Neue Aufbereitungsanlage

Die Stadtwerke Halle sortieren und zerlegen Elektro-Altgeräte künftig selbst. Am vergangenen Freitag ging eine neue Behandlungsanlage offiziell in Betrieb.

Stadtwerke Halle steigen in E-Schrott-Behandlung ein


Bisher haben die Stadtwerke die Elektroaltgeräte, die von den Hallensern an den Wertstoffhöfen abgegeben werden, unbehandelt an private Abnehmer zur Entsorgung und Verwertung weitergeleitet. Jetzt steigen die Stadtwerke selbst in das Geschäft mit dem E-Schrott ein. Denn die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft (HWS), ein Unternehmen der Stadtwerke Halle, sortiert und zerlegt künftig Elektroaltgeräte selbst. Dafür wurde am vergangenen Freitag eine neue Behandlungsanlage offiziell in Betrieb genommen. Bis zu 7.000 Tonnen Elektroschrott will die HWS künftig pro Jahr zerlegen.

Für den Bau der neuen Anlage hat die HWS 195.000 Euro investiert. In der Anlage werden die Altgeräte (vor-)sortiert und (grob) zerlegt, wie die HWS mitteilt. Bei der Sammelgruppe 3 beispielsweise werden Röhren- und Flachbildschirm-Geräte auseinandergenommen und in die Fraktionen (Kunststoff-)Gehäuse, (Netz-)Kabel, Leiterplatten, Bildröhre und sonstiges sortiert. Bei den Elektrokleingeräten, die der Sammelgruppe 5 angehören, werden Kabel und Schadstoffe wie Batterien entfernt. Im Anschluss vermarktet der nordrhein-westfälische Verwertungs- und Entsorgungsbetrieb IGE Hennemann die sortierten Stoffströme.

IGE Hennemann ist gleichzeitig Lieferant von Elektroaltgeräten der Sammelgruppe 3, wozu IT und Unterhaltungselektronik sowie Bildschirmgeräte gehören, und von Elektrokleingeräten. Diesen zusätzlichen E-Schrott von außerhalb braucht die HWS, um ihre Anlage mit ausreichend Masse versorgen zu können. Denn mit der in der Stadt Halle anfallenden E-Schrott-Menge dürfte sich die neue Behandlungsanlage wirtschaftlich kaum rentieren: Den Angaben zufolge fielen in der Sammelgruppe 3 im vergangenen Jahr lediglich 890 Tonnen an. Die Kleingeräte der Sammelgruppe 5 brachten mit 160 Tonnen noch wesentlich weniger Gewicht auf die Waage.

Neue Sammelcontainer an sechs Standorten

Die HWS arbeitet allerdings daran, den Input aus der Stadt mit eigenen Kräften zu erhöhen. Kürzlich hat die Stadtwirtschaft an sechs Standorten in Halle Container zum Sammeln von Elektro-Kleingeräten aufgestellt. „Diese werden in ihrer Pilotphase bisher sehr gut genutzt“, sagte Jörg Schulze, Geschäftsführer der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft, bei der offiziellen Inbetriebnahme der Behandlungsanlage. Damit will die HWS es den Bürgern einfacher machen, ihre alten Kleingeräte richtig zu entsorgen.

Halle ist nur ein Beispiel der neuen Entschlossenheit der kommunalen Unternehmen, die neuen Sammelziele aus dem ElektroG einzuhalten, wie sie der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) in einer Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums angekündigt hat. Zahlreiche Kommunen würden somit die haushaltsnahe Sammlung von Elektroaltgeräten ausweiten. Mit der Sammlung allein ist es aber bei vielen öffentlich-rechtlichen Entsorgern (örE) nicht getan. Gemäß Paragraf 9 Abs. 6 des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) dürfen die örE bei bestimmten Gruppen von Altgeräten in Eigenregie die Wiederverwendung, Behandlung oder Entsorgung vornehmen und auch selbst vermarkten.

Seit einigen Jahren machen die Kommunen von dieser Möglichkeit immer stärker Gebrauch. Laut Zahlen der Stiftung ear haben sich die Optierungen der örE von 2011 auf 2012 um 14 Prozent und von 2012 auf 2013 nochmals um 16 Prozent erhöht. Gleichzeitig haben sich die Abholanordnungen von rund 86.000 im Jahr 2011 auf rund 66.000 im vergangenen Jahr reduziert. Aufgrund der steigenden Optierungen der örE sind die ear-Gebühren für die Hersteller bereits um rund 38 Prozent gestiegen, während gleichzeitig die Erlösmöglichkeiten der Hersteller gesunken sind.

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