Weitere Verluste

Auch für das dritte Quartal weist der Metallrecycler herbe Verluste aus. Doch inzwischen stabilisieren sich die Margen. Unterdessen sucht Scholz nach neuen Kapitalgebern.

Scholz macht sich schlanker


20 Prozent weniger Umsatz und 40 Prozent weniger Ergebnis: Die Geschäftszahlen des Metallrecyclers Scholz sehen nach den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres schlecht aus. Der Umsatz ist mit Abschluss des dritten Quartals um 20 Prozent auf 98,3 Millionen Euro gefallen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen EBITDA liegt 98,3 Millionen Euro sogar unter 40 Prozent über dem Vorjahreswert.

Verantwortlich für die schlechte Entwicklung sind aus Sicht des Unternehmen vor allem zwei Faktoren: Weniger Mengen als Folge der teils flauen Weltkonjunktur und niedrigere Preise, die auf die Marge drücken.

Unterm Strich weist Scholz deshalb für die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres ein operatives Ergebnis vor Steuern von -8,3 Mio. Euro aus. Davon entfallen allein 5,1 Millionen Euro auf das dritte Quartal. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2012 erwirtschaftete Scholz noch einen Gewinn von 43,2 Millionen Euro.

Schlimmer sieht es noch aus, wenn man auch die Steuern und die außerordentlichen Belastungen aus der Neuausrichtung des Konzerns mitberücksichtigt. Dann bleibt ein Neun-Monats-Ergebnis von -122,0 Millionen Euro übrig.

„Gerade die erste Jahreshälfte war im internationalen Schrottmarkt geprägt durch rückläufige Volumina und Preise als Folge des schwachen Stahlmarktes und des rezessiven Umfelds in Europa“, kommentiert Oliver Scholz, CEO der internationalen Recyclinggruppe, die Ergebnisse. „Erst seit dem dritten Quartal zeichnet sich eine Stabilisierung der Margen ab. Vor dem Hintergrund dieses Umfelds hat sich die Scholz Gruppe in den ersten neun Monaten operativ ordentlich geschlagen“, so Scholz weiter.

Wie das Unternehmen hervorhebt, sei das Vorsteuerergebnis nach neun Monaten durch erhebliche Belastungen aus der laufenden Restrukturierung und Neuausrichtung des Konzerns geprägt. Das außerordentliche Ergebnis beläuft sich nach neun Monaten auf -108,4 Mio. Euro, davon entfallen rund 94 Mio. Euro auf den Rückzug aus dem austral-asiatischen Markt. Im dritten Quartal fiel zudem ein Buchwertverlust von 9,4 Mio. Euro aus dem Verkauf eines nicht-strategischen Aktienpakets an. Somit belief sich allein im dritten Quartal das außerordentliche Ergebnis auf -32,9 Millionen Euro.

Als Folge dieser Entwicklung sank das Eigenkapital des Scholz-Konzerns auf 178,4 Millionen Euro per 30. September 2013 (31. Dezember 2012: 300,4 Millionen Euro). Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 10,1 Prozent (31. Dezember 2012: 15,8 Prozent).

Wie der Konzern am 14. November bekanntgab, haben die bilanziellen Belastungen aus der Restrukturierung im Einzelabschluss der Scholz AG zum Verlust der Hälfte des Grundkapitals von 50,0 Mio. Euro geführt. Wie Scholz weiter mitteilt, seien die hohen Einmalbelastungen bei der Erstellung des Restrukturierungskonzepts bereits absehbar gewesen, deshalb habe das Konzept von vornherein die Stärkung der Eigenkapitalbasis durch die Aufnahme neuer Gesellschafter bei der Scholz AG vorgesehen. Dieser Investorenprozess werde derzeit vorbereitet und soll zügig zu Ergebnissen führen.

Wie das Unternehmen betont, habe sich die Scholz AG mit ihren Finanzgläubigern über das Programm zur Restrukturierung und Neuausrichtung des Konzerns geeinigt und damit im dritten Quartal die Grundlage für die Wende zum Besseren gelegt. Bei dem Ziel, nicht-strategische Aktivitäten – vor allem die Geschäftsbereiche Aluminiumproduktion und Handel mit Edelbaustahl – zu veräußern, die Gruppe insgesamt zu verschlanken und die Finanzverschuldung erheblich zu verringern, seien erste Erfolge erzielt worden.

Dazu gehören der Verkauf des Schmelzwerkes im ungarischen Tatabanya an den US-Konzern Scepter Inc. und die Veräußerung des deutschen Recycling-Standorts Velbert an die Schweizer Metallum-Gruppe. Der Großteil der geplanten „Desinvestments“ soll im kommenden Jahr erfolgen.

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