Marktbericht für Nickel und Edelstahl

Nach deutlicher Korrektur steigen die Kurse wieder. Damit ist die Volatilität wiedergekehrt. Unterdessen denkt die LME über einen Stahlschrott-Kontrakt nach.

Überhitzter Nickelmarkt hat abgekühlt


Von Roland Mauss, Oryx Stainless

Wenn der Nickelkurs im vergangenen Monat metaphorisch durch die Decke des ersten Stockwerks ging, muss man inzwischen sagen, dass seitdem mindestens das zweite und dritte Stockwerk mühelos und fast schon erschreckend schnell erklommen wurde. Mit anderen Worten wurden am 12. und 13. Mai 2014 jeweils in der Spitze Kurse von USD 21.500,00/mt erreicht. Gegenüber dem Monatsdurchschnitt April von rund USD 17.400,00/mt bedeutet das ein weiterer Anstieg um sagenhafte 23,5 Prozent. Gegenüber den Nickelpreisen von Jahresanfang um USD 13.200,00/mt gar ein Anstieg um satte 62,9 Prozent.

Allerdings wurden zuletzt die Warnungen auch lauter, die die steigende Gefahr einer heftigen technischen Korrektur, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen spekulativer Marktteilnehmer, heraufziehen sahen. Der extrem überhitzte und überkaufte Markt musste sich entladen. Der Indikator RSI (Relative Strength Index) zeigte am 12. Mai 2014 einen unglaublichen Wert von beinahe 90 Prozent. Bereits bei Werten ab 70 Prozent wird von einem überkauften Markt gesprochen. Das schrie geradezu nach einer Korrektur, die dann allerdings viel schneller und viel heftiger kam, als von den meisten Marktbeobachtern erwartet.

Bereits am 13. Mai konnte der Nickelkurs sein Niveau nicht mehr halten und schloss bei USD 20.890,00/mt. Dann erfolgte am nächsten Tag eine Korrektur auf einen Schlusskurs von USD 19.625,00/mt, was gleichzeitig den Tiefststand des Tages markierte. Am 15. Mai folgte dann erneut ein heftiger Kurseinbruch auf USD 18.090,00/mt, zuletzt aber eine Gegenbewegung (Rebound) auf derzeit rund USD 19.000,00/mt. Für viele Marktnewcomer, die sich erst in den letzten Jahren diesem Industriemetall zugewendet hatten, war das starker Tobak.

Analysten prognostizieren Preis von 30.000 USD

Allerdings gehen die Analysten der australischen Macquarie Bank bereits wieder von einer signifikanten Reduzierung des Nickelangebots aus. Sie haben Ihre Erwartungen an den Nickelpreis erneut nach oben korrigiert: Für das 3. Quartal erwarten sie einen durchschnittlichen Nickelpreis von 21.000,-USD pmt gefolgt von einer weiteren Verteuerung des Metalls auf ein Niveau von 23.500,- USD pmt im vierten Quartal. Langfristig erwartet Macquarie für 2016 einen Nickelpreis von 30.000,- USD pmt.

Die Rückkehr nicht weniger Investoren in den Nickelmarkt in diesen Tagen ist auch ein bereits aus der Vergangenheit bekanntes Phänomen an der London Metal Exchange (LME). Aufgrund der weltweit niedrigen Zinsen besteht nach wie vor Anlagenotstand. Doch Investoren hatten sich nach dem Verschwinden der Inflationsängste, dem zeitweiligen Anstieg der Risikoaversion und dem Gefühl, dass die Metallmärkte ausgereizt seien, wieder aus dieser Assetklasse zurückgezogen. In der Folge hatten sich nicht wenige große Investmentbanken aus diesem Segment wieder zurückgezogen oder ihre Aktivitäten stark eingedampft. Das war möglicherweise zu voreilig, denn die steigenden Kurse im Nickelmarkt, verbunden mit der Kursphantasie durch das Exportverbot in Indonesien, treiben die spekulativen Interessenten wieder in den Markt.

Mit der Rückkehr der „Spekulanten“ (und dieser Begriff ist hier nicht grundsätzlich negativ gemeint, weil er objektiv nicht negativ ist) ist die Volatilität an den Nickelmarkt zurückgekehrt. Tägliche Kursbewegungen von USD 1.000,00/mt und mehr sind zwar auch bei Nickel nicht die Regel, aber durchaus nicht ungewöhnlich. Und je höher das Kursniveau, umso höher können erfahrungsgemäß die absoluten Schwankungen sein.

LME erwägt Kontrakt auf Stahlschrott

Wie die LME durch ihren Leiter der Geschäftsentwicklung, Robert Fig, auf einer Konferenz mitteilen ließ, denkt die Industriemetallbörse über die Einführung eines Börsenkontrakts (Future) auf Stahlschrott nach. Noch vor sieben Monaten hatte der damalige CEO der Börse, Martin Abbott, aus einer vermutlich ignoranten Überheblichkeit die Notwendigkeit eines Schrott-Futures verneint. Seiner Ansicht nach sollten Primärmetallkontrakte die Benchmark auch für den Schrottmarkt sein.

Was Herr Abbott damals und vermutlich auch heute noch vollkommen verkennt, ist, dass die Schrottmärkte durchaus über eigene Marktparameter verfügen. Auch vor dem Hintergrund, dass es sich bei den gehandelten Börsenqualitäten häufig nur noch um „Finanzwaren“ handelt, die aufgrund des hohen Preises kaum in irgendeiner tatsächlichen Schmelze landen und vor allem als Spekulationsobjekt dienen. Die hohen LME-Lagerbestände bei Nickel sprechen hier eine deutliche Sprache.

Gerade wenn die Kontrakte der LME nicht mehr die Preissituation der in der Realwirtschaft eingesetzten Rohstoffe repräsentiert, darf man die Frage der Einführung von neuen Kontrakten sicher diskutieren. Was indes in diesem Zusammenhang auch erstaunt, ist, dass an der LME derzeit offiziell nicht über einen Edelstahlkontrakt diskutiert wird, denn diese Industrie wäre noch in wesentlich größerem Maße als das Kohlenstoffstahlsegment auf entsprechende Instrumente angewiesen. So gibt es derzeit weder für den Chrom- noch für den Eiseninhalt geeignete Instrumente der Absicherung für Stahlproduzenten und –handel. Die Metal Bulletin-Schwesterpublikation Steel First hat in diesem Zusammenhang vor kurzen einen neuen Edelstahlindex aufgelegt.

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