Mögliche weitere Handelsbeschränkungen

Die Pläne der philippinischen Politik, den Handel mit Nickelerzen zu beschränken, haben den Nickelmarkt aufgeschreckt. Inzwischen zeichnen sich die Folgen klarer ab. Außerdem scheint jetzt das Rätsel gelöst, warum chinesische Rohstoffpreise stets mit Mehrwertsteuer angegeben werden.

Nickelpreis könnte weiteren Auftrieb bekommen


Von Roland Mauss, Oryx Stainless

Die Nickelnotierung an der London Metal Exchange (LME) konsolidierte über weite Teile des Juli in einer Seitwärtsbewegung und fand eine gute Unterstützung des Marktes oberhalb von USD 18.500,00/mt. Der Markt hatte zuletzt einiges an Momentum verloren und das lag nicht nur an einer sommerferienbedingten Beruhigung. Zwar wurde bestätigt, dass Indonesien an einem Erzausfuhrverbot festhalten würde, jedoch sieht es ganz danach aus, als würden sich die vorhergesagten Angebotsdefizite an Nickeleinheiten erst im Laufe des Jahres 2015 materialisieren.

Das liegt vor allem daran, dass hinsichtlich der Datenqualität aus China nach wie vor große Fragezeichen bestehen. Und dies betrifft neben den tatsächlichen Produktions- und Verbrauchszahlen von Nickel Pig Iron (NPI) auch und vor allem die bestehenden Erzreserven bei den verschiedensten Gliedern der Wertschöpfungskette (Häfen und Handel, Produzenten, Verbraucher, etc.).

Darüber hinaus wurde auch die technische Findigkeit und Flexibilität der chinesischen NPI-Produzenten unterschätzt, die, so hört man, inzwischen höhernickelhaltige Restbestände an indonesischen Erzen mit niedrignickelhaltigen Erzen mit Ursprung Philippinen mischen und damit die Reichweite der indonesischen Reserven verlängern. Folgerichtig lässt sich auch an den Handelsstatistiken eine deutliche Zunahme der Exporte von philippinischen Erzen nach China ablesen.

Philippinen könnten dem Beispiel Indonesien folgen

Entsprechend der Statistiken der International Nickel Study Group (INSG) und des US Geological Service (USGS) gehören die Philippinen neben Indonesien, Russland, Australien und Kanada zu den fünf weltweit größten Nickelerzproduzenten. Für die Philippinen wird dabei ein Nickelinhalt in den Erzen zwischen 230.000 und 300.000 Tonnen je nach Jahr und Quelle angegeben. Wie auch bislang in Indonesien werden die unraffinierten Erze von den Philippinen im Wesentlichen zur Weiterverarbeitung nach China exportiert. Die gegenwärtige Ausnahme bilden zwei Aufbereitungsanlagen des Rohstoffproduzenten Nickel Asia Corporation.

Minenproduktion von Nickel nach den wichtigsten Ländern in den Jahren 2010 bis 2013 (in Tonnen) Am 3. September verdichteten sich dann Gerüchte, welche am 4. September bestätigt wurden, dass ein philippinischer Senator einen Gesetzesvorschlag in den Kongress eingebracht hätte, demgemäß alle Rohstoffe aus philippinischen Minen vor dem Export im Land weiterverarbeitet werden müssen. Wie schon in Indonesien ist das schlagende Argument, eine wesentliche Wertschöpfung aus den Rohstoffen im Land zu behalten. Man kann sich nach der vorstehend skizzierten Bedeutung der Philippinen für das weltweite Nickelangebot vorstellen, dass diese Nachricht nicht ohne Auswirkung auf die Nickelbörse LME blieb. Nickel befestigte sich innerhalb weniger Tage von USD 18.500,00/mt auf USD 19.900,00/mt, was einem Plus von mehr als 7,5 Prozent entsprach und gleichzeitig ein Neunwochenhoch darstellte.

Inzwischen wurde klar, dass es, sollte es zur Umsetzung des Gesetzesvorhabens kommen, es auch auf den Philippinen eine mehrjährige Übergangsfrist für die Unternehmen geben würde, um sich den Ausfuhrrestriktionen anpassen zu können. Daraufhin kam es an der LME vorerst wieder zu einer Normalisierung der Notierungen.

Doch ist bei der Bedeutung der Philippinen für die weltweite Nickelproduktion klar, dass sollte auch hier ein Ausfuhrverbot analog dem von Indonesien beschlossen werden, die Auswirkungen auf den Nickelmarkt deutlich sein werden. Und wiederum dürfte sich insbesondere das Problem Chinas vergrößern, zukünftig die Versorgung mit Nickeleinheiten sicherzustellen. Auch sollte sich die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Edelstahlproduzenten weiter verschlechtern. Unabhängig von den vielen noch bestehenden Ungewissheiten hinsichtlich eines ob und wie auf den Philippinen, hat sich deutlich gezeigt, wie je nach Perspektive weiße oder schwarze Schwäne, plötzliche die „Spielregeln“ in den Rohstoffmärkten ändern können. Die Entwicklungen auf den Philippinen sind auf jeden Fall im Auge zu behalten.

Die Lösung eines Rätsels

Warum die Preise für chinesisches Nickel Pig Iron in chinesischen und westlichen Publikationen mit Mehrwertsteuer publiziert wurden und werden, war auch für den geschulten Betrachter eine Merkwürdigkeit. Zahlreiche Versuche, diese Frage mit Hilfe von „Branchenexperten“ zu klären, schlugen leider fehl. Zu dürftig waren die erhaltenen Antworten und Erklärungen. Nun aber kam es bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des 8. IHK-Außenwirtschaftstages NRW in Köln zu einem Statement, welches die Augen öffnen konnte.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Electrisola Dr. Gerd Schildbach GmbH & Co. KG, einer der weltweit führenden Kupferlackdraht-Hersteller, berichtete, dass die chinesische Regierung mit ihrer sich häufig ändernden Erstattungspraxis bei der Mehrwertsteuer de facto Außenwirtschaftspolitik betreibe bzw. den Export einschränken oder fördern würde. Es sei nämlich häufig der Fall, dass bei Ausfuhren, die Erstattung der inländischen Mehrwertsteuer versagt würde. Damit wäre es ökonomisch nicht mehr sinnvoll zu exportieren. Wenn aber die gezahlte Mehrwertsteuer in vielen Fällen in regelmäßiger Anwendungspraxis der chinesischen Finanzbehörden eine endgültige Steuer ist, ist auch klar, wieso bestimmte (Rohstoff)Preise mit Mehrwertsteuer notiert werden statt Netto, wie es in unseren Breiten üblich ist.

Ein weiteres Geheimnis ist damit gelöst.

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