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Aktienindizes fallen

Rohstoffpreise im Sog der Aktienmärkte

Quelle: ©iStock.com/JacobH

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Trotz guter Fundamentaldaten sind die Metallpreise rückläufig. Das liegt auch daran, dass die Börsenpreise den tatsächlichen Markt nicht vollständig abbilden: Instrumente wie Preisgleitklauseln werden an der Börse nicht nachfragewirksam.

Von Roland Mauss, Oryx Stainless

Schöne, neue Welt: die Renditen 10-jähriger, deutscher Bundesanleihen bei 0,72 Prozent, kurzfristige Interbankenzinsen im negativen Bereich und die Inflation nur knapp über 0 Prozent. Die Finanz-, Banken- und Staatsschuldenkrise sowie das zur „Rettung“ eingesetzte billige Geld der Zentralbanken haben die Rahmenbedingungen der Volkswirtschaften nachhaltig verändert. Investoren suchen händeringend nach Rendite oder zumindest wertstabilen Anlagen. Wurden diese nun schon längere Zeit bei den Aktien gesehen, so ist dieser Trend erst einmal vorbei.

Die weltweiten Aktienindizes verloren in den vergangenen Wochen deutlich. So handelt der Deutsche Aktienindex (DAX) nach einem High von rund 10.030 Indexpunkten im Juli nun zeitweise schon unter einem Wert von 8.400. Das ist eine Korrektur von fast 18,5 Prozent und auch deutlich tiefer als die 9.500 Punkte zum Jahresanfang. Mit anderen Worten, alle Kursgewinne in diesem Jahr sind schon wieder passé und haben sich über Nacht in Negativrenditen verwandelt. Dabei soll es doch Deutschland innerhalb der EU als Konjunkturlokomotive und Insel der Glückseligen für die übrigen Länder des Gemeinsamen Marktes richten, denn andere Schwergewichte wie Frankreich und Italien sind noch gar nicht wieder richtig auf die Beine gekommen.

“Story” für Nickelmarkt ist weiterhin intakt

Wurden die Rohstoffe lange Zeit als Alternativinvestment gesehen, so sind diese nun auch in den allgemeinen Strudel der Negativmeldungen hinsichtlich Konjunkturaussichten geraten, ohne Rücksicht auf irgendwelche fundamentalen Unterschiede in einzelnen Segmenten. Die Entwicklung des Ölpreises kann hier als Versinnbildlichung des pauschalen Meinungswandels bei den Finanzinvestoren angesehen werden.

Dabei sind die Fundamentaldaten in einzelnen Bereichen der Commodity-Märkte weiterhin gar nicht schlecht. Die „Story“ für den Nickelmarkt ist weiterhin intakt. Die International Copper Study Group (ICSG) gab auf der Halbjahrestagung in Lissabon/Portugal ein erwartetes Angebotsdefizit im Kupfermarkt für 2014 von 300.000 Tonnen zu Protokoll. Das interessiert aber für die Preisfindung offensichtlich nicht, denn die Risikoaversion der Anleger ist die Handlungsmaxime der Stunde.

Kupfer handelt daher trotz niedriger LME-Börsenbestände und deutlichem Nachfrageüberhang mit USD 6.550,00/mt um 9 Prozent tiefer, als noch beim relativen Hoch im Juli dieses Jahres. Und auch die Nickelnotierungen, welche unbestritten von allen Industriemetallen eigentlich über beste „Fundamentals“ verfügen, haben sich wieder deutlich von den Höchstständen im Mai und Anfang September entfernt.

Preisgleitklauseln lösen keine Nachfrage an der Börse aus

In solchen, durch Verkaufswellen ausgelöste Korrekturbewegungen ist es für eine Marktberuhigung und Trendwende dringend nötig, dass es ab einem gewissen Kurs- oder Preisniveau, welches als attraktiv oder günstig betrachtet wird, auch wieder Kaufinteresse gibt. Dieser Mechanismus funktioniert in den Devisen- und Aktienmärkten recht gut. Bei den Metallmärkten leider nicht gleichermaßen gut.

So sind Rohstoffproduzenten auf der Primär- und Sekundärrohstoffseite zur Absicherung der Preisrisiken aus Einkauf und Lagerbestand eigentlich tendenziell Verkäufer an der Börse, während Rohstoffverbraucher und –verarbeiter, sei es auch am Ende einer Wertschöpfungskette, tendenziell Rohstoffkontrakte an einer Warenterminbörse kaufen müssten. Leider ist es aber die gängige Praxis, dass Preisrisiken über Preisgleitklauseln in Kaufverträgen außerhalb der Börsen abgefedert werden (sollen). Das Problem ist aber, dass sich diese Mechanismen trotz Referenz auf die Börsenpreise faktisch außerhalb der Börse abspielen.

Eine Nachfragewirkung an der Börse aus diesem Geschäftsvolumen findet nicht statt. Deshalb ist aber das wichtige Segment der Käufer aus dem fundamentalen Bereich auch im Börsenhandel kaum repräsentiert. Das ist natürlich eine ungute Entwicklung, denn damit bilden die Börsenpreise nicht mehr den tatsächlichen Markt ab und eine Kursbewegung kommt erst dann zum stehen, wenn bei den notgedrungen „maßgeblichen“ Finanzinvestoren die Zuversicht hinsichtlich einer Kurserholung steigt, so dass auch aus diesem Lager wieder Rohstoffkäufe getätigt werden.

Aufgrund dieses Phänomens wird durch die fundamentalen Marktteilnehmer oder sollte man besser sagen „Nichtmarktteilnehmer“ vermutlich eine Chance zur Einflussnahme auf die Preisfindung an der Börse vertan und man überlässt das Feld den so ungeliebten und kritisierten Spekulanten. Auch ist fragwürdig, ob die Preisgleitklauseln überhaupt einen wirksamen Schutz bieten. Denn bei sinkenden Preisen wirkt sich häufig neben der Preiskomponente zusätzlich die Mengenkomponente, im Sinne eines vorübergehenden Rückgangs des Auftragseingangs, negativ auf das Geschäft aus.

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