Marktlage für Stahlschrott

Die Stahlschrottbilanz für 2013 ist ernüchternd: Nachfrage und Export gingen zurück. Die Branche hofft auf eine Verbesserung der Marktlage in 2014. Doch bislang vergebens.

Zerplatzte Hoffnungen


Weniger Schrottnachfrage trotz fast gleichbleibender Produktion: Obwohl die Herstellung von Stahl in Deutschland im Jahr 2013 mit 42,6 Millionen Tonnen lediglich 16.000 Tonnen unter dem Vorjahresniveau lag, ging die Nachfrage an Stahlschrott weitaus deutlicher zurück. Der Entsorgerverband bvse und der Stahlrecyclingverband BDSV haben in ihren Jahresbilanzen festgestellt, dass die Stahlproduzenten rund 462.000 Tonnen weniger Stahlschrott einkauften. Erklärt wird dieser Rückgang mit der Verschiebung in der Art der Herstellung: So ging die Produktion an Elektrostahl um 2,4 Prozent zurück, während die von Oxygenstahl um 1 Prozent zulegte. Elektrostahl wird zu fast 100 Prozent aus Stahlschrott hergestellt, beim Oxygenstahl ist der Schrotteinsatz mit zirka 18 Prozent deutlich geringer – die Produktionsverschiebung ist entsprechend im Schrottbedarf spürbar.

Die gesamte Stahlschrottnachfrage lag 2013 bei 19,4 Millionen Tonnen. Dabei kauften die Stahlwerke 15,04 Millionen Tonnen, die restlichen 3,34 Millionen Tonnen wurden von Gießereien nachgefragt. Der Schrotteinsatz in der gesamten Rohstahlproduktion lag bei 45,6 Prozent und damit knapp unter dem Vorjahreswert von 46,3 Prozent.

Neben der Inlandsnachfrage ging auch der Gesamtversand der deutschen Stahlrecyclingwirtschaft deutlich zurück. Er lag bei 27,3 Millionen Tonnen und damit 4,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. „Hauptgrund für den Rückgang sind die um fast 900.000 Tonnen verminderten Exporte im vergangenen Jahr“, heißt es in der Bilanz des bvse. Das sind 9,1 Prozent weniger als im Jahr 2012.

Wie der bvse weiter berichtet, ist das durchschnittliche Jahrespreisniveau bei der Sorte E3 von 2012 auf 2013 um 8,3 Prozent gesunken. Bis einschließlich Juli sind die Preise kontinuierlich gefallen – für die Sorte E3 um insgesamt 56 Euro pro Tonne. Erst zum Jahresende hätten sich die Preise erholt. Exemplarisch für den Preisdruck, dem die Stahlproduzenten unterliegen, sei der drastisch gestiegene Verbrauch von Spänen gewesen: Dieser habe sich um von 2012 auf 2013 um 70.000 Tonnen erhöht und mache nun fast 10 Prozent im Sortenmix der Werke aus.

Stahlrecycler und Verbände hatten zuletzt immer wieder betont, dass sie auf einen Aufschwung in 2014 hoffen. Laut bvse sind diese Hoffnungen „recht zügig zerplatzt“. Grund hierfür seien ein Überangebot und die angespannte Liquidität einiger Marktteilnehmer. Auch die Nachfrage aus der Türkei sei enttäuschend, statt der erwarteten Preiserhöhungen seien Anfang des Jahres die Notierungen erneut gefallen.

bvse-Referentin Birgit Guschall-Jaik befürchtet, dass der Trend sich bis Ende des zweiten Quartals fortsetzen wird: „Bei einem Rückgang des Schrottaufkommens aus dem Inland von fast fünf Prozent wird klar, dass das Überangebot an Aufbereitungsanlagen bei der deutschen Schrottwirtschaft lediglich den Wettbewerb um das Vormaterial hinsichtlich Preisgestaltung und Beschaffung ruinös verschärft.“ Die Einschätzung von BDSV-Hauptgeschäftsführer Cosson lautet ähnlich. Erste Anzeichen für Besserungen seien bislang noch rar.

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