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Drohender Entsorgungsengpass

Sorgenkind Deponie

Die Zeit läuft davon: Im bundesweiten Durchschnitt reichen DK I-Deponien nur noch 11 bis 12 Jahre. In einzelnen Regionen sogar nur noch 3 bis 5 Jahre. Das Nachsehen wird die Wirtschaft haben.

Die Mahnung der Bauwirtschaft vor einigen Monaten war eindringlich. Die Bundesregierung solle alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um mittel- und langfristig genügend Ablagerungskapazitäten für nicht verwertbare Böden und Bauabfälle zur Verfügung zu stellen, hieß es in einem Schreiben an das Bundesumweltministerium. Niemand wiedersprach der Bauwirtschaft, nur eines war eigentlich falsch: der Adressat.

Denn zuständig für die Planung und Errichtung von Deponien sind nicht der Bund, sondern die Länder. Der Bund kann auf die Problematik hinweisen, er kann Versäumnisse kritisieren, aber konkrete Planungs- und Baumaßnahmen initiieren kann er nicht. Das ist Aufgabe der Länder – und die haben es bislang nicht geschafft, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten.

Regionale Engpässe

In Deutschland gab es im Jahr 2012 genau 1.146 Deponien. Davon zählten 158 zur Deponieklasse I. Auf diesen DK I-Deponien werden unter anderem die mineralischen Anteile von Bau- und Abbruchabfällen abgelagert. Ihr Restvolumen betrug 2012 noch 188 Millionen m3, rechnete Karl Biedermann vom Bundesumweltministerium (BMUB) vergangene Woche auf dem Karlsruher Deponie- und Altlastenseminar vor. Unter der Annahme einer zeitlich konstanten Ablagerung und dass 1 m3 einer Menge von 1,6 Tonnen entspricht, resultiert daraus eine Restlaufzeit von 24 Jahren.

Das klingt zunächst wenig dramatisch. Doch das ändert sich, wenn man die vier großen nordrhein-westfälischen Monodeponien für Verbrennungsrückstände aus der Braunkohleverstromung rausrechnet. Dann reduziert sich das Restvolumen um 130 Millionen m3 und die verbleibenden 154 DK I-Deponien verfügen nur noch über eine Restlaufzeit von 11 bis 12 Jahren.

Noch dramatischer wird es, wenn man den Fokus enger setzt und die regionalen Verhältnisse betrachtet. „Insbesondere im Nord-Osten von NRW, im Nord-Westen von Niedersachsen und im Neckar-Bereich in Baden-Württemberg bestehen nur noch DK I-Deponiekapazitäten für drei bis fünf Jahre, wenn kein weiterer Deponieraum zugelassen und bereitgestellt wird“, erklärte Biedermann.

Steigende Kosten für die Wirtschaft

Anzahl der Deponien in Deutschland nach Anlagenart 2011Dass es trotz Abfallwirtschaftspläne der Länder überhaupt zu diesem engen Zeitfenster kommen konnte, liege am Widerstand der Bevölkerung vor Ort, erklärte der BMBU-Vertreter. Der Bund könne allenfalls die Länder unterstützen und den politischen Dialog fördern, betonte Biedermann in Karlsruhe. Die Planung, Zulassung, Errichtung und Bereitstellung von Deponieraum sei „originäre und alleinige Angelegenheit der Länder“, sagte er. Diese hingegen verweisen auf den Widerstand vor Ort. In der Auseinandersetzung hätten Bürgerinitiativen projektierte Mineralabfalldeponien als „Giftmülldeponien“ verunglimpft, beklagt etwa Gunther Weyer vom niedersächsischen Umweltministerium. Das sei eine neue Erfahrung, die man von früheren Zulassungen von Boden- und Bauschuttdeponien nicht kenne.

Der Wirtschaft wird das jedoch nicht helfen. Auch nicht der Verdacht, dass die Länder die Vorhaben nicht rechtzeitig angestoßen haben und sie mit dem Widerstand vor Ort hätten rechnen müssen. Sie muss sich folglich auf weiter steigende Entsorgungskosten einstellen. Dabei sind die Kosten bereits deutlich höher als vor einigen Jahren.

Nach einer Umfrage unter Mitgliedsfirmen des Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) haben sich die Entsorgungskosten für belastete Böden seit dem Jahr 2008 versechsfacht. Auch für geringfügig belastete Böden nannten ZDB-Mitgliedsbetriebe eine Verdreifachung der Entsorgungskosten. Die Ursache hierfür sehen in den immer größeren zu entsorgenden Bodenmengen einerseits und der drastischen Abnahme von Anzahl und Restvolumen der Deponien andererseits.

So beklagte der ZDB im Sommer, dass stärker belastete Böden bereits heute bis zu 250 km zur nächsten Deponie transportiert werden müssten. Das belaste nicht nur Umwelt und Verkehr, sondern verschlechtere auch den Zustand der Straßen wesentlich, kritisierte der ZDB. Die anstehenden Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen würden dadurch erheblich verteuert.

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