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Höherer Anteil an Ziegelschutt

Neue Rezepturen für Recycling-Beton

In einem Forschungsprojekt wurden Fortschritte beim Einsatz von Recycling-Baustoffen im Hochbau erzielt. Die neuen Betonrezepturen verwenden Gesteinskörnungen nach Typ 2 und damit den maximal möglichen Anteil von Altstoffen.

Der Einsatz von Recycling-Beton im Hochbau unterliegt oftmals noch der Fehleinschätzung, dass ein solcher Baustoff die geforderten bautechnischen Eigenschaften nicht besitzt. Dabei lassen sich aus dem mineralischen Altmaterial aus dem Rückbau oder Abriss von Bauwerken sehr wohl geeignete Gesteinskörnungen herstellen. Den Beweis hat nun ein Forschungsprojekt erbracht, das vom Umweltministerium in Baden-Württemberg gefördert wurde.

In dem Forschungsprojekt wurden Betonrezepturen entwickelt, die Gesteinskörnungen nach Typ 2 mit höheren Anteilen an Ziegelschutt verwenden. „Es ist gelungen, aus mineralischen Bauabfällen Gesteinskörnungen herzustellen, die den gemäß Typ 2 maximal möglichen Anteil von 30 Prozent Mauerwerksziegeln enthalten“, erklärt Florian Knappe vom IFEU-Institut. Die Gesteinskörnungen seien dabei von so hoher Qualität, dass die nach der Richtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton zulässigen Anteile an RC-Gesteinskörnung in den Betonrezepturen voll ausgeschöpft werden können.

Entwickelt wurden fünf Betonrezepturen, die alle die geforderten Frisch- und Festbetoneigenschaften erreicht haben. Dabei wurden laut Knappe auch die zulässigen Höchstgehalte an Asphalt (< 1 Prozent) und Fremdbestandteilen (< 0,5 Prozent) sowie Kornrohdichte (> 2.000 kg/m3) und maximale Wasseraufnahme nach 10 Minuten (15 Prozent) eingehalten. Damit sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Optimierung der Kreislaufwirtschaft im Hochbau vollzogen worden, betont der IFEU-Experte. Das Heidelberger Institut hat das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse wurden im Januar 2014 im Rahmen eines Fachsymposiums in Stuttgart vorgestellt.

Gebrochenes Altmauerwerk fällt in größerem Umfang zur Verwertung an. Es findet im Straßen- und Wegebau aber oft wenig Akzeptanz und wird deshalb nur in geringem Maße eingesetzt. Gelingt eine Vermarktung in Richtung Transportbetonwerke, würde dies die wirtschaftliche Situation des Baustoffrecyclings deutlich verbessern, betont Knappe. Die Transportbetonwerke wiederum könnten eine Gesteinskörnung mit Frachtersparnissen durch kurze Lieferwege beziehen, ohne dass dies mit Abstrichen in den Betonqualitäten verbunden wäre. Auch hier entsprächen die Eigenschaften für Frisch- und Festbeton denen konventionell hergestellter Betone – es gelten die gleichen Produktanforderungen.

Grundsätzlich gilt, dass sich mineralische Bauabfälle aus dem Rückbau von Gebäuden so aufbereiten lassen, dass bei der Betonherstellung in Anteilen Kies oder gebrochenen Naturstein substituiert werden kann. Die so hergestellten „R-Betone“ unterliegen gemäß DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 den gleichen Anforderungen und Regelwerken wie konventionell hergestellte Betone. Dies gilt auch für die entsprechende Güteüberwachung.

Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass sich etwa 90 Prozent der Betonsorten, die im klassischen Hochbau nachgefragt werden, über einen derartigen Recyclingbeton herstellen lassen. Auch in Baden-Württemberg ist es inzwischen gelungen, den Baustoff R-Beton bekannt zu machen und in den Markt einzuführen. So haben im Raum Stuttgart einige der Betonwerke den R-Beton bereits in ihr Lieferprogramm aufgenommen. Sie vermarkten inzwischen große Menge in zahlreiche Bauvorhaben, erklärt Knappe. Er verweist vor allem die drei Transportbetonwerke der Krieger-Gruppe, die mittlerweile alle klassischen Betonsorten für den Hausbau als R-Beton herstellen sowie die Fa. Feeß aus Kirchheim/Teck, die erfolgreich die notwendigen Gesteinskörnungen aufbereitet und die Betonwerke beliefert. Inzwischen produzieren drei Baustoffrecyclinganlagen aus dem Raum Stuttgart entsprechende Gesteinskörnungen. Diese entsprechen bisher dem Typ 1 nach DIN EN 12620: 2008-07 und bestehen zu möglichst hohen Anteilen aus gebrochenen Altbetonen.

Dass sich nun auch Gesteinskörnungen nach Typ 2 herstellen lassen, ist ein weiterer Fortschritt, aber laut Knappe ist damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn Betone lassen sich noch weitaus ressourcenschonender herstellen als dies bislang der Fall ist. Die Anteile an RC-Gesteinskörnung im Zuschlag und/oder der Anteil Mauerwerksziegel in der Gesteinskörnung ließen sich noch weiter deutlich erhöhen, betont der Experte. Die geforderten Frisch- und Festbeton-Eigenschaften würden dadurch nicht gefährdet.

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