Primär- und Sekundärkunststoffe

Der Export von Kunststoffen aus Europa nach Fernost hat seit dem Wegfall der strengen Green Fence-Auflagen weiter zugenommen. Doch doch die höhere Nachfrage wird zunächst aus den Kunststofflägern befriedigt, schreibt bvse-Kunststoffexperte Thomas Probst.

Marktbericht für Kunststoffe


Von Dr. Thomas Probst

1 Der Markt für Primärkunststoffe

Die Vorhersagen und Abschätzungen der Wirtschaftsinstitute für die konjunkturelle Entwicklung in 2014 sind deutschland- und europaweit weiterhin positiv. Dies zeigt insbesondere der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands. Im Februar ist der ifo Geschäftsklimaindex weiter gestiegen. Die aktuelle Geschäftslage ist von den Unternehmen deutlich besser bewertet worden als im Vormonat. Die Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf haben einen kleinen Dämpfer erhalten, bleiben jedoch weiterhin optimistisch.

Das Geschäftsklima für das Verarbeitende Gewerbe hat sich zum vierten Mal in Folge verbessert. Die Unternehmen sind deutlich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Die immer noch zuversichtlichen Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf haben sich leicht abgeschwächt. Die Exportaussichten der Industriefirmen trübten sich zwar deutlich ein, doch blieben sie mehrheitlich optimistisch. Die deutsche Wirtschaft behauptet sich in einer wechselhaften Großwetterlage.

Standardkunststoffe: Die Preisnotierungen von Standardkunststoffen gemäß EUWID haben sich im Januar stabilisiert. Die Preiserhöhungen werden mit Verteuerungen bei den Vorprodukten begründet. Im Januar 2014 liegen die Preise der Standardkunststoffe um durchschnittlich 20 Euro/t über denen des Vormonats.

EUWID gibt die Preise für A- und C-PET im Januar mit 1.160 Euro/t bis 1.260 Euro/t an. Damit liegen gemäß EUWID die PET-Notierungen im Mittel etwa 15 Euro/t höher als im Vormonat. KI – Kunststoffinformation sieht die Preise für PET-Verpackungen im Mittel um 150 Euro/t höher, stellt aber zum Vormonat keine Veränderungen fest.

Der milde Winter und das gute Konsumklima in Deutschland führen zu einer etwas höheren Kunststoffnachfrage als im Vormonat. Durch die auch in diesem Winter weiterhin bestehende Nachfrage nach PVC aus dem Baubereich erholen sich die PVC-Notierungen bereits im Januar.

Tabelle 1: EUWID-Notierungen von Standardkunststoffen in 2013 mit Höchst- und Tiefststand; Preise in Euro/t.

Tabelle-1

2 Der Markt für Sekundärkunststoffe

Seit dem Wegfall der strengen Green Fence-Auflagen hat der Export von Kunststoffen aus Europa nach Fernost weiter zugenommen. Die erhöhte Exportnachfrage wird zunächst aus den hierfür aufgebauten Kunststofflägern befriedigt.

Die Zeitschrift EUWID weist bei den Standardkunststoffen für Januar 2014 nur relativ geringe Preisveränderungen im Vergleich zum Dezember 2013 aus. Somit zeigt EUWID im Preisspiegel Januar letztlich eine Preisstabilität zum Vormonat an.

Die Internetplattform plasticker weist im Januar 2014 im Vergleich mit Dezember 2013 einen durchschnittlichen Preisnachlass von 27 Euro/t aus. Bei plasticker fallen somit die Preiskorrekturen drastischer aus als bei EUWID. Dennoch zeigen die beiden Preisspiegel damit in etwa den gleichen Trend an. Diese Preiskorrekturen sind bei beiden Preisspiegeln in der Gesamtschau als eher gering einzustufen und weisen damit für Januar 2014 eine Preisstabilisierung aus.

2.2.1 Preisspiegel EUWID

EUWID hat bei seiner Veröffentlichung des monatlichen Preisspiegels noch nicht zu einem festen Rhythmus gefunden, weshalb hier über die Veränderungen von Januar 2014 zu Dezember 2013 genauer berichtet wird.

Bei PVC liegen die Preisnachlässe durchschnittlich bei 10 Euro/t bis 25 Euro/t. Bei PS sind einseitige Preiserhöhungen im unteren Preisbereich um 10 Euro/t zu melden. Die Standardkunststoffe im EUWID-Preisspiegel Altkunststoffe für Januar 2014 behaupten sich also im Vergleich zu den Notierungen aus Dezember 2013. Die anderen Notierungen bleiben fast unverändert.

PE notiert weitgehend unverändert. Hier zeigt sich insgesamt nur eine Veränderungen, die jeweils einseitig die Preisspanne um plus 10 Euro/t verändert. Bei PE post user notiert dünne farbige Folie um durchschnittlich 5 Euro/t höher, nämlich die Folie transparent farbig <70 µm mit 50-170 Euro/t. Die Notierungen der PP-Produktionsabfälle sind gegenüber denjenigen aus dem Vormonat unverändert.

Die PS-Produktionsabfälle zeigen jeweils in der unteren Preisspanne Veränderungen und zwar um ±10 Euro/t. Die Januar-Notierungen lauten beispielsweise: Standard bunt 540-680 Euro/t, Standard weiß 640-830 Euro/t, Schlagfest bunt 630-680 Euro/t und Schlagfest weiß 720-860 Euro/t. PS-Recycler suchen nach wie vor Input. Die Nachfrage nach PS-Mahlgütern und PS-Regranulaten ist weiterhin hoch.

PVC: Fast alle PVC-Qualitäten, die im EUWID-Preisspiegel notiert werden, zeigen Preiskorrekturen. Bei den PVC-Produktionsabfällen liegen die Preisabschläge durchschnittlich bei 10 Euro/t bis 15 Euro/t. Beispiele für Januar-Notierungen: Weich bunt 310-440 Euro/t, Hart transparent 480-620 Euro/t und Rohrqualität bunt 480-600 Euro/t. Bei der PVC-Fensterware liegen die Preisabschläge durchschnittlich bei 18 Euro/t. Die Januar-Notierungen lauten z.B.: Fensterqualität weiß 610-720 Euro/t und Fensterqualität bunt 500-600 Euro/t. Der milde Winter führt dazu, dass der sonst übliche saisonale Nachfragerückgang deutlich abgemildert ist.

Der PET-Markt: Das Angebot an Flaschen ist auch im Dezember noch ausreichend. Der Verbrauch an PET-Getränkeflaschen ist zurzeit ausreichend. Darüber hinaus können Recycler im benachbarten Ausland Flaschen kaufen. Die PET-Flaschennotierungen haben im Dezember 2013 ihren bisherigen Tiefstand erreicht. Im Januar 2014 notieren gemäß EUWID PET klar im Durchschnitt um 5 Euro/t höher als im Dezember 2013. PET bunt notiert unverändert im Vergleich zum Vormonat Die neuen Notierungen lauten z.B. für: PET klar 245-285 Euro/t.

2.2.2 Preisspiegel plasticker

Die Internetplattform plasticker bildet tagesaktuelle Notierungen ab. Im vorliegenden Marktbericht sind die monatlichen Preisabschlüsse angegeben. Lediglich im jeweiligen Berichtsmonat, hier für Februar 2014, werden die bis dahin aufgelaufenen vorläufigen Notierungen angegeben – diese sind ein Zwischenstand, die erst im Folgemonat endgültig werden.

Standardkunststoffe: Im Januar geben die Preise für Standardkunststoffe im Vergleich zum Vormonat um durchschnittlich 27 Euro/t nach. Während die Notierungen von HDPE, LDPE und PP leichte Erhöhungen zeigen, geben diejenigen von PS, PVC und PET nach. Dabei reichen die Preiserhöhungen von 10 Euro/t bis 30 Euro/t und die Preisnachlässe von 10 Euro/t bis 60 Euro/t. Im Januar kann eine etwas verbesserte Nachfrage gegenüber Dezember festgestellt werden. Laut plasticker verändert sich im Januar die Preisnotierung um mehr als ± 40 Euro/t im Vergleich zum Vormonat bei: PS-Granulat -60 Euro/t und PET-Mahlgut bunt -60 Euro/t.

Eine erste Vorschau in die Februar-Notierungen 2014, die allerdings erst Anfang März 2014 abschließend gemeldet werden, gibt den voraussichtlichen Durchschnittspreis zu 596 Euro/t an. Damit weist die Internetplattform plasticker am 13.02.2014 leicht steigende Preise bei den Standardkunststoffen aus. Der Februar zeigt bisher eine gute Nachfrage nach Standardkunststoffen.

Tabelle 3: Notierungen für Standardkunststoffe in plasticker; Angaben in Euro/t.

Tabelle-3

Technische Kunststoffe: Im Januar 2014 notieren die Technischen Kunststoffe um 29 Euro/t höher als im Vormonat. Die meisten Preisveränderungen liegen zwischen 10 Euro/t und 90 Euro/t. Das POM-Granulat zeigt allerdings eine Preiserhöhung um 290 Euro/t! Laut plasticker verändern sich im Januar die folgenden Preisnotierungen um mehr als ±70 Euro/t z.B. bei: PC-Mahlgut -90 Euro/t, PBT-Granulat +90 Euro/t und POM Granulat +290 Euro/t. Im Januar entspricht die Nachfrage nach Technischen Kunststoffen derjenigen aus dem Vormonat.

Eine erste Vorschau auf die Februar-Notierungen 2014, die abschließend allerdings erst Anfang März 2014 gemeldet werden, zeigt einen Durchschnittspreis in Höhe von 1407 Euro/t. Damit geben die Februarnotierungen, die die Internetplattform plasticker für die Technischen Kunststoffe am 14.01.2014 ausweist, um 35 Euro/t nach. Der Februar 2014 zeigt bisher eine eher verhaltene Nachfrage nach Technischen Kunststoffen.

Tabelle 4: Notierungen für Technische Kunststoffe in plasticker; Angaben in Euro/t.

Tabelle-4

Alle Preisangaben ohne Gewähr. Alle EUWID-Preise ab Station. Die Preise beziehen sich in der Regel auf Mengen größer 20 Tonnen. Aus den stündlich aktualisierten Monatspreisübersichten – erstellt aus den Angeboten in der Rohstoffbörse plasticker, siehe www.plasticker.de, lassen sich monatliche Preisnotierungen für die Sekundärkunststoffe errechnen. Dieser Preisspiegel zeigt Notierungen, die allerdings unter dem Vorbehalt der Ermittlung aus den eingestellten Angeboten stehen. Darüber hinaus unterscheidet plasticker nicht zwischen den Qualitäten klar, bunt oder farbsortiert. Dadurch ergibt sich aus den plasticker-Angaben unter Umständen ein anderes Marktgeschehen als beim EUWID-Preisspiegel. Bei plasticker werden bei den Qualitäten Mahlgut und Granulat sowohl Neuware wie auch Sekundärware angeboten.

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