Geplante Vergärungsanlage im Landkreis Hof

Der Bau der geplanten Bioabfallvergärungsanlage im Landkreis Hof hat begonnen. Die künftigen Betreiber setzen große Erwartungen in das Projekt. Die Gasausbeute soll bis zu 30 Prozent höher sein als bei bestehenden Verfahren. Eine weitere Besonderheit sei die 100-prozentige Nutzung der Energie.

Bessere Gasausbeute und vollständige Nutzung der Energie


Rehau
Rehau

Die neue Anlage wird ihren Standort in Rehau im oberfränkischen Landkreis Hof haben und soll Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Dann können bis zu 30.000 Tonnen Bioabfall vergärt werden, teilt die Firma Rehau mit, die zusammen mit den ortsansässigen Unternehmen Südleder und Willy Böhme die Betreibergesellschaft RSB Bioverwertung Hochfranken GmbH gegründet hat. Die RSB wiederum beauftragte im Mai 2014 die Rehau Energy Solutions GmbH mit der Errichtung der Anlage. Die Baukosten sind mit 9,9 Millionen Euro veranschlagt.

Die neue Anlage wird Bestandteil des kommunalen „Bioenergiezentrums Hochfranken“, zu dem bereits eine Bioenergieanlage zur Vergärung industrieller Nebenprodukte, eine Biogasanlage sowie ein Industriekraftwerk gehören. Nach Realisierung aller Ausbaustufen soll das Bioenergiezentrum jährlich rund 32.300 Megawattstunden Strom und etwa 43.900 Megawattstunden Wärme aus Abfällen und regenerativen Energiequellen vor Ort produzieren und in lokale Netze einspeisen. Das entspricht rund 40 Prozent des Strombedarfs am Industriestandort Rehau.

Die Bioabfallvergärungsanlage garantiert nach Angaben von Rehau eine hoch effektive Vergärung von biologischen Abfällen. Der Inhalt der Biotonne des Abfallzweckverbands Stadt und Landkreis Hof sowie des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge (KUFi) würden künftig zu Biogas und Kompost umgewandelt. Die RSB hatte sich um die europaweit ausgeschriebene Entsorgung der Biotonne aus den Landkreisen Hof und Wunsiedel beworben und im Frühjahr den Zuschlag erhalten. Fördermittel für die neue Anlage sind beim Bundesumweltministerium beantragt.

Mehrstufiges Nass-Vergärungsverfahren

Das produzierte Biogas treibt Gasmotoren an, die jährlich rund 19.500 Megawattstunden Energie erzeugen, erklärt Rehau. Die BVA-Anlagentechnik setze das von Rehau Energy Solutions entwickelte WastERGY®-Verfahren („Waste to Energy“). Durch eine aufwendige Aufbereitung würden Störstoffe wie Blech, Plastik und Glas von den biogenen Stoffen getrennt. Weitere Abtrennstufen ermöglichten eine Reinheit des Gärrestes von mehr als 99,5 Prozent, was die Weiterverarbeitung stark vereinfache. Das mehrstufige Nass-Vergärungsverfahren mit patentierter Helixhydrolyse ermöglicht den Angaben zufolge eine intensive Vergärung der abbaubaren Stoffe, die unabhängig von jahreszeitbedingten Temperaturschwankungen sei. Die Gasausbeute sei am Ende 25 bis 30 Prozent höher als bei bestehenden Verfahren, betont Rehau.

Eine weitere Besonderheit sei die 100-prozentige Nutzung der Energie. So würden sowohl der Strom als auch die Wärme über das bestehende Mikrogasnetz vollständig und lokal genutzt. Projekte zur Erweiterung des Mikrogasnetzes seien in Vorbereitung. Während zahlreiche Kommunen die Wärme in der Regel nicht nutzen könnten, schöpfe das oberfränkische Rehau das enorme Potenzial der Anlage künftig komplett aus.

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