Marktbericht für Edelmetalle

Gold bewegte sich vergangene Woche seitwärts und Silber arbeitete sich an die 20 Dollar-Marke hoch. Währenddessen profitieren Platin und Palladium von guten Auftragszahlen in der Automobilindustrie. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Gold ist hin und hergerissen


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Hin und hergerissen zwischen Unterstützung durch die weiterhin angespannte Lage in der Ukraine (safe haven demand) und Druck im Zuge positiver Wirtschaftsdaten aus den USA (Fortsetzung des Taperings), blieb Gold auch in den vergangenen Tagen in der Handelsspanne der letzten Wochen gefangen. So handelte das Metall weiterhin zwischen 1.280 US-Dollar/oz und 1.320 US-Dollar/oz, ohne dass Impulse für die eine oder andere Richtung überwogen.

Im Vorjahresvergleich sind die Goldimporte nach Indien im April um 74 Prozent gefallen. Während dieses Ergebnis das Handelsdefizit schmälert, könnte es auf der anderen Seite dazu führen, dass die Forderungen nach einer Lockerung der derzeitigen Importrestriktionen wieder lauter werden. In Erwartung einer solchen Anpassung ließ die lokale Nachfrage bereits nach und Aufgelder fielen von 120-130 US-Dollar/oz auf 100 US-Dollar/oz, die auf die globalen Marktpreisen gezahlt werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Goldnachfrage bei Lockerung der Einfuhrbestimmungen einen deutlichen Schub erhalten würde, die sich umgehend wieder auf die Handelsbilanz auswirken würde.

Für China war im April vor allem der Rückgang der Nachfrage im Bereich Schmuck bemerkenswert (-30 Prozent Gold und Silber im Vorjahresvergleich). Allerdings war die Nachfrage in 2013 im Zuge des deutlichen Preisrückgangs exzeptionell hoch gewesen, da viele das deutlich tiefere Niveau für Schmuck- und Barrenkäufe nutzten. Im aktuellen Umfeld sind wir der Meinung, dass sich Gold überraschend gut hält. Schließlich wurden auf den Aktienmärkten neue Höchststände erreicht, der Euro ist etwas unter Druck geraten und die physische Nachfrage ist weiterhin verhalten. Sofern keiner der bestehenden Faktoren an Einfluss gewinnt, erwarten wir auch für diese Woche eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung.

Silber

Silber handelt weiterhin in der Range 18,90 US-Dollar/oz und 19,90 US-Dollar/oz. Die verhältnismäßig hohen spekulativen Short-Positionierungen sowie das nach wie vor auf hohem Niveau verharrende Gold-Silber Ratio könnten aber zeitnah den Weg hin zu einen Ausbruch über die 20 US-Dollar/oz-Marke weisen. Aus dem letzte Woche veröffentlichten Silver Survey des Silver Institutes geht hervor, dass die globale Nachfrage 2013, insbesondere dank hoher Münz- und Barrennachfrage im Vorjahresvergleich, um 13 Prozent gestiegen ist. Auch die ETF-Bestände verharrten auf Rekordniveau (im Gegensatz zu den Gold-ETF Beständen). Gleichzeitig befand sich der Markt aufgrund von signifikant geringerem Recycling-Rückfluss in der größten physischen Defizitsituation seit 2008. Dies führte zwar zu höheren Prämien für physisches Material im letzten Jahr, jedoch zeigte sich einmal mehr wie stark der Silberpreis von spekulativem Handel und Erwartungen zur amerikanischen Geldpolitik getrieben ist.

Der Silberpreis ist in 2013 um knapp 24 Prozent gefallen. Unerwartet kam letzte Woche die Ankündigung, dass das London Silber Fixing (nach über 100 Jahren) zum 15.08.2014 eingestellt wird. Die London Bullion Market Association hat daraufhin ihre Hilfe angeboten, im Rahmen des nun gestarteten Diskussionsprozess eine Alternative mit zu entwickeln. Sofern sich neue Entwicklungen abzeichnen, werden wir darüber an dieser Stelle informieren. Datenseitig stehen ausblickend für diese Woche vor allem die US-Arbeitslosenzahlen und das Sitzungsprotokoll der Federal Reserve, sowie aus Europa die PMI’s und aus Deutschland die BIP und Ifo Zahlen im Fokus.

Platin

Trotz der verstärkten Signale seitens der Minenarbeiter, an ihre Arbeitsplätze zurückkehren zu wollen, hindern die gewaltsamen Androhungen der radikalen Gewerkschaft AMCU in Südafrika diese daran, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. In der vergangenen Woche wurden bereits vier Menschen bei Ausschreitungen getötet. Die Streiks befinden sich derzeit in der 16. Woche. Angesichts der andauernden Streiks ist es somit wenig überraschend, dass laut Statistics South Africa die Minenproduktion der Platingruppenmetalle im März im Vorjahresvergleich um über 44 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig sind die Unterbrechungen in der Minenproduktion sowie die Besorgnis um die sich anbahnenden Handelssanktionen gegen Russland in der Krimkrise Katalysatoren für den Preisanstieg in den Platinmetallen.

Mitte der Woche handelte Platin bei einem 2-Monats-Hoch von 1.483,50 US-Dollar/oz. Gleichzeitig stehen die Signale auf der Nachfrageseite auf grün. In Europa wurden im April laut Verband der europäischen Automobilproduzenten 1,13 Millionen Autos neu zugelassen, welches einem jährlichen Zuwachs von 4,2 Prozent entspricht. Die europäische, sowie auch die globale Nachfrage auf dem Automarkt sollten die positive Preisentwicklung im Platin weiterhin stützen. Überdies verzeichnen auch die Platin ETFs kontinuierlich Zuflüsse, so dass die Bestände erstmals über 2,7 Millionen Unzen liegen.

Palladium

Neben den wichtigsten Treibern für die Entwicklungen im Palladiumpreis, die derzeit zweifellos aus der angespannten Streiksituation in Südafrika sowie aus den Sanktionsverhandlungen in der Krimkrise entstehen, ist die globale Nachfrage aus der Automobilindustrie nicht zu verachten. Die Gehaltsverhandlungen mit der radikalen Gewerkschaft AMCU inmitten der mittlerweile gewaltsamen Streiks in Südafrika führten bislang zu keinem Erfolg. Schätzungsweise liegt das entgangene Produktionsvolumen in 2014 für Palladium bereits bei über 350.000 Unzen.

Die Automobilindustrie verzeichnet dabei globale Umsatzwachstumsraten von jährlich 10 Prozent. Bereits in den ersten 4 Monaten in 2014 stiegen die Umsätze in der US-Automobilindustrie um 3,1 Prozent auf 5,13 Millionen verkaufte Fahrzeuge. Laut der China Association of Automobile Manufacturers könnten die Umsätze in der chinesischen Automobilindustrie in diesem Jahr um 11 Prozent auf ca. 24 Millionen verkaufte Einheiten steigen. Darüber hinaus sorgen die erst Anfang des Jahres auferlegten Palladium ETFs in Südafrika weiterhin für positive Impulse im Palladiumpreis. Die Palladium Bestände dieser ETFs belaufen sich aktuell auf mehr als 480.000 Unzen.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Der Rhodium Preis konnte sich, wie letzte Woche erwartet, auf relativ niedrigem Niveau stabilisieren. Die Nachfrage hat sich deutlich erhöht, aber die Abgeberseite war nach wie vor mit größeren Mengen auf dem Markt, so dass sich der Preis so gut wie nicht bewegt hat. Aufgrund der größeren Nachfrage aus Asien gibt es erste Anzeichen, dass wir für den Moment die Tiefstkurse gesehen haben. Es fehlt jedoch der positive mittelfristige Ausblick für festere Kurse, so dass wir aktuell, wenn überhaupt, nur leicht anziehende Preise erwarten.

In der vergangenen Woche fehlten Ruthenium und Iridium größere Impulse, um die Notierungen nachhaltig in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Im Iridium gibt es wieder etwas stärkere Nachfrage, aber scheinbar noch nicht genug, damit man etwas festere Kurse sehen kann. Aber dies scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Mehr zum Thema
Kupfer aus der Mine – nur eben umweltfreundlich
Aus Restholz wird Pflanzenkohle – und CO2-negative Wärme
Aus Restmüll wird biobasierter Thermoplast
Kies und Sand dürften noch knapper und teurer werden
Airbus und Neste wollen SAF skalieren
EU schlägt Zielquoten für weniger Verpackungsmüll vor
So plant Schleich die Kreislaufwirtschaft
Steinpapier – eine nachhaltige Alternative oder eher nicht?
Einwegkunststoffe: Wie teuer wird es für die Hersteller?
Flüssiggas aus Katar soll Deutschland helfen
Eine Bioökonomie mit Grünschnitt