Entscheidung ist gefallen

Die Pläne des Abfallwirtschaftsverbands Chemnitz, ein Ersatzbrennstoff-Kraftwerk zu errichten, haben sich zerschlagen. Dabei werden in absehbarer Zeit neue Verwertungskapazitäten benötigt: In drei Jahren läuft der Liefervertrag mit dem Kraftwerk Jänschwalde aus.

Kein neues EBS-Kraftwerk in Chemnitz


Der Chemnitzer Stadtrat hat am Mittwoch (14. Juni) den Bau eines Ersatzbrennstoff-Kraftwerks abgelehnt. Und das mit deutlicher Mehrheit: Bei nur einer Stimme dafür votierten 43 Stadträte mit Nein, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten. Die Ersatzbrennstoffe (EBS) müssen damit ab dem 1. Juni 2020 wohl wieder an weiter entfernte Anlagen transportiert werden.

Gut möglich, dass dadurch die Entsorgungsgebühren für die Chemnitzer steigen werden. Das wollte der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) mit dem geplanten Kraftwerksbau eigentlich vermeiden. Der AWVC wollte den anfallenden gemischten Hausmüll nicht wie bisher nur zu EBS aufbereiten. Er wollte ihn auch vor Ort selbst nutzen, um Strom und Fernwärme zu erzeugen.

Deshalb sollte ein Dritter mit dem Bau und Betrieb eines EBS-Kraftwerkes nahe der verbandseigenen Aufbereitungsanlage beauftragt werden. Diese Pläne waren im Vorfeld der Entscheidung des Stadtrats umstritten.

2016 über 83.000 Tonnen EBS hergestellt

Mit einem verbandseigenen EBS-Kraftwerk sollten die in absehbarer Zeit wegfallenden Verwertungskapazitäten für den aufbereiteten Restmüll aufgefangen werden. Denn der aktuelle Vertrag des AWVC über die Lieferung von EBS an das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde läuft zum 31. Mai 2020 aus – also in drei Jahren.

Im vergangenen Jahr wurden nach AWVC-Angaben rund 106.000 Tonnen Restabfall behandelt. Davon stammten 85.000 Tonnen aus dem Verbandsgebiet mit circa 580.000 Einwohnern. Der Rest stammt aus dem Landkreis Zwickau. Aus dem Inputmaterial wurden knapp 83.200 Tonnen Ersatzbrennstoffe hergestellt, so der Abfallwirtschaftsverband. 66,6 Prozent davon seien sogenannter Brennstoff A und 11,8 Prozent sogenannter Brennstoff B.

Mehr zum Thema
EU-Parlament stimmt Ökodesign-Verordnung zu
Wird die Energie- und Antriebswende ausgebremst?
Kreislaufwirtschaft: Deutschland und China vereinbaren Aktionsplan
Alternative Papiersorten: Wie gut sind die Top Ten wirklich?
Mehr Fernwärme aus Abfällen: Neue Technologie in MVA Borsigstraße
Rohstoffimporte: „Höchste Zeit für einen Kurswechsel“
Gute Nachfrage lässt Altpapierpreise steigen
Deutsche Industrie weiter im Plus