GRS-Bilanz 2012

In Deutschland wird fast jede zweite Gerätebatterie von GRS gesammelt. Doch die Sammelquoten treten auf der Stelle. Für die GRS wird es immer schwieriger, die Rücknahmequote zu steigern.

Altbatterie-Sammlung stagniert


Mit den guten Ergebnissen bei Sammlung und Verwertung von Altbatterien belegt Deutschland einen Spitzenplatz im europäischen Vergleich. Das ist im Wesentlichen der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS Batterien) zu verdanken. Denn fast jede zweite der über eineinhalb Milliarden Gerätebatterien, die hierzulande jährlich auf den Markt gebracht werden, wird von GRS Batterien gesammelt. Im vergangenen Jahr wurden laut der Erfolgkontrolle, wie die Stiftung ihre Jahresbilanz nennt, insgesamt 14.511 Gewichtstonnen Geräte-Altbatterien gesammelt und einem Recycling zugeführt. Die Sammelquote liegt damit aktuell bei 43,6 Prozent und erreicht beinahe schon das EU-Sammelziel für 2016 von 45 Prozent.

Auffällig ist, dass die Sammelquote seit mehreren Jahren auf der Stelle tritt. Vergleicht man die Erfolgskontrollen der zurückliegenden vier Jahre, fällt auf, dass die Sammelquote ständig um die 44 Prozent schwankt. Das letzte 1 Prozent, um die gesetzlichen Vorgaben ab 2016 zu erfüllen, wird wohl weiterhin eine harte Nuss bleiben. Denn die immer populärer werdenden wieder aufladbaren kleinen Energiespeicher sind häufig in Handys oder Laptops oder anderen Akkugeräten verbaut. Dadurch bleiben diese Batterien zum einen länger beim Verbraucher und werden zum anderen oft mit den Altgeräten zusammen entsorgt. Eine Herausforderung für die Stiftung wird sein, auch diese Altbatterien zu erfassen. Ein anderes Problem ist, dass viele Batterien in der Schublade gehortet werden und nicht in die Recyclingkette gelangen.

Eine andere Herausforderung hat GRS Batterien anscheinend schon gemeistert, und zwar die neue Schlüsseltechnologie der Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Der Trend im Bereich der Sekundär-Gerätebatterien geht immer stärker in Richtung dieser Batterietechnologie. Aktuell machen Lithium-Ionen-Akkumulatoren 62 Prozent der Batterien dieser Kategorie aus. Da von diesen Hochenergiebatterien ernst zu nehmende Gefahren und Risiken bei unsachgemäßem Umgang ausgehen, hat GRS Batterien nach neuen Lösungen gesucht und gefunden.

Die Stiftung GRS Batterien hat zusammen mit dem Augsburger BIFA Umweltinstitut ein Forschungsprojekt durchgeführt. Begleitet wurde das Projekt zur zukunftssicheren Erfassung, Transport und Entsorgung von Altbatterien von Vertretern von Herstellern, beteiligten Logistik- und Verwertungsunternehmen, Kommunen sowie Gefahrgutspezialisten und Experten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Im Januar 2014 soll das neue Sicherheitskonzept flächendeckend eingeführt werden. Demnach unterscheidet GRS Batterien Altbatterien bei der Rücknahme künftig in drei Sicherheitsklassen. „Für den Verbraucher ändert sich damit nichts – er kann seine Batterien auch weiterhin wie gewohnt zurückgeben“, verspricht Georgios Chryssos, Vorstand der Stiftung. Was die flächendeckende Einführung aber noch verzögern dürfte, ist der Ablehnung der Bau- und Elektronikmärkte und des Einzelhandels den neuen gelben Sammelcontainern gegenüber.

Denn eine wesentliche Änderung besteht zukünftig in der separaten Erfassung der steigenden Mengen an Hochenergiebatterien über sogenannte „qualifizierte Sammelstellen“. Die Einführung der hierfür erforderlichen neuen Erfassungsstrukturen als auch der erhöhte Sicherheitsaufwand dürfte für die Kunden der Stiftung nicht umsonst sein. Sie werden sich höchstwahrscheinlich auf Preiserhöhungen gefasst machen müssen.

Im Einzelhandel und bei den Baumärkte stoßen die geplanten Maßnahmen bereits jetzt auf Kritik. „Das System ist bislang ohne die Beteiligung des Handels entwickelt worden“, beschwert sich Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Für den korrekten Umgang mit den leistungsstarken Akkus müssen die Unternehmen nämlich ihre Mitarbeiter schulen. Falls die Kunden selbst ihre Hochleistungsbatterien in die Sammelbehälter füllen dürfen/müssen, muss Personal parat stehen und die Verbraucher beraten. Das kostet Arbeitszeit – und Geld. Im Janaur wollen sich daher die Verbände des Einzelhandels und der Baumärkte mit der GRS treffen und das „Sicherheitskonzept“ eingehend disktutieren.

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