelegt sind“, so der Cronimet-Vertreter. Daher würden diese Schrotte Richtung Osten nach Taiwan, Korea, Japan und China gehen oder eben nach Westen, nach Indien.

Starkes Wachstum in Indien

In Zukunft dürften die Schrotte aus dem Asean-Gebiet immer häufiger den Weg nach Indien finden. „Denn die indische Wirtschaft wächst mit hohen Zuwachsraten“, sagte André Reinders, Geschäftsführer des Handelsunternehmens für Edelstahlschrott Nicrinox FZE, bei der Sitzung der BIR-Edelstahlsparte. Zwar liege der Pro-Kopf-Verbrauch an Edelstahl auf dem Subkontinent erst bei 1,2 Kilogramm pro Jahr. Verglichen mit Chinas Pro-Kopf-Verbrauch von 10 Kilogramm ist der Nachholbedarf auf dem Subkontinent noch enorm. „Indien hat dadurch noch viel Raum zum Wachsen und birgt das größte Wachstumspotenzial beim Edelstahlverbrauch.“

Momentan stünden auch jede Menge Infrastrukturmaßnahmen an: Die rund 400 Lufthäfen müssten modernisiert werden, auch der Waggonbau dürfte die Nachfrage nach Edelstahl beflügeln. „Wenn der Pro-Kopf-Verbrauch auch nur um einziges Kilogramm steigt, bedeutet das schon eine 50-prozentige Steigerung der derzeitigen Edelstahlproduktion.“ Der Nicrinox-Geschäftsführer lässt unausgesprochen, dass damit auch der Verbrauch an Schrott enorm steigen wird.

Chinas Macht über Edelstahlmärkte

Die Aussichten für die indische Edelstahlindustrie bleiben wohl langfristig rosig. Allerdings sollte die Rechnung nicht ohne China gemacht werden. Denn wie Reinders bei der BIR-Tagung sagte: „Obschon Indien gemeinhin das größte Wachstumspotenzial zugerechnet wird, die ‚Herrschaft‘ über diese Märkte wird in den Händen Chinas liegen.“

Was er unter „Herrschaft“ versteht, macht er am Beispiel Eisenerz deutlich: China konsumiert 60 Prozent der weltweiten Eisenerzproduktion. „Seitdem Eisenerz an der China Beijing International Mining Exchange gehandelt wird, sind die Preise drastisch gefallen; momentan liegen sie bei rund 80 US-Dollar (annähernd 64 Euro) pro Tonne. Was geschieht erst, wenn Nickel an der Shanghai Futures Exchange gehandelt wird?“

Ein anderes Beispiel: China hat kürzlich angekündigt, die Exportbedingungen für Fe-Mo-Edelstahl zu erleichtern und ab Anfang 2015 die 20-Prozent-Exportsteuer aufzuheben. „In der Folge sind die Preise für Fe-Mo von circa 13,30 US-Dollar (10,60 Euro) auf 9,50 US-Dollar (7,60 Euro) pro Pound gefallen. Was wird wohl passieren, wenn China auch den Export-‚Bann‘ und die 40-Prozent-Export-Zölle für Edelstahlschrott beseitigt?“

4 Millionen neue Wohnungen

Niedrige Metallpreise würden China in der Tat in die Hände spielen. Denn die Regierung in Peking will die Lebensqualität für einen Großteil der Bevölkerung verbessern. Daher schreibt der laufende Zehn-Jahres Plan vor, dass jedes Jahr mindestens 4 Millionen neue Wohnungen entstehen sollen. Wohnungen, die auch mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet werden müssen. Diese ehrgeizigen Bauvorhaben werden natürlich große Mengen an Eisen, Kupfer, Aluminium, Nickel etc. verschlingen.

Dass die Preise für diese Rohstoffe niedrig bleiben, ist das Beste, was China passieren kann“, so Reinders. Daher dürfte China ein ausgesprochen großes Interesse daran haben, so viel Kontrolle wie möglich auf die Rohstoffpreise auszuüben. Die Aussichten hinsichtlich der Preisentwicklung sind nach Einschätzung des Nicrinox-Geschäftsführers dementsprechend trübe: „Wir gehen davon aus, dass wir uns an diese ‚lower markets‘ gewöhnen müssen.“ Was heute noch als niedrig gilt, kann morgen also schon als ‚hoch‘ gelten.

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