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Chinas Stahlexporte und niedriger Eisenerzpreis

Trübe Aussichten für Stahlschrottbranche

Die Überkapazitäten am chinesischen Stahlmarkt und der niedrige Erzpreis haben die Stahlschrottpreise in den Keller geschickt. Zwar gibt es erste Anzeichen, dass China seine Stahlpolitik ändert, doch die Stahlrecyclingwirtschaft bleibt unter Druck.

China ist der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt – und seit geraumer Zeit auch das größte Sorgenkind für die weltweite Stahl- und Stahlrecyclingwirtschaft. Schon seit Monaten flutet die Volksrepublik die globalen Stahlmärkte mit den überschüssigen Produktionsmengen. Die Folge sind fallende Preise, nicht nur an den Stahlmärkten, sondern auch in der Stahlschrottbranche.

China hat nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl im vergangenen Jahr über 90 Millionen Tonnen Stahl exportiert – zu Preisen, die 15 bis 20 Prozent unter denen europäischer Hersteller liegen. Diese Entwicklung setzte sich auch in diesem Jahr weiter fort. „China überschwemmt die Märkte weiterhin mit billigen Halbfertig- und Fertigerzeugnissen“, kritisierte Tom Bird vom britischen Altmetallhändler Metallis Recycling Ende Oktober bei der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Prag.

„Dabei deutet vieles darauf hin, dass eine erhebliche Verminderung der Produktion als auch bei den Kostensenkungsmaßnahmen in China unumgänglich ist“, sagte Bird. So bekommen die chinesischen Stahlproduzenten bereits die Folgen der sinkenden Inlandsnachfrage zu spüren. „Vor allem der heimische Bedarf an Baustahl ist rückläufig“, berichtete Bird. Das wiegt umso schwerer, als Baustahl immerhin 50 Prozent des chinesischen Stahlverbrauchs ausmacht. Aber auch generell würden weniger Stahlprodukte verbraucht.

Chinas Stahlproduzenten fahren herbe Verluste ein

statistic_id180811_stahl---groesste-produzenten-weltweit-nach-produktionsmenge-2014Die drei größten staatlich kontrollierten chinesischen Stahlproduzenten haben daher bereits vor großen Verlusten im dritten Quartal gewarnt. Angang Steel erwartet laut Bird für den Zeitraum von Juli bis September dieses Jahres einen Verlust von 1,04 Milliarden Yuan (knapp 150 Millionen Euro). Bei Hunan Valin könnte der Verlust im dritten Quartal sogar noch höher ausfallen – hier steht die Zahl von 1,15 Milliarden Yuan (über 165 Millionen Euro) im Raum. Beijing Shougang könnte immerhin noch einen Verlust von 400 Millionen Yuan (rund 576.000 Euro) einfahren.

Der Metallexperte Bird hofft, dass Peking auf diese Zahlen reagiert und die richtigen Maßnahmen ergreift. Er rechnet damit, dass auch der wachsende internationale Druck und die aggressivere Haltung einiger Staaten gegenüber chinesischen Stahlprodukten Wirkung zeigen könnten. Einen ersten Schritt hat die Volksrepublik tatsächlich schon unternommen. Anfang September legte China das staatliche Stahlunternehmen Pangang Chengdu Steel and Vanadium Co. mit einer Jahreskapazität von zwei Millionen Tonnen still.

Auf weitere Schritte der chinesischen Regierung können die Stahlschrottrecycler in Europa nur hoffen. „Durch die Masse an billigen chinesischen Halbzeug- und Fertigprodukten haben die Stahlhersteller in vielen Regionen Europas bereits ihr Produktionsniveau reduziert“, sagte Bird. Einige spanische Stahlwerke sollen bereits darüber nachdenken, die Produktion einzustellen. Aber auch die Türkei, der größte Importeur von Stahlschrott aus Europa, frage derzeit weniger Stahl nach.

Türkei importiert deutlich weniger Stahlschrott

Die Konsequenzen hat die europäische Stahlschrottbranche bereits zu spüren bekommen. Schon seit einigen Monaten führt die Türkei deutlich weniger Stahlschrotte ein. Von Januar bis Juni hat das Land 8,472 Millionen Tonnen Schrotte importiert, berichtete Rolf Willeke, Statistik-Berater für das BIR-Segment Eisenmetalle, in Prag. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist das ein Rückgang von immerhin 12,9 Prozent.

Der Rückgang des türkischen Stahlschrottbedarfs wirkt sich besonders stark auf die deutschen Exporte aus. Im ersten Halbjahr wurden laut Willeke nur 524.000 Tonnen Schrott in die Türkei exportiert. Das entspreche einem Minus von 20,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2014. Aber auch Belgien hat einen deutlichen Rückgang von 13,5 Prozent verbucht. Frankreich hat 9,6 Prozent und Großbritannien 4,4 Prozent weniger Schrott in die Türkei ausgeführt.

Die Gesamtexporte der EU-28 folgen diesem Abwärtstrend. Von Januar bis Juni wurden 7,455 Millionen Tonnen Stahlschrott außerhalb der EU exportiert. Das ist ein Rückgang von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum (8,478 Millionen Tonnen). Aber nicht nur die Exportzahlen gehen in den Keller, sondern auch die Schrottpreise. Im Oktober sind die Stahlschrottpreise in Deutschland durch die Bank um über 30 Euro pro Tonne gefallen. Den stärksten Preisrückgang gab es bei der Sorte 1 (Stahlaltschrott). Im Oktober belief sich der Lagerverkaufspreis laut BDSV auf 119,10 Euro pro Tonne. Gegenüber September ist das ein Rückgang von 36,60 Euro. Aber auch Stahlspäne (Sorte 5) haben sich gegenüber dem Vormonat um rund 30 Euro auf 102,50 Euro verbilligt.

Weiterer Preisrückgang bei Eisenerzpreis erwartet

statistic_id432865_durchschnittlicher-preis-fuer-eisenerz-weltweit-bis-2014Was die Situation für die Recycler zusätzlich verschärft, ist der extrem niedrige Eisenerzpreis. Auch hier liegt die Ursache in China. Denn die rückläufige Nachfrage aus China sowie die Abwertung des Yuan belasten den Eisenerzmarkt. Aktuell ist eine Tonne Eisenerz 47,31 US-Dollar (43,16 Euro) wert (Stand 2. November 2015). Innerhalb eines Jahres ist der Preis damit um knapp 40 Prozent gefallen.

Mit einer Trendwende ist vorerst nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Für die kommenden Quartale erwarteten die Investmentbanker von Goldman Sachs sogar einen weiteren kontinuierlichen Preisrückgang. In den ersten drei Monaten 2016 soll der Preis auf 46 US-Dollar (gut 42 Euro) zurückgehen, danach auf 44 US-Dollar (40 Euro). Für Stahlschrottrecycler sind das schlechte Nachrichten. Denn integrierte Stahlwerke werden wohl auch weiterhin mehr vom billigen Eisenerz einsetzen. Für Stahlschrott dürfte es in den kommenden Monaten also schwierig werden, konkurrenzfähig zu bleiben.

Der einzige Lichtblick ist derzeit der Markt in Indien und Pakistan. „Beide Märkte waren in den vergangenen Wochen sehr aktiv“, berichtetet der Metallexperte Bird in Prag. „Wir verzeichnen hier eine starke Schrottnachfrage – besonders in Pakistan.“ Schrott sei derzeit einfach preislich attraktiv. Das schlägt sich auch in den Importzahlen nieder: Allein Indien hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3,168 Millionen Tonnen Stahlschrott eingeführt. Das sind fast 30 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014.

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