Wertstoffsammlung

In Augsburg sammelt der kommunale Entsorger schon jetzt überdurchschnittlich viele Wertstoffe. Weil die Erlöse steigen, hat die Stadt beschlossen, die Erfassung zu intensivieren. Vor allem bei Metallen sieht die Kommune großes Potenzial.

Augsburg rüstet auf


Rainer Schaal ist ein wenig stolz. „Wir zählen in einigen Bereichen deutschlandweit zu den Pionieren“, sagt der Stadtrat und Leiter des Umweltreferats in Augsburg. „Wir haben im Jahr 2010 mit der Umstrukturierung der Stoffströme angefangen. Dabei haben wir auch als eine der ersten Städte mit der E-Schrottsammlung begonnen“, erinnert er sich. Bei der Sammlung habe die Stadt zunächst draufgezahlt. „Inzwischen aber erzielen wir erstaunliche Ergebnisse.“

Diese Ergebnisse sollen noch besser werden. Die Stadt will die Sammlung optimieren und ausbauen. Ein entsprechender Beschluss wurde vor wenigen Tagen im städtischen Werkausschuss des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb (aws) getroffen. Im Jahr 2013 hat der aws an Containerstandorten und Wertstoffhöfen insgesamt 1.932 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt. Das sind 121 Tonnen mehr als im Vorjahr und rund 7,05 Kilogramm pro Einwohner.

Bundesweit liegt Augsburg damit im oberen Fünftel. „Mit der E-Schrottsammlung erzielen wir inzwischen Erlöse im 7-stelligen Bereich“, sagt Schaal. Im Bereich Altholz liegen die Erlöse im 6-stelligen Bereich. Weitere Gewinne macht die Stadt durch die Sammlung von Alttextilien an knapp 150 Standorten – hier wurden 2013 pro Kopf 3,5 Kilogramm gesammelt.

1,78 Millionen Euro Verbrennungskosten einsparen

Bei der stofflichen Verwertung arbeitet der aws mit privaten Unternehmen zusammen. „Wir schreiben die Verwertung mit Ausnahme der Bioabfälle komplett aus“, sagt Schaal. Die Bioabfälle – in Augsburg 81 Kilogramm pro Einwohner und Jahr – werden in der eigenen städtischen Anlage vergärt. Wie hoch die Summe der Erlöse ausfällt, sagt Schaal nicht. Dass sie sich auf die Restmüllgebühren auswirken, zeigt der aktuelle Gebührenbescheid: Die Kosten für die Bürger sind in diesem Jahr um ein Drittel gesenkt worden.

Schaal weiß, dass die Sammelerfolge zwar gut, aber noch steigerungsfähig sind. Theoretisch können laut Beschlussvorlage mit einer vollständigen Getrenntsammlung der Wertstoffe in Augsburg 1,78 Millionen Euro Verbrennungskosten eingespart und bis zu 4,55 Millionen Euro zusätzliche Wertstofferlöse realisiert werden.

Um zumindest einen Teil davon zu erreichen, soll auch die Sammlung an den Containerstandorten ausgeweitet werden. Dabei geht es Schaal weniger darum, zusätzliche Sammelstellen einzurichten, s­­ondern bessere Plätze zu finden, die auch von der Bevölkerung akzeptiert und genutzt werden.

Großes Potenzial bei Metallen

„Aktives Standortmanagement“ nennt der Politiker diese Maßnahme, bei der auch geprüft wird, Wertstoffinseln auf privaten Grund zu errichten. Dabei sollen dann gleich alle Wertstoffe gemeinsam entsorgt werden können: in Behältern für Glas, Papier, E-Schrott, Alttextilien und neu auch für Altmetalle.

Gerade im Bereich Metalle sieht Schaal großes Potenzial. „Rund 832 Tonnen an tonnengängigen Metallen werden über die Restmülltonne entsorgt“, heißt es in der Beschlussvorlage. „Allein hier könnte ein Wertstoffpotenzial von bis zu 680.000 Euro gehoben werden.“ Dafür sollen die Container zu „Behältern für Elektrogeräte und Metall“ umgestaltet werden. Mit der Überarbeitung der Standorte soll auch die eher schwache Sammelmenge von rund 18 Kilogramm Altglas – der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 23 Kilogramm – verbessert werden. Damit die Wertstoffe bequem transportiert werden können, soll eine sogenannte „schnelle Wertstofftasche“ entwickelt werden, die an die Haushalte verteilt wird.

Für die E-Schrottsammlung hat sich die Stadt ein eigenes Ziel von 8 Kilogramm pro Jahr und Einwohner bis zum Jahr 2016 und 11,8 Kilogramm jährlich bis 2019 gesetzt. Erreicht werden sollen die Mengen auch durch die Kooperation mit dem Handel. Dort will der aws Sammelbehälter für die Rückgabe der Elektrokleingeräte aufstellen. Erste positive Versuche dazu gibt es bereits, Zahlen und Namen nennt Schaal nicht. Derzeit werde versucht, weitere Partner aus dem Handel zu gewinnen.

Maßnahmen gehen zu Lasten der privaten Sammler

Die verstärkten Bemühungen der Stadt gehen zumindest teilweise auch zu Lasten der privaten Sammler. „Wir haben knapp 70 private Sammler in allen Bereichen“, sagt Schaal. Für viele wurde eine Untersagung ausgesprochen, viele Verfahren seien noch in der Schwebe. Dabei sieht der Leiter des Umweltreferats weniger die Wirtschaftlichkeit des aws in Gefahr, sondern ärgert sich über die Vielzahl der unkoordinierten privaten Sammlungen. Das führe zu Zuständigkeitsproblemen und Standortvermüllung.

„Grundsätzlich halte ich eine Dualität von privaten und kommunalen Unternehmen für sinnvoll“, betont der Politiker. „Solange wir für die Sammlung und die Privaten für die Verwertung zuständig sind.“

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