Verwertung von Biomasse

Das Umweltbundesamt hat untersucht, ob die stoffliche Nutzung von Biomasse die bessere Alternative ist. Die Antwort lautet ja. Allerdings müssen erst einmal einige Hemmnisse abgebaut werden.

Nutzungskaskade ist der beste Weg


Biomasse ist die vielseitigste aller erneuerbaren Energien. Sie kann als fester, flüssiger oder gasförmiger Energieträger zur Verfügung gestellt werden. Sie kann zur Erzeugung von Wärme und Strom eingesetzt werden. Und sie kann Kraftstoffe ersetzen.

Kein Wunder also, dass nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Pflanzen als Träger für die Energiegewinnung der Zukunft viele Fans haben. Das Umweltbundesamt (UBA) allerdings gehört nicht dazu, zumindest nicht zu den Verfechtern der energetischen Verwertung. Die Behörde hat ein Forschungsprojekt zur stofflichen Verwertung von Biomasse in Auftrag gegeben. Nun liegen die Ergebnisse vor, und das UBA fordert, Biomasse zunächst stofflich zu nutzen und die Kaskadennutzung in den Mittelpunkt einer langfristigen Strategie für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Biomassenutzung zu stellen.

Zur Begründung heißt es, dass eine verstärkte stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe erhebliche ökologische und ökonomische Potenziale bezüglich Treibhausgasminderung, Wertschöpfung und Beschäftigung birgt. „Holz oder andere pflanzliche Stoffe sollten so lange wie möglich stofflich genutzt werden, für Bauholz oder Möbel und anschließend für neue Produkte recycelt werden“, fordert UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann. „Erst die Rest- und Abfallstoffe dürfen für die Energiegewinnung eingesetzt werden.“

UBA will Wettbewerbsverzerrungen abbauen

Nicht nur die Ökobilanz fällt zu Gunsten einer Kaskadennutzung aus. Auch ökonomisch hat die stoffliche Nutzung Vorteile. Nach Angaben des UBA schafft sie, bezogen auf die gleiche Menge an Biomasse, die fünf- bis zehnfache Bruttowertschöpfung und ebensolche Beschäftigungseffekte. Hauptgrund seien die meist langen und komplexen Wertschöpfungsketten.

Das Manko ist jedoch, dass die stoffliche Biomassenutzung derzeit keine finanzielle Förderung bekommt. „Gegenüber der energetischen Biomassenutzung ist sie deshalb kaum wettbewerbsfähig“, kritisiert der UBA-Vizepräsident. Der Anbau von Energiepflanzen, deren Verarbeitung und direkter Einsatz zur Energiegewinnung werde auf verschiedenste Weise gefördert – unter anderem durch Steuervorteile. Das steigert die Nachfrage nach Biomasse und folglich deren Preis, was wiederum höhere Pacht- und Bodenpreise nach sich zieht. Eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Kaskadennutzung werde so verhindert.

Das Umweltbundesamt empfiehlt daher eindringlich, vergleichbare Rahmenbedingungen für stoffliche und energetische Biomassenutzung zu schaffen und den Ausbau der Kaskadennutzung voranzutreiben. Es hat auch Vorschläge in petto, wie sich die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen zuungunsten der stofflichen Nutzung von Biomasse verringern lassen. Beispielsweise sollte in der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU sowie bei deren nationaler Umsetzung, dem EEG, die Kaskadennutzung deutlich besser gestellt werden als die direkte energetische Nutzung frischer Biomasse.

Ein anderer Weg könnte über das Marktanreizprogramm (MAP) für Erneuerbare Energien eingeschlagen werden. Dieses fördert die Wärmeerzeugung durch Biomasseanlagen. Würde diese Förderung schrittweise gekürzt werden und würde dadurch die Nachfrage nach Scheitholz-, Hackschnitzel- und Pelletheizungen sinken, ließe sich die Konkurrenz um Holz zwischen dem stofflichen und energetischen Sektor deutlich entschärfen, ist das UBA überzeugt. Um das zu erreichen, sollte auch die Umsatzsteuer für Brennholz erhöht werden. Sie liegt derzeit bei einem reduzierten Satz von sieben Prozent.

Derzeit wird nur ein Viertel des Altholzes aufbereitet

Um eine Kaskadennutzung Wirklichkeit werden zu lassen, braucht es aber vor allem politische Rückendeckung. Alle möglichen Wertstoffe hat der Gesetzgeber auf die Liste der ab spätestens Anfang Januar 2015 getrennt zu sammelnden Stoffströme gesetzt: Papier, Metall, Kunststoff, Glas, Bioabfälle. Nur Altholz nicht. Die Getrennterfassung auch von Holz ist aber der Schlüssel zum Recyclingerfolg und damit auch zur Erreichung der gesetzten Recyclingquoten. Ohne die verpflichtende getrennte Sammlung von Holz dürfte die Kaskadennutzung in der Recyclingrealität ein bloßer Wunsch bleiben. Darauf haben der Bundesverband der Altholzaufbereiter und- verwerter (BAV) und auch der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) in der Vergangenheit bereits mehrfach hingewiesen.

Bislang wird trotz des großen Altholzbedarfs und der relativ großen Altholzmenge maximal ein Viertel davon überhaupt aufbereitet und stofflich genutzt. Der Rest wird mehr oder weniger unsortiert thermisch verwertet. Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung – Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) schätzt, dass zwischen 50 und 75 Prozent der potenziell nutzbaren Holzanteile der stofflichen (Kaskaden-)Nutzung verloren gehen.

Die Gründe sieht das WKI hauptsächlich in den Problemen bei der Umsetzung der Altholzverordnung. Derzeit wird nämlich nur naturbelassenes oder mechanisch bearbeitetes Altholz der Kategorie A I für die stoffliche Nutzung aufbereitet. Bei behandeltem Altholz der Kategorie A II und A III dagegen ist es einigermaßen schwierig zu sagen, ob beispielsweise halogenorganische Verbindungen oder Holzschutzmittel verwendet worden ist. Daher wird in der Regel vom schlimmsten Fall ausgegangen und dieses Material direkt der thermischen Verwertung zugeführt.

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