Die Woche vom 31. März bis 6. April

Gold schwächelt, Silber und Platin bewegen sich seitwärts und der Palladiumpreis ist gut unterstützt: Der Marktbericht für Edelmetalle.

Marktbericht für Edelmetalle


Von Sonia Hellwig und Florian Richardt, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG

Gold

Es sah zunächst so aus, als müsse Gold eine dritte Woche in Folge Verluste hinnehmen. Tatsächlich schloss es die Berichtsperiode mit einem kleinen Gewinn von 0,70 Prozent. Ein kurzes Aufbegehren Mitte der Woche (+1 Prozent) blieb zunächst ohne ausreichende Unterstützung, um den Preis zu halten geschweige denn den Anstieg fortzusetzen. Mit Aussicht auf die Veröffentlichung der US Arbeitsmarktzahlen (non-farm payrolls) am Freitagnachmittag waren einige Short-Positionen geschlossen worden. Der Fokus lag somit wieder eindeutig auf der wirtschaftlichen Lage der US und entsprechenden Reaktionen der Fed. Die schlechter als erwarteten Arbeitsmarktzahlen trieben Gold zum Wochenende dann binnen Stunden über die Schwelle von 1.300 Dollar/oz und drehten die Tendenz der letzten Wochen. Die in Aussicht gestellte Zinserhöhung und die Beendigung des Quantitative Easing Programs seitens Fed, die zuletzt schwer auf Gold wogen, verloren somit ein wenig an Brisanz.

Zu Anfang der Berichtsperiode war Gold auf den tiefsten Stand in sieben Wochen gefallen (1.277 Dollar/oz) und weiterhin blieb die physischen Nachfrage im Markt aus. In China wurde Gold zwar zum ersten Mal seit einigen Wochen mit einem geringen Aufgeld zu London gehandelt, doch war diese Veränderung nicht von Dauer und kann kaum als positiver Indikator interpretiert werden.

Trotz der Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten am Freitagnachmittag, sind wir der Meinung, dass die Impulse fehlen, die Gold nachhaltigen Auftrieb bringen könnten. Das allgemeine Umfeld liefert wenig Unterstützung: Gold hat keine Gründe, um derzeit als sicherer Hafen punkten zu können. Die relative Dollarstärke sowie die weiterhin positive Entwicklung der Aktienmärkte liefern Gold starke Konkurrenz. Entsprechend hat es diese Woche wieder Abflüsse aus den ETFs gegeben.

Silber

Trotz vieler Daten und einer verbal intervenierenden EZB am Donnerstag handelte Silber vergangene Woche in einer außergewöhnlich engen Bandbreite mit kurzen Ausbrüchen über die Marke von 20 Dollar/oz und einem Tief bei 19,60 Dollar/oz. Im Gegensatz zu fallenden ETF Beständen im Gold, legten die Bestände im Silber während der Berichtsperiode um ca. 90 Tonnen zu. Dies bot zusammen mit den zahlreichen Konjunkturdaten, welche ohne negative Überraschungen blieben, sowie den steigenden Basismetallpreisen eben jene Unterstützung, die ein Absinken des Silberpreises verhinderten.

Wir sehen Silber in dieser Woche in einer Seitwärtsbewegung. Sollte das Metall die Marke von 19,60 Dollar/oz nachhaltig unter- bzw. 20,25 Dollar/oz überschreiten kann sich zusätzliches „Momentum“ in die ein bzw. andere Richtung ergeben. Ausblickend sollten zum Beispiel Daten zur Deutschen Industrieproduktion bzw. der EZB Jahresbericht (heute), die FOMC Minutes (Mittwoch) sowie chinesische Handelsbilanzdaten (Donnerstag) die Preise beeinflussen.

Platin

Platin startete die letzte Woche mit Preisen um 1.400 Dollar/oz, welche auch von der Industrie für Eindeckungen genutzt wurden. Im Verlauf der Berichtsperiode konnte das Metall dann ca. 2,60 Prozent auf 1.443 Dollar/oz zulegen. Dementsprechend notiert Platin im Vergleich zu Gold ca. 140 Dollar/oz höher.

Während in der letzten Woche, bedingt durch den Tarifabschluss zwischen Anglo American Platinum und der Gewerkschaft NUM, ein Fortschritt mit der größeren Gewerkschaft AMCU eingepreist wurde, scheint diese Hoffnung wieder verschwunden. Der den südafrikanischen Minenarbeitern entgangene Lohn, durch den seit 23. Januar anhaltenden Streik, beläuft sich mittlerweile auf ca. 500 Millionen US-Dollar, der dem Produktionsausfall geschuldete Umsatzverlust gar auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Aufgrund der anhaltenden Dauer, des mit ca. 80.000 Arbeitern starken Streiks, machten Minengesellschaften wie Anglo American Platinum bzw. Lonmin ein Ereignis höherer Gewalt geltend („Force Majeure“). Mit Hilfe dieser Klausel können vertragliche Verpflichtungen ausgesetzt werden. Dementsprechend sehen wir das Metall in dieser Woche gut unterstützt und erwarten eine Seitwärtsbewegung.

Palladium

Palladium hat sich im Verlauf der Woche wieder an die Marke von 800 Dollar/oz herangetastet. Bedingt durch die mehrfach angesprochenen Punkte wie die erhöhte industrielle Nachfrage, das streikbedingt schwache Angebot in Südafrika, sowie die Krimkrise, ist Palladiumschwamm weiterhin knapp. Auch wir konnten eine erhöhte Nachfrage aus der chemischen Industrie vermelden.

Mit der Einführung der beiden Palladium ETFs in Südafrika zeigen sich die entsprechenden Emittenten zufrieden. In Summe konnte bis dato ein Bestand von ca. 90.000 Unzen aufgebaut werden.

Da Palladium hauptsächlich als Katalysator in Benzinfahrzeugen eingesetzt wird, ist insbesondere der Amerikanische Automobilmarkt von großer Bedeutung. Der hier vorherrschende robuste Ausblick zeigt sich auch in dem im März um ca. 6 Prozent gestiegenem Fahrzeugabsatz in den USA.

Dementsprechend spricht aktuell viel für einen gut unterstützten Palladiumpreis. Sollte eine Einigung in Südafrika erzielt werden, könnte sich die Situation jedoch wieder drehen.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium konnte zu Beginn der Berichtswoche eine gute Nachfrage verzeichnen. Diesmal kam das Interesse, anders als in den Vorwochen, verstärkt von der Investmentseite. Die Umsätze waren bei einem durch die Streiksituation eingeschränktem Angebot, vergleichsweise hoch. Der Preis ist aktuell auf einem 1-Jahres-Hoch und wenn es keine Meldungen aus Süd Afrika geben sollte, wird der Preis weiterhin unterstützt bleiben bzw. Aufwärtspotenzial vorweisen (aktuelle Bandbreite: 1,130 – 1,190 Dollar/oz).

Im Ruthenium gab es, analog zu Rhodium, auch am Wochenanfang gutes Interesse aus Investmentkreisen. Der Preis stieg daraufhin leicht um weitere 3 – 4 US-Dollar, allerdings gab es bisher keine weiteren größeren Eindeckungen von Investoren oder der Industrie (aktuelle Bandbreite: 67 – 77 Dollar/oz).

Auch Iridium konnte aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit noch einmal zulegen. Hier haben wir inzwischen ein Niveau erreicht, was zuletzt vor 6 Monaten bestand, allerdings war der Preis vor einem Jahr noch über 1,000 Dollar (Bandbreite: 550 – 610 Dollar/oz).

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