Restrukturierung des Metallrecyclers Scholz

Die KFM Deutsche Mittelstand AG hat die Scholz-Anleihe herabgestuft. Sie bezweifelt, dass der Investor zügig gefunden wird. Die bisherigen Verkäufe seien wohl erst der Anfang eines langen und schwierigen Verkaufsprozesses.

„Die Zeit wird immer knapper“


Die auf Mittelstandsanleihen spezialisierte KFM Deutsche Mittelstand AG hat die Scholz-Anleihe auf „unattraktiv“ herabgestuft. In der hohen Rendite von rund 30 Prozent spiegle sich die Unsicherheit der Anleger über die aktuellen Restrukturierungsmaßnahmen bei der Scholz AG wider, heißt es zur Begründung. Doch die Rendite wiege das Risiko bei Weitem nicht auf.

Die Zeit für das Unternehmen, seinen Gesellschafterkreis zu erweitern und somit dringend benötigte Mittelzuflüsse zu generieren, werde immer knapper, befindet der Anleihenspezialist. Aus seiner Sicht schreiten die Restrukturierungsmaßnahmen des Metallrecyclers nur langsam voran. Die bisherigen Verkäufe seien sicherlich der richtige Weg, um die Nettofinanzverschuldung von 1 Milliarde Euro zu senken, „jedoch wohl eher erst der Anfang eines langen und schwierigen Verkaufsprozesses“, so die KFM.

Das Finden eines neuen kapitalstarken Investors ist auch aus Sicht der KFM von entscheidender Bedeutung, um die Eigenkapitalbasis aufzustocken. Das Eigenkapital des Scholz-Konzerns reduzierte sich im Zeitraum von 31.12.2012 bis 30.9.2013 von 300,4 Millionen Euro auf 178,4 Millionen Euro. Für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2013 weist der Metallrecycler ein operatives Ergebnis vor Steuern von -8,3 Mio. Euro aus. Davon entfallen allein 5,1 Millionen Euro auf das dritte Quartal. Im Vergleich dazu erwirtschaftete Scholz in den ersten neun Monaten 2012 noch einen Gewinn von 43,2 Millionen Euro.

Um die Eigenkapitalbasis zu stärken, will Scholz neue Gesellschafter aufnehmen. Die KFM moniert, dass der Konzern bislang davon ausging, im ersten Quartal bei der Investorensuche fündig zu werden. Inzwischen sei der Zeitrahmen auf das erste Halbjahr ausgedehnt worden.

Derzeit sollen laut KFM vier mögliche Investoren im Gespräch sein: ein Unternehmen aus Japan, zwei aus Deutschland und ein amerikanischer Finanzinvestor. Oliver Scholz favorisierte in einem Gespräch mit der Zeitung ‚Wirtschaft Regional‘ im September 2013 Toyota als neuen strategischen Investor. Mit Toyota habe Scholz bereits zusammengearbeitet und dabei wohl gute Erfahrungen gemacht, so die KFM.

Im Zuge des geplanten Restrukturierungsprogramms hat der Konzern im vergangenen Jahr bereits das Schmelzwerk im ungarischen Tatabanya an den US-Konzern ScepterInc und den Recycling-Standort Velbert in Nordrhein-Westfalen an eine Tochtergesellschaft der Schweizer Metallum Holding AG veräußert. Zum 1. Januar 2014 wurde außerdem der 50 Prozent-Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Saarländische Rohprodukte GmbH (SRP) an den österreichischen Partner Loacker Recycling GmbH verkauft. Scholz hatte angekündigt, vor allem die Geschäftsbereiche Aluminiumproduktion und Edelstahl-Handel zu verkaufen.

Um die laufenden operativen Geschäfte sicherzustellen, hatten die Konsortialbanken dem Unternehmen im September vergangenen Jahres eine neue Kreditlinie in Höhe von 40 Millionen Euro gewährt. Zuvor hatte sich Scholz mit den Finanzgläubigern geeignet, die Tilgungsleistungen bis Ende 2014 auszusetzen. Wie das Management vergangene Woche nochmals betonte, stehe die Anleihenemission nicht im Zusammenhang mit der Restrukturierung der Unternehmensgruppe. Die Scholz-Anleihe hat einen Zinskupon von 8,5 Prozent und eine Laufzeit bis zum 8. März 2017. Im Rahmen der Anleihenemission sind insgesamt 182,5 Millionen Euro eingesammelt worden.

Die aktuelle Investorensuche will Scholz nicht kommentieren. Man werde sich an Spekulationen nicht beteiligen, heißt es aus dem Unternehmen. Geplant sei jedoch, in der der zweiten Hälfte des laufenden Monats Februars über die Geschäftsentwicklung des Jahres 2013 und über die Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr zu berichten.

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