Marktbericht für Edelmetalle

Die Notierungen für Gold und Palladium blieben in der vergangenen Woche weitgehend unverändert. Der größte Verlierer war Silber. Aufgrund des tiefen Preises steigt jedoch die industrielle Nachfrage. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Palladium könnte auf 930 US-Dollar steigen


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Gold konnte auch während der letzten Berichtsperiode keine Preissteigerung verzeichnen (-0,20 Prozent). Von der Investorenseite gibt es nach wie vor nur verhaltenes Interesse. Dies trifft nicht zuletzt auch den deutschen Markt. Lediglich bei stärkeren Preiseinbrüchen können wir ein erhöhtes Kaufinteresse nach Goldbarren verzeichnen. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass auch die ETFs Abflüsse (-3 Prozent auf Wochensicht) registrieren.

Wenig Unterstützung erhielt das Metall zudem durch das Zurückführen der Staatsanleihekäufe seitens der FED (Tapering). Die Federal Reserve wird dementsprechend künftig ca. 10 Milliarden US-Dollar weniger im Monat aufwenden. Somit rückt der Status des sicheren Hafens, ungeachtet der Krimkrise, weiter in den Hintergrund. Weiterhin haben die besser als erwartet ausgefallenen „non-farm-payrolls“ den Preis kurzzeitig gedrückt. Am Freitagnachmittag kletterte Gold jedoch im Zuge von schwächeren Aktienmärkten und „short-covering“ nach oben und schloss die Woche ganz knapp unter 1.300 US-Dollar/oz.

Ausblickend besteht bei der 100 Tage Linie um 1.283 US-Dollar/oz eine Unterstützung, welche nicht nachhaltig unterschritten wurde. Anschließend folgen die Levels bei 1.260 Dollar /oz bzw. 1.240 Dollar/oz. Wir erwarten, dass Gold sich in den kommenden Tagen weiterhin in der derzeitigen Spanne von 1.280 US-Dollar/oz -1.320 US-Dollar /oz bewegen wird.

Silber

Silber war im Verlauf der Berichtsperiode der größte Verlierer aller Metalle und notierte zum Ende der Woche, bei geringer Liquidität, im Tief bei 18,82 US-Dollar/oz und somit unter der Marke von 19 US-Dollar. So tief handelte Silber seit Anfang 2014 nicht mehr. Wie bereits mehrfach in der Vergangenheit gesehen, konnte das Metall anschließend jedoch wieder die Marke von 19 US-Dollar/oz überspringen. Da das Metall deutlichere Verluste als Gold hinnehmen musste, konnte die Gold-Silber-Ratio über 67 klettern, was einem Niveau von August 2010 entspricht. Folgend ist es wenig verwunderlich, dass wir aufgrund der niedrigeren Preise eine erhöhte industrielle Nachfrage verzeichnen konnten und wir davon ausgehen, dass eben jene industrielle Nachfrage den Preis ausblickend zumindest unterstützt.

Im Fokus stehen diese Woche unter anderem Daten zu den „Retail sales“ aus der Eurozone, dem „US-Redbook“ (beide Dienstag) sowie der EZB-Sitzung (Donnerstag).

Platin

Speziell letzten Freitag konnte Platin zulegen und verbuchte einen Wochengewinn von ca. 1 Prozent. Die Streiks in Südafrika befinden sich aktuell in der 14. Woche. Der hierdurch entstehende Engpass von physischem Metall wird insbesondere durch die aufgebauten Lagerbestände abgefedert. Laut des letzte Woche von Thomson Reuters GFMS veröffentlichten Platinum and Palladium Survey 2014 baute u.a. Anglo American Platinum (Amplats) vor dem Streik einen Vorrat von rund 430.000 Unzen auf.

Aktuell belaufen sich die durch die Streiks bedingten Produktionsverluste auf ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Trotz zunehmender Anzeichen für eine Einigung zwischen der Gewerkschaft AMCU und den Produzenten, ist davon auszugehen, dass selbst bei sich anbahnender Einigung mit der AMCU weitere Produktionsverluste zu erwarten sind. Schätzungsweise werden die drei Platingiganten Amplats, Implats und Lonmin erst vier bis fünf Monate nach Beendigung des Streiks wieder übliche Metallmengen produzieren können. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass GFMS für 2014 ein Defizit von über 700.000 Unzen erwartet. Der Platinpreis sollte somit auch künftig gut unterstützt bleiben.

Palladium

Palladium handelte im Wochenverlauf nahezu unverändert. Wenig überraschend sind gemäß des GFMS Platinum and Palladium Surveys 2014 die Krimkrise sowie die andauernde Streiks in Südafrika die wesentlichen Gründe für die Angebotsknappheit. Selbst erhöhte Recyclingmengen, die von Autokatalysatoren stammen, können in 2014 keinen ausschlaggebenden Effekt auf der Angebotsseite hervorrufen. Dabei ist die steigende Nachfrage auf dem Autokatalysatorenmarkt gleichzeitig Treiber für eine positive Preisentwicklung. Auch die Investmentnachfrage in ETFs sieht im Zuge der erfolgreich eingeführten Palladium ETFs in Südafrika vielversprechend aus.

Dementsprechend erwartet GFMS für 2014 ein Angebotsdefizit von über 1,3 Millionen Unzen. Zudem könnte Palladium in 2014 bis auf 930 US-Dollar/oz steigen.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium hat trotz des Engpasses aus der Produktion in Südafrika weiter deutlich an Boden verloren. Momentan fehlt den Händlern der Glaube an festere Kurse und dadurch trennen sie sich von ihren Long-Positionen. Es gibt nach wie vor, insbesondere aus Asien, gute industrielle Nachfrage, aber der Verkaufsdruck ist momentan stärker als das Kaufinteresse. Käufer aus Asien sind in einem fallenden Markt erfahrungsgemäß zurückhaltend, da man davon ausgeht, dass man in der nahen Zukunft einen noch besseren Preis erhält.

Investoren halten sich trotz des schwachen Kurses ebenfalls sehr bedeckt, da die Erwartungen aus der Vergangenheit sich nicht erfüllt haben. Der Preis hat im Vergleich zur Vorwoche noch einmal 50 US-Dollar/oz nachgegeben, allerdings können wir uns vorstellen, dass sich der Preis um 1.000 US-Dollar/oz stabilisiert. Überraschenderweise befinden wir uns inzwischen wieder auf demselben Preisniveau, an dem der Streik am 23. Januar ausgebrochen ist.

Im Ruthenium und Iridium hat sich in der letzten Woche wenig getan, sodass wir weder bei den Umsätzen noch auf der Preisschiene große Veränderungen berichten können.

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