Marktbericht für Nickel und Edelstahl

Eine zunehmende Risikoaversion hat den Nickelkurs negativ beeinflusst. Stimmen werden laut, die den Kursrückgang auch mit einer möglichen Aufhebung des indonesischen Ausfuhrverbots für unraffinierte Nickelerze in Verbindung bringen. Doch ein baldiges Ende des Verbots ist unwahrscheinlich.

Nickel bleibt attraktiv


Von Roland Mauss, Oryx Stainless

Bei weiterhin hohen Börsenlagerbeständen konnten sich die Nickelnotierungen an der London Metal Exchange (LME) an den bisherigen Handelstagen im Juli oberhalb der Marke von USD 19.000,00/mt gut behaupten. Durch den tragischen Abschuss einer Passagiermaschine der Malaysian Airlines über der Ukraine und der Bodenoffensive Israels im Gaza-Streifen hat aber die Risikoaversion der Investoren wieder deutlich zu genommen. Das hat zuletzt den Nickelkurs, wie auch viele andere eher risikobehaftete Börsenwerte, negativ beeinflusst. Gewinnmitnahmen sorgen folglich für niedrigere Kurse.

Gegenwärtig handelt der 3-Monats-Future für Nickel bei USD 18.500,00/mt. Die im Zusammenhang mit der Kursveränderung von einigen Medien hergestellten Verbindungen zu den Präsidentschaftswahlen in Indonesien erscheinen allerdings als voreilig und deutlich verfrüht. Quasi als Gegenprobe konnte man zuletzt eine Zunahme der Kurse für Gold, den US-Dollar und US- und deutsche Staatsanleihen feststellen, was die Risikoaversionshypothese unterstützt.

Verteilung der weltweiten Nickelnachfrage nach Einsatzgebieten im Jahr 2012 Wie immer, kann man nicht alle Rohstoffe über einen Kamm scheren. So zeigt der Thomson Reuters/CoreCommodity CRB Commodity-Index eine Performance seit Beginn des Jahres von über 6 Prozent. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es auch Indizes gibt, die schlechter abschneiden (und manche sicher auch besser). So kommt der ebenso renommierte S&P GSCI-Index nur auf einer Performance YTD (=seit Anfang des Kalenderjahres) von 1,6 Prozent.

Es hängt eben maßgeblich davon ab, welche Rohstoffe, mit welcher Gewichtung in dem jeweiligen Index enthalten sind. Der Legierungsrohstoff Nickel beispielsweise gehört ganz klar zu den attraktiven Vertretern und auch Zink und Aluminium konnten sich bisher positiv entwickeln, während das vielbeachtete Kupfer und Blei eher enttäuschten.

Keine Hinweise auf Abschaffung des Exportverbots

Richtet man den Blick auf Nickel, welches durch ein in Indonesien seit Jahresbeginn bestehendes Ausfuhrverbot für unraffinierte Nickelerze geprägt wird, waren schon lange vor der strikten Einführung Zweifel an der harten Umsetzung vor dem Hintergrund der in Indonesien in 2014 anstehenden Wahlen laut geworden. Hatte bereits die erste Wahl zum Parlament Anfang April nicht den Richtungswechsel bei der Minenpolitik gebracht, so wurden nun bei der Anfang Juli vollzogenen Wahl zur Präsidentschaft wiederum Stimmen laut, die ein baldiges Ende des Ausfuhrverbotes prophezeiten. Nun, nachdem die Wahl abgehalten ist und nach ersten Wahlumfragen und Hochrechnungen vermutlich Joko Widodo, der Gouverneur von Jakarta, kurz „Jokowi“ genannt, die Wahl gewonnen hat, gibt es noch keine echten Hinweise, die für eine Abschaffung der Ausfuhrbeschränkungen sprechen würden.

Zur Erinnerung: Bislang blieben 75 Prozent der Wertschöpfung der aus dem indonesischen Erz hergestellten Rohstoffe (Nickel Pig Iron/NPI) in China bzw. im Ausland. Nur 25 Prozent kam der indonesischen Gesellschaft zugute. Vielfach wird auch die Bedeutung des Minensektors in Indonesien überschätzt. In dem ressourcenreichen Land mit rund 250 Millionen Einwohnern macht die Minenförderung gerade einmal 12 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus. Vielleicht auch deshalb, weil in der Vergangenheit zum Teil viel zu geringe Preise für die nickelhaltigen Erze durch die chinesischen Importeure bezahlt wurden.

Ausschließlich das offizielle Endergebnis der Wahl wird konkrete Hinweise geben, in welche Richtung sich die Rohstoffpolitik in Indonesien weiter entwickeln wird. Allerdings scheint es doch vor dem Hintergrund der drohenden Rufschädigung bei den nationalen und internationalen Investoren als sehr unwahrscheinlich, dass man von der konsequent angetretenen und aus der Sicht Indonesiens auch volkswirtschaftlich sinnvollen Linie mit einem Mal wieder völlig abrücken sollte. Dies würde die Rechts- und Investitionssicherheit dieses Landes doch arg in Frage stellen.

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