Marktbericht für Edelmetalle

Gold geriet vergangene Woche unter Druck, während Silber abermals mit Verlusten schloss. Mittelfristig dürfte der Silberpreis aber wieder steigen, ebenso wie der Palladiumpreis. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Erneute Verluste für Silber


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Die Seitwärtsbewegung im Gold hat sich auch in der vergangenen Woche fortgesetzt und das Metall ist entsprechend nicht aus der Handelsspanne von 1.280 – 1.320 US-Dollar/oz ausgebrochen. Mit 1.315 US-Dollar/oz wurde ein Drei-Wochenhoch erreicht, das jedoch nicht von Dauer war.

Der Preis geriet Mitte der Woche im Zuge verschiedener Faktoren unter Druck: Zum einen hatte Janet Yellen vor dem US Kongress zum Ausdruck gebracht, dass das Anleihekaufprogramm der FED zur Stützung der Wirtschaft – ein wesentlicher Treiber von Gold in den letzten Jahren – noch in 2014 auslaufen könne, sofern sich die US Wirtschaft weiterhin positiv entwickele. Des Weiteren reagierte der Markt auf Aussagen Putins, in denen er sich im Ukraine-Konflikt verhandlungsbereit zeigte und ankündigte, russische Truppen aus den Grenzgebieten abzuziehen. Gewinnmitnahmen waren die Folge, die jedoch bei einem Level von 1.285 US-Dollar/oz auf Unterstützung trafen.

Insgesamt musste Gold im Verlauf der Woche einen Verlust von 0,90 Prozent hinnehmen. Chinas schwächelnde Nachfrage nach physischem Metall wurde in der letzten Woche noch einmal durch konkrete Zahlen bestätigt. Insbesondere ist der Bereich Investment betroffen: Laut China Gold Association fiel die Nachfrage nach Goldbarren im ersten Quartal um 44Prozent verglichen zur gleichen Periode in 2013. Die ETFs spiegeln seit einigen Wochen erstmals wieder ein anderes Bild wider: sie stiegen in der letzten Woche um +2,60 Prozent.

Silber

Silber hat die Woche abermals mit Verlusten geschlossen (-2,20 Prozent). Den Hauptanteil an dieser Bewegung hatten das geplante Zurückführen der Staatsanleihekäufe seitens der FED (Tapering) bzw. die Aussagen Putins (à Gold). Ein weiterer Test der vierwöchigen Bandbreite zwischen 18,90 US-Dollar/oz – 19,90 US-Dollar/oz blieb jedoch aus.

Im Vergleich zu Gold ist das Metall derzeit „günstig“, die Gold-Silber Ratio hat mit Notierungen nahe 68 das höchste Niveau seit August 2010 erreicht. Ausblickend erwarten wir jedoch mittelfristig höhere Kurse. Kurzfristig scheint der Markt jedoch getrieben durch hohe spekulative Netto-Short Positionen auf einen Bruch der 18,90 Marke und folgend tiefere Kurse zu setzen. Datenseitig werden nach den Ankündigungen von weiteren möglichen Maßnahmen Draghis, auch die Zahlen aus der Eurozone (Inflation, Industrieproduktion, BIP) von hoher Relevanz sein. Wie immer sind aber auch die Datenveröffentlichungen aus USA und China (Einzelhandelsverkäufe und Industrieproduktion) kursrelevant.

Platin

Trotz scharfer Kritik des südafrikanischen Präsidenten, Jacob Zuma, an der radikalen Gewerkschaft AMCU und ihrer mangelnden Kompromissbereitschaft, befinden sich die Streiks in Südafrika mittlerweile in der 15. Woche. Somit wenden sich die Platinproduzenten nach wie vor direkt an die Arbeiter, die verstärkt den Wunsch nach einer Wiederaufnahme ihrer Arbeit signalisieren.

Parallel berichtet der zweitgrößte Platinproduzent der Welt, Impala Platinum, dass es bei andauernden Streiks in den nächsten drei bis vier Monaten zu einer Reduktion der Vorratsbestände um 40Prozent kommen könnte. Laut Thomson Reuters wird das erhebliche Angebotsdefizit der Minen den Nachfragezuwachs weit übersteigen, so dass zum Jahresende, nicht zuletzt durch die steigende Investorennachfrage in ETFs sowie die anziehende Automobilindustrie, ein Angebotsdefizit von über 700.000 Unzen bestehen könnte. Kurzfristig sehen wir Platin gut unterstützt. Nach unten besteht das April-Tief bei 1.380 US-Dollar/oz.

Palladium

Angesichts der Tatsache, dass Russland und Südafrika die bedeutenden globalen Palladiumproduzenten sind, bestimmen die Krimkrise und die fortwährenden Streiks in Südafrika unverändert die wesentlichen Entwicklungen auf der Angebotsseite. Die große „Panik“ bezüglich der Schwammnachfrage scheint jedoch etwas nachzulassen. Trotzdem bleibt die industrielle Nachfrage auf einem hohen Niveau.

Passend hierzu sollte auch der robuste Ausblick der Automobilindustrie unterstützend wirken. Diesbezüglich sind insbesondere die wachsende Bevölkerung in China und Indien und der damit einhergehende Anstieg an Fahrzeughaltern in Verbindung mit den strengeren Abgasvorschriften zu nennen. Dabei stellt China den am schnellsten wachsenden Automobilmarkt der Welt. Im letzten Jahr ist die Anzahl der Autos auf den Straßen um fast 40 Prozent gestiegen. Vor dem Hintergrund, dass für 2014 ein Angebotsdefizit von über 1 Millionen Unzen erwartet wird, ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrzahl der Analysten von einem Anstieg des Palladiumpreises auf über 900 US-Dollar/oz ausgeht.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium stand durch Verkäufe von der Händlerseite speziell zu Beginn der Berichtswoche unter Druck und gab noch einmal 30 US-Dollar/oz nach. Auf dem aktuellen Niveau konnte sich der Preis aber stabilisieren, obwohl weiterhin die große Nachfrage fehlt. Die Verbraucher scheinen derzeit verunsichert, da das Umfeld überhaupt nicht zur Preisentwicklung der letzten vier Wochen passt. Der Preis ist in einem Monat kontinuierlich um ca. 10 Prozent gefallen.

Entgegen der Meinung aller Analysten spricht dieses Szenario nicht für eine physische Verknappung des Rhodium Marktes und die damit erwartete Preisentwicklung. Dennoch sieht es so aus, als zieht die Nachfrage etwas an, da das gegenwärtige Preisniveau sogar unter dem des Streikbeginns in Südafrika liegt. Im Ruthenium und im Iridium gibt es zwar verhältnismäßig gute Umsätze, welche den Preis jedoch nicht in die eine oder andere Richtung treiben konnten.

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