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Niederländischer Green Deal

Neues Waschverfahren für MVA-Schlacke

Die niederländischen Entsorger HVC und Boskalis haben ein Verfahren zur besseren Rückgewinnung von NE- und Edelmetalle aus der Feinstfraktion der MVA-Schlacke entwickelt. Sie reagieren damit auf die verschärften Anforderungen, die in den Niederlanden an die Erzeugung von Ersatzbaustoffen aus Verbrennungsschlacken gestellt werden.

In den Niederlanden haben der Abfallwirtschaftsverband DWMA (Dutch Waste Management Association) und das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Umwelt einen sogenannten Green Deal geschlossen. Damit werden die Anforderungen an die Verwertung von Schlacke als Ersatzbaustoff im Straßen- und Erdbau drastisch angehoben. Ziel des Green Deals ist, die Qualität der mineralischen Fraktion so zu verbessern, dass sie unbedenklich und ohne Einschränkungen als Baumaterial verwendet werden kann.

Die einschneidenste Maßnahme des Green Deals ist die Abschaffung der sogenannten IBC-Kategorie, unter die bislang auch Verbrennungsschlacken fallen. Das bringt nach Ansicht des DWMA und des Ministeriums fast schon zwangsläufig eine Qualitätsverbesserung der Schlacken mit sich. Als IBC-Baustoffe gelten ungeformte Baustoffe, die aufgrund der von ihnen ausgehenden möglichen Umweltgefährdung nur unter besonderen Isolierungs-, Kontrolle- und Überwachungsmaßnahmen eingesetzt werden dürfen. Diese Maßnahmen beinhalten unter anderem, dass IBC-Baustoffe mit ausreichenden Isolierungsschichten eingepackt werden müssen. Damit soll verhindert werden, dass Regenwasser einsickert und umweltschädliche Metalle ausgewaschen werden. Nicht zuletzt müssen jährlich Kontrollen und eventuell Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und dokumentiert werden, um die Qualität des Baustoffes zu garantieren und die Einhaltung der Vorschriften nachzuweisen.

Das alles macht die Verwendung von Schlacken im Straßen- und Erdbau zu einer aufwendigen Angelegenheit. Alternativen gab es bislang kaum, denn die Deponierung von Schlacken ist in den Niederlanden verboten. Doch der Green Deal erzwingt nun neue, optimierte Aufbereitungsverfahren, um aus Verbrennungsrückständen ein Produkt zu machen, das überall und unbedenklich eingesetzt werden darf. Denn ab dem 1. Januar 2017 dürfen nur noch 50 Prozent der anfallenden Schlacken in dieser Form als IBC-Baustoffe verwendet werden. Ab 2020 darf gar keine Schlacke mehr eingesetzt werden. Der Green Deal schreibt zudem vor, bis zum 1. Januar 2017 mindestens 75 Prozent der Nichteisenmetallfraktion > 6 mm zurückzugewinnen. Bis 2020 müssen die Recyclingziele für die NE-Metallfraktion < 6 mm noch festgelegt werden.

Schärfere Vorgaben als Ansporn

Das niederländische Abfall- und Energieunternehmen HVC sieht den Green Deal weniger als Belastung, sondern mehr als willkommenen Ansporn: „Klare Vorschriften führen zu technischen Lösungen, zu Fortschritt und einer Weiterentwicklung des Marktes“, sagte HVC-Vertreter Jan Peter Born auf einer VDI-Fachkonferenz in Düsseldorf.

HVC betreibt in den Niederlanden zwei Waste-to-Energy-Anlagen und hat sich auf die neuen Anforderungen schon eingestellt. Zusammen mit Boskalis Dolman, Teil von Boskalis Environmental, hat HVC 2010 ein Pilotprojekt gestartet. Über 3.000 Tonnen Verbrennungsschlacke wurden in der speziell angepassten Boskalis-Bodenwaschanlage behandelt.

Das Ergebnis kann sich zeigen lassen. „Die gewaschenen Granulate mit Korngrößen von 0 bis 20 mm entsprechen in ihrer Qualität allen Anforderungen des niederländischen Beschlusses zur Bodenqualität und den gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Sand und für Recyclingaggregate“, erklärte Born. „Somit gelten diese Granulate als Baustoff mit dem Status ‚uneingeschränkt freigegeben‘. Eine entsprechende Richtlinie mit genau umrissenen Vorschriften gibt es zwar noch nicht. In naher Zukunft sollen aber Schritte unternommen werden, um ein Protokoll im Rahmen der Richtlinien der niederländischen Stiftung für Infrastruktur, Qualitätssicherung und Bodenbewirtschaftung SIKB zu erstellen.

Technologie wird im Industriemaßstab getestet

Auch das 75-Prozent-Recyclingziel für NE-Metalle wird bereits erreicht. „Momentan wird zwar erst noch auf nationaler Ebene eine Berechnungsmethode für ein genormtes Berechnungsverfahren zum NE-Anteil in der Verbrennungsschlacke entwickelt. Aber generell wird angenommen, dass dieser Anteil rund 3 Prozent beträgt“, sagte Born. „2013 haben wir mit dem neuen Waschverfahren 388,2 Bruttotonnen NE-Metalle aus der Granulatfraktion zurückgewonnen. Das entspricht 0,71 Prozent des gesamten Eingangsmaterials und ist eine Steigerung in der NE-Metallausbeute um 40 Prozent.“ Rechnet man nun die 1,8 Prozent NE-Metalle hinzu, die HVC bereits mit der konventionellen trockenen Vorbehandlungsanlage zurückgewinnt, erreicht der WtE-Betreiber in der Tat das gesetzte Ziel.

Eine Charge der derart behandelten Schlacke wurde bereits in einem Autobahnabschnitt verbaut. „Das 0-20-mm-Granulat wurde vom Test Center der nationalen Straßen- und Wasserbaubehörde genehmigt, und die Anwendung in dem Bauprojekt beweist, dass dieses Material sehr gut im Tiefbau verwendet werden kann“, so Born. „Es ist schön, sagen zu können, dass wir ein Produkt herstellen.“

Die guten Ergebnisse des Mini-Pilotprojektes haben die Tür für ein auf zwei Jahre angelegtes Großprojekt geöffnet. Während 2013 und 2014 werden rund 200.000 Tonnen Schlacke aus den WtE-Anlagen in Alkmaar und Dordrecht in der Boskalis-Waschanlage behandelt. Das entspricht rund 15 Prozent der Verbrennungsschlacken, die jährlich in den Niederlanden anfallen. Das Ziel ist laut Born, zu beweisen, dass diese Technologie robust und im Industriemaßstab anwendbar und gleichzeitig umweltverträglich und wirtschaftlich machbar ist.

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