Marktbericht für Edelmetalle

Gold und Silber bewegen sich seitwärts, während Palladium und Platin klar nach oben zeigen. Weitere Preissteigerungen bei Platinmetallen sind wahrscheinlich, glauben Analysten. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Chinas Schmuckindustrie stützt Platin


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Die Seitwärtsbewegung der letzten Wochen hat sich auch in den vergangenen Tagen fortgesetzt – allerdings in einer noch engeren Handelsspanne als zuvor: Das Metall wurde zwischen 1.280 und 1.305 US-Dollar/oz gehandelt, konnte jedoch an keinem Tag der Berichtsperiode über 1.300 US-Dollar/oz schließen.

Trotz diverser Indikatoren, die in der letzten Woche aufkamen – sowohl für die eine als auch die andere Richtung, brach Gold nicht aus der Spanne aus. Die Veröffentlichung der letzten Fed Sitzungsprotokolle verdeutlichte, dass die US Bundesbanker sowohl den finalen Zeitpunkt des Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik als auch die beste Herangehensweise diskutieren und beginnen vorzubereiten. Gold nahm davon jedoch wenig Kenntnis – genauso wie vom konträren Treiber, der Lockerung der Goldimportregularien in Indien.

Die Indische Zentralbank, Reserve Bank of India, verkündete am Mittwoch, dass sie weiteren Unternehmen die Einfuhr von Gold erlauben werde. Obwohl dies die Angebotssituation im zweitgrößten Abnahmeland verbessert und bereits Auswirkung auf die lokal gezahlten Aufgelder hatte (von 90 US-Dollar auf 35 US-Dollar), reagierte Gold nicht. Offensichtlich bedarf es weitgreifenderer Lockerung der Restriktionen, um den Markt in Bewegung zu bringen. Der World Gold Council erwartet im Zuge leichterer Importbedingungen durch die neu gewählte Regierung steigende Nachfrage im zweiten Halbjahr. Im ersten Quartal ist die Nachfrage aus Indien um ein Viertel auf 190 Tonnen gefallen. Global betrachtet, zeigt die Periode Januar bis März mit 1.074 Tonnen im Vorjahresvergleich jedoch kaum Veränderung. Das Bild dürfte im zweiten Quartal umso drastischer ausfallen, denn im Vergleich zu Q3 2013 ist die physische Nachfrage bisher sehr verhalten.

Die EZB und weitere europäische Zentralbanken haben sich letzte Woche zudem zum vierten Mal auf ein Goldabkommen geeinigt und verständigen sich somit darauf, ihre Goldtransaktionen zu koordinieren, um Marktturbulenzen zu vermeiden. Signifikante Verkäufe seien derzeit nicht geplant, doch wurde auch keine Obergrenze für Verkäufe festgelegt.

Wir erwarten auch diese Woche weitere Seitwärtsbewegung. Aus charttechnischer Sicht besteht in Kürze die Möglichkeit, dass der 100-Tage Durchschnitt den 200-Tage Durchschnitt von unten schneidet, was grundsätzlich als bullishes Trendsignal ausgelegt werden kann. Im aktuellen Seitwärtstrend ist die Aussagekraft jedoch eingeschränkt. Als der Schnitt dieser beider Durchschnitte im letzten Jahr andersherum erfolgte (100-Tage Ø kreuzt 200-Tage Ø von oben), beschleunigte dies den Abwärtstrend.

Silber

Silber bleibt weiterhin in seiner mehrwöchigen Range. Positiv bleibt jedoch festzustellen, dass die Tiefs im Laufe der Woche höher wurden. Als Unterstützung hat sich nun mehrfach die 19,30 US-Dollar/oz erwiesen. Die 20 US-Dollar/oz Marke könnte durchaus fallen, wenn auch Gold die 1.300 US-Dollar/oz nachhaltig hinter sich lassen kann.

Impulse hierfür gibt es ja durchaus (siehe Gold). Wie am Donnerstag letzte Woche kann es dann auch schnell nach oben gehen. Nach schlechter als erwarteten US-Arbeitslosenzahlen notierte Silber in der Spitze bei 19,83 US-Dollar/oz. Datenseitig sind diese Woche aus den USA die PMIs, sowie langlebige Wirtschaftsgüter (beides Dienstag) und aus Europa Einzelhandelsumsätze, sowie Industrie- und Verbrauchervertrauen interessant.

Platin

Am Montag teilte der Platinproduzent Lonmin mit, dass durch die Minenstreiks in Südafrika, die sich mittlerweile in der 17. Woche befinden, bereits ein Drittel der jährlichen Produktion verlorengegangen sei. Am Dienstag einigten sich jedoch die Platingiganten Anglo American, Impala, Lonmin und die Gewerkschaft AMCU darauf, ihre Unstimmigkeiten in Lohnverhandlungen vor dem Arbeitsgericht auszutragen.

Wir konnten diese Woche eine gute Nachfrage nach Platin verzeichnen. Unterstützung erfährt das Metall nicht nur von der Automobilindustrie, sondern zunehmend auch aus der chinesischen Schmuckindustrie, welche ebenfalls einen positiven Ausblick aufweist.

Von weiteren Preiszuwächsen in den Platinmetallen ist künftig auszugehen, sofern die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Südafrika kein Ende nehmen. Es wird jedoch auch in diesem Fall noch Wochen bzw. Monate dauern, bis die volle Produktion wieder aufgenommen werden kann.

Palladium

Palladium handelte am Donnerstag auf einem 3-Jahres-Hoch von über 837 US-Dollar/oz, nachdem Terence Goodlace, CEO von Impala Platinum, verkündete, dass der bereits vier-monatige Streik in Südafrika noch länger andauern könnte. Unterstützt wurde diese Bewegung durch ETF-Zuflüsse, welche sich auf einem Rekordhoch befinden.

Auf der Nachfrageseite ist bemerkenswert, dass der chinesische Automobilabsatz im April um 13 Prozent auf 1,5 Millionen Einheiten gestiegen ist. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich die Prämie für Palladiumschwamm auf einem nach wie vor hohen Niveau befindet. Palladium wird als Katalysator in benzinbetriebenen Fahrzeugen eingesetzt.

Das globale Palladiumangebot wird gleichzeitig durch europäische sowie US-amerikanische Sanktionsandrohungen gegen Russland, dem weltweit größten Palladiumproduzenten, belastet. Es ist somit unter gegebenen Umständen davon auszugehen, dass Palladium Potential für weitere Preissteigerungen aufweist.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Die von uns letzte Woche erwarteten „leicht anziehenden“ Rhodium Preise haben sich in kurzer Zeit zu einem regelrechtem Kursfeuerwerk entwickelt. Zum einen hat sich die Nachfrage wieder deutlich erhöht – insbesondere aus Asien wurden größere Mengen angefragt – zum anderen war es wohl das Ergebnis aus Diskussionen und Präsentationen während der Londoner Platin Woche, die die Fantasie von Händlern und Verbrauchern angefacht haben. Produktionsdefizite und mögliches Alternativmetall für eine gewisse Menge im Autokatbereich ließen die Angebotsseite sehr gering werden und verbunden mit der unmittelbar stark gestiegenen Nachfrage von Industrie, Händlern, aber auch aus der Investorenseite, haben den Preis in 3 – 4 Tagen um mehr als USD 150 anziehen lassen.

Im Ruthenium und Iridium gibt es zwar weiterhin verhältnismäßig gute Nachfrage, die aber momentan noch durch das bestehende Angebot bedient werden kann. Deshalb gibt es hier noch keine Preisänderungen.

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