Marktbericht für Edelmetalle

Die Gold- und Silberpreise profitieren von Krisen-Berichten über Portugals größte börsennotierte Bank. Auch der Platinpreis tendiert auf hohem Niveau: Grund sind positive Nachrichten aus der chinesischen Automobilindustrie. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Palladium bewegt sich weiter aufwärts


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Sorgen um die Stabilität der größten börsennotierten Bank Portugals belasteten die globalen Aktienmärkte in der vergangenen Woche, welche wiederum das Käuferinteresse für Gold anregten. Das Metall stieg am Donnerstag auf einen Preis von 1.345 US-Dollar/oz – das höchste Preisniveau seit dem 19. März. Während Kleinanleger sich großenteils an der Seitenlinie aufhielten, war es wieder einmal insbesondere die ETF Community, welche den Preis unterstützte.

Aktienmärkte funktionieren nicht als Einbahnstraße und die jüngsten Entwicklungen in Portugal erinnern daran, dass Schulden- sowie Wirtschaftsthemen, die zwar von der Bildfläche verschwunden sind, noch lange nicht gelöst wurden. Während es noch zu früh ist, über eine Wende zu sprechen, ist es offensichtlich, dass die Investoren derzeit ihre Risikobereitschaft anpassen.

In dieser Woche gehen wir davon aus, dass der positive Unterton anfänglich mit einem unmittelbaren Widerstand bei 1.350 US-Dollar/oz bestehen bleibt und Unterstützung bei etwa 1.320 findet. Obwohl der Markt weitgehend mit einer Reduktion des indischen Einfuhrzolls gerechnet hat, hat die Entscheidung über die Beibehaltung keinen bedeutenden Effekt auf den Preis gehabt. Wir schließen trotzdem nicht aus, dass die Nachfrage kurzfristig steigen wird: Konsumenten, die auf eine Erleichterung der Importrestriktionen gehofft hatten und somit ihre Käufe verschoben hatten, sollten nun gezwungen sein, das Metall zu kaufen, insbesondere vor dem Hintergrund der indischen Festivalsaison. Letzteres sollte jedoch nur eine temporäre Unterstützung sein.

Silber

Silber konnte letzte Woche weiter hinzugewinnen. Wie erwartet, scheiterte es jedoch erst mal am Widerstand bei 21,55 US-Dollar/oz. Das Sentiment zugunsten der Investmentmetalle Gold und Silber hat sich in kürzester Zeit zum Positiven gewandelt. Maßgeblich dazu beigetragen hat die wieder aufflammende Krise um die EU-Peripherie-Länder, vor allem aufgrund der in Schwierigkeiten geratenen Banco Espirito Santo in Portugal.

Auch die Krisenherde Irak und Gaza trugen zu vermehrten „risk-off“ Handel bei, ließen Aktien fallen und Metalle steigen. Ausblickend stehen die Chancen diese Woche gut, weiter bis 22 US-Dollar/oz vorzustoßen. Im Gegensatz zur Vorwoche kommen etliche Konjunkturzahlen heraus. Aus China kommen Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze, BIP Q2, sowie Häuserpreisentwicklung. Aus der Eurozone und den USA werden Industrieproduktion und Inflation, sowie des Weiteren aus den USA Einzelhandelsumsätze, Hausbaubeginne und Michigan Index veröffentlicht.

Derweil hat die LBMA mitgeteilt, dass CME und Reuters das neue „Fixing“ unter dem neuen Namen und Mechanismus als „London Silver Price“ ab dem 15.08.2014 bereitstellen.

Platin

Das Streikende scheint derzeit weder Platin noch Palladium unmittelbar zu beeinflussen, da sich beide Metalle auf hohen Niveaus halten. Die Knappheit des Angebots wird mit den mühsamen Versuchen der Wiederbelebung der Minenproduktion nach dem monatelangen Streik in Südafrika mittelfristig weiterhin Einfluss auf eine positive Preisentwicklung haben.

Produktion von Automobilen in China von 2004 bis 2014 (in Millionen Stück)Auf der Nachfrageseite kann sich Platin, welches in erster Linie in Dieselfahrzeugen verarbeitet wird, wieder über positive Nachrichten aus der Automobilindustrie freuen. Laut dem chinesischen Verband der Automobilhersteller wurden mit rund 1,5 Millionen Autos im Juni und somit 9,63 Millionen Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2014 11,2 Prozent mehr Einheiten verkauft als im Vorjahr. Sollte die Automobilindustrie nicht radikal einbrechen, ist davon auszugehen, dass Platin sich zumindest seitwärts weiter bewegt.

Palladium

Palladium setzte auch vergangene Woche seinen Aufwärtsgang fort und erreichte die 875 US-Dollar/oz Marke. Somit erreichte der Palladiumpreis den höchsten Stand seit Februar 2001.

Begründet wird dies unverändert durch die derzeitige Situation der Angebotsknappheit sowie die positiven Zahlen aus der Automobilindustrie. Palladium, welches großenteils in Katalysatoren von Benzinern landet, erfährt ebenfalls nach wie vor gute Nachfrage aus der Automobilindustrie, welches die Hauptursache für die Preisentwicklung darstellt. Neben der US-amerikanischen Automobilindustrie erfährt auch die deutsche Automobilindustrie einen Boom in den Verkaufszahlen. So sollte sich Palladium zum Bau von Katalysatoren weiterhin robuster Nachfrage erfreuen.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Im Vergleich zur Vorwoche hat Rhodium wiederum gute Nachfrage gesehen, aber dieses Mal hat sich auch der Preis entsprechend bewegt. Überraschenderweise hielten sich Händler mit Verkäufen zurück, sodass wir auch festere Kurse gesehen haben. Die Minen halten sich nach wie vor auffallend zurück und die Käufe scheinen momentan auch nachhaltiger zu sein, sodass wir höhere Preise nicht ausschließen.

Bei Ruthenium gibt es in der Berichtswoche keine großen Veränderungen und die Umsätze waren dementsprechend gering. Der Markt ist momentan sehr lethargisch und wartet auf größere Umsätze.

Im Iridium gibt es nach wie vor Zukäufe von verschiedenen Industrien, die aber (noch) keine neue Preisveränderung aufzeigen. Aufgrund des nach wie vor geringen Angebotes scheinen festere Kurse aber nur eine Frage der Zeit.

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