Für alle Abfallbehandlungsanlagen

Neues Ungemach aus Brüssel. Die Kommission überlegt, für alle Abfallbehandlungsanlagen eine Zertifizierungspflicht vorzuschreiben. Das würde die Herstellung von Sekundärrohstoffen weiter verteuern.

Brüssel erwägt Zertifizierungspflicht


Die EU-Kommission hat ein Konsultationsverfahren eröffnet, in dem sie derzeit Stellungnahmen der verschiedenen Interessengruppen einholt. Das Verfahren läuft noch bis 17. März. Danach werden die Ergebnisse ausgewertet. Sollte sich die Kommission für eine Zertifizierungspflicht entscheiden, wäre damit zu rechnen, dass noch in diesem Jahr ein legislativer Vorschlag vorlegt wird, erklärte Naomi Denz, Geschäftsführerin des VDMA-Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik.

Betroffen wären alle Sortier- und Aufbereitungsanlagen, sagte Denz gegenüber 320°. Mit der Zertifizierung wolle die Kommission eine Art Qualitätssicherung für die erzeugten Produkte gewährleisten. Damit unterscheide sich das Vorhaben von anderen Zertifizierungen, die sich eher an technischen Anforderungen im Sinne des Umweltschutzes orientieren.

Qualität sei durchaus ein wichtiger Aspekt, sagte Denz. Doch europäische Hersteller von Sekundärrohstoffen hätten schon heute das Problem, dass sie hohe Umweltauflagen haben und dadurch relativ teuer produzieren müssten. Deutsche und andere europäische Anbieter von Sekundärrohstoffen wären bei einer zusätzlichen Zertifizierung gezwungen, ihr Produkt teurer am Markt anzubieten und liefen infolge dessen Gefahr, vom Markt gedrängt zu werden. Außerdem blende die Idee der Zertifizierung aus, dass es sowohl einen qualitativ guten Input als auch eine gute Aufbereitungstechnik brauche, um ein qualitativ hochwertiges Produkt herzustellen.

Eine Zertifizierungspflicht von Abfallbehandlungsanlagen führe nicht zu einer Lenkung von Abfallströmen in besonders moderne Anlagen, sondern nur zu höheren Kosten für den Anlagenbetreiber, betonte Denz.

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