Barzahlungsverbot

Bei der BDSV-Jahrestagung in Berlin gab es hitzige Diskussionen. Soll sich der Verband für ein Barzahlungsverbot einsetzen? Die Antwort gab letztlich ein Anwalt für Steuerfragen.

Nix auf die Kralle


Die anwesenden Journalisten saßen schon im Berliner Hotel Andel`s, bereit für das Pressegespräch mit der Führungsriege des Stahlrecyclingverbands BDSV. Alle waren anwesend, nur die Vertreter des Präsidiums und der Verbandsgeschäftsführung fehlten. Die saßen noch bei ihren Mitgliedern und diskutierten.

Dort ging es temperamentvoll zur Sache. Das BDSV-Präsidium hatte zur Jahrestagung das Thema Barzahlungsverbot auf die Agenda gesetzt. Ein Thema, das für Konflikte sorgt. Denn Bargeldzahlungen gehören zum Schrottgeschäft traditionell dazu. Viele Kleinstsammler liefern ihren Schrott an, wollen aber nur Bargeld, weil manche von ihnen nicht mal ein Bankkonto besitzen. Die Forderung nach einem Barzahlungsverbot schürt deshalb Ängste, die Kleinstsammlung könnte noch stärker einbrechen.

Das weiß auch das Führungspersonal der BDSV. Deshalb hat der Verband das Thema am Tag nach der Diskussion nochmal auf die Agenda der öffentlichen „Workshops“ gesetzt. Eingeladen war Serge Backert, Geschäftsführer von Derichebourg , der den deutschen Vertreter über die Erfahrungen mit dem Barzahlungsverbot in Frankreich berichten sollte.

Die französischen Schrottrecycler dürfen bereits seit dem 1. Oktober 2011 keine Lieferanten mehr bar bezahlen. Die Folge: Ein Umsatzrückgang mit Privatkunden von 20 bis 30 Prozent. Aber das Verbot hätte auch gravierende Vorteile, beruhigte Backert die BDSV-Mitglieder. Seit Einführung des Verbots sei man erkennbar aus dem Visier der Finanzbehörden geraten. Denn die Barzahlung schüre nicht länger den Verdacht, dass Schrottrecycler Steuern hinterziehen wollten.

Das Präsidium der BDSV hat deshalb beschlossen, sich für ein Barzahlungsverbot auszusprechen. Damit will sie den Ruf der Branche aufpolieren. Für den Mainzer Rechtsanwalt Tobias Mildeberger ist das ein berechtigtes Anliegen. Ihn hatte die BDSV zur Jahrestagung ebenfalls eingeladen. „Sie genießen keinen guten Ruf“, eröffnete der Anwalt den BDSV-Mitgliedern. Bargeldzahlungen im Schrotthandel hegten den Verdacht der Unlautbarkeit, und das würde grundsätzlich einen Anfangsverdacht der Finanzbeamten begründen.

Der Vortrag von Mildeberger wirkt. Aber es bleiben dennoch Zweifel. Vor allem bei den Vertretern kleinerer Firmen. Bei ihnen macht der Anteil der Barzahlungen zwischen 40 und 50 Prozent aus, schätzt BDSV-Präsident Heiner Gröger, bei den großen Unternehmen liegt der Anteil deutlich niedriger. Im Durchschnittlich werden laut BDSV etwa 20 Prozent der Schrottlieferungen in bar ausgezahlt. Und es bleibt der Verdacht, dass die Forderung der BDSV von den Vertretern der großen Unternehmen durchgedrückt wurde, um den kleinen Firmen das Leben schwer zu machen.

Doch dagegen wehrt sich die Verbandsspitze. Für die Forderung nach einem Barzahlungsverbot habe es eine deutliche Mehrheit der Verbandsmitglieder gegeben, betonte Hauptgeschäftsführer Rainer Cosson. Die Forderung eines Verbots sei auch von kleineren Firmen gekommen. Auch Ullrich Althoff versucht, dem Eindruck entgegenzutreten. Er ist Chef von TSR, dem Platzhirsch unter den Stahlrecyclern, und er ist als Vizepräsident der BDSV einer derjenigen im Verband, die die Forderung nach einem Barzahlungsverbot unterstützen. TSR zahle im Jahr etwa 100 Millionen Euro in bar aus, sagte er. Es sei nicht so, dass das Barzahlungsverbot nur die Kleinen treffen würde.

Allerdings steht die BDSV mit ihrer Forderung, künftig auf Bargeldgeschäfte zu verzichten, derzeit allein da. Die beiden Verbände bvse und BDSV befürworten die Beibehaltung der Barzahlung. Die BDSV reagierte darauf ziemlich verschnupft. Die Aktionen von bvse und VDM seien ein Affront gegen die BDSV-Initiative, beschwerte sich Gröger. Er ist enttäuscht von bvse und VDM. Das bislang gute Verhältnis zwischen den drei Verbänden hat einen deutlichen Knacks erfahren.

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