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Bessere Übersicht durch intelligente Kameras

Neues Assistenzsystem für Abfallfahrzeuge

Rückwärtsfahrmanöver gehören zu den gefahrenreichsten Situationen im Straßenverkehr. Um Verkehrsunfälle oder Kollisionen in Zukunft zu vermeiden, testet die Berliner Stadtreinigung ein neuartiges Rückfahr-Assistenz-System.

Warnsysteme wie Ultraschallsensoren schlagen schon seit langem zuverlässig und piepsend Alarm, wenn eine Kollision droht. Was sie allerdings nicht können, ist zu unterscheiden, wovor sie warnen. „Das führt bei den großen Verdeckungsbereichen eines 26-Tonnen-Müllfahrzeugs im Trubel des Stadtverkehrs regelmäßig zu Problemen, die den Fahrern auf Dauer ihre Arbeit schwieriger machen“, erklärt Patrick Vogel, Geschäftsführer von Autonomos. „Ist es nun das Blatt des angrenzenden Busches, die leere Flasche auf dem Boden oder ein Passant, der die Warnung ausgelöst hat – oder alles abwechselnd?“

Diese Form der Erkennung soll nun künftig möglich sein. Die Autonomos-Spezialisten im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Sensortechnologie haben das so genannte Rückfahr-Assistenz-System (RAS) entwickelt, das dem Fahrer nicht nur Bilder des Rückraums zeigt, sondern diese auch interpretiert.

Rückfahr-Assistenzsystem BSR
BSR
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Dazu nehmen acht Digitalkameras den Bereich hinter und neben dem Wagen auf. Pro Fahrzeugseite macht das zwei Stereopaare, die Personen und Gegenstände im Umkreis von fünf Metern erkennen können. Durch das räumliche Sehen dieser 3D-Kamerasyteme werden Abstände zu Objekten gemessen. Der Fahrer wird bei Unterschreitung von Sicherheitsabständen akustisch und optisch alarmiert. Eine Software wertet dazu die Aufnahmen in Echtzeit aus, das Ergebnis der Berechnungen sieht der Fahrer auf einem Monitor im Fahrerhaus des Müllautos. „Mit einem Blick auf den Monitor erhält der Fahrer so alle notwendigen Informationen und direkten Überblick über die sonst verdeckten Bereiche“, sagt Vogel, einer der drei Gründer von Autonomos.

Unnötige Warnungen können gezielt unterdrückt werden

Die Anbaupositionen der beiden Kameraboxen sind dabei so gewählt, dass von beiden Seiten auch ein teilweiser Blick unter die beladenen Lifter möglich ist. Zusätzlich werden die Wege der Objekte über die Zeit beobachtet. „Wenn ein Objekt oder eine Person vor einem Sekundenbruchteil noch neben dem Gefahrenbereich zu erkennen war und nun nicht mehr im Bild ist, kann man davon ausgehen, dass es sich eben dorthin bewegt hat. In diesem Fall erfolgt das elektronische Signal, das den Lifter sofort zum Stoppen bringt“, erklärt Vogel.

Kritische Objekte werden im Monitorbild in grellem Rot optisch hervorgehoben. „Falls es nur der aufmerksame Einweiser ist, der gerade einen Schritt zu nah am Fahrzeug steht, kann der Fahrer ihn als ‚bereits erkannt‘ markieren und den dazugehörigen Warnton abstellen. Unnötige Warnungen werden so gezielt unterdrückt, während das System weiter aufmerksam und aktiv bleibt“, sagt Vogel. Denn Ziel sei nicht, dass der Fahrer die Warnung einfach blind mit einem Overwrite-Button abschaltet und ignoriert, sondern sich schnell mit der jeweiligen Situation auseinandersetzen kann, um diese zu beurteilen.

Marktreife Lösung bis Ende 2015

Wie Autonomos hervorhebt, bietet die neue Sensortechnologie noch weitere Informationen, die über eine reine Rückraumüberwachung hinausgehen und speziell auf die Bedürfnisse der Abfallsammelfahrzeuge ausgerichtet sind. So gibt es neben der Unterbindung des Rückwärtsfahren bei belasteten Tritt gemäß DIN 1501-1 einen zusätzlichen Alarm, wenn die Kamera einen Kollegen hinten auf dem Trittbrett registriert, sowie eine Erfassung der Seitenbereiche beim Ausschwenken in der Vorwärtsbewegung. Zusätzliche Statusinformationen des Fahrzeugs sind ebenfalls auf dem Display erfasst.

Die BSR hat das neue System hat die BSR bereits an einem Abfallsammelfahrzeug vom Typ Mercedes Benz Econic 5 mit einem Haller-Aufbau getestet. Zwei weitere Fahrzeuge der neuen Generation (Econic Euro 6 mit einem FAUN-Aufbau) werden im September mit dem RAS System ausgestattet. „Wir beginnen nun mit der Entwicklung des Seriensystems. Wir gehen davon aus, bis Ende nächsten Jahres eine marktreife Lösung anbieten zu können“, berichtet Autonomos-Geschäftsführer Vogel.

Vorgesehen ist, das System zuerst als warnendes System einzuführen. Parallel dazu will Autonomos die nötigen Zertifizierungsschritte durchlaufen, um langfristig auch eingreifende Funktionen zu realisieren. „Dabei lassen wir uns vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV beraten. Die BG Verkehr unterstützt uns bei der Konzeptbewertung.“ So sei bei Gefahren im Nahbereich zunächst ein Anfahrtsstopp vorgesehen, später auch eine Notbremsung.Diese Funktionen sollen dann automatisch zum Einsatz kommen, wenn die Reaktionszeit des Fahrers bei einer Warnung nicht mehr ausreichen würde.

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