Abwärtsbewegung bei Nickel
Die Notierungen für Industriemetalle sind nicht nur zu einem Spielball der Spekulation geworden. Inzwischen werden sie regelrecht zwischen Ölpreiskorrektur und Währungsturbulenzen zerrieben. Das zeigt die jüngste Preisentwicklung für Nickel.
Zwischen Ölpreiskorrektur und Währungsturbulenzen
Von Roland Mauss, Oryx Stainless
Auch ohne dass sich zwischen den Jahren seitens fundamentaler Nachrichten etwas getan hat, sind die Industriemetalle und damit auch Nickel zwischen die Fronten der Entwicklungen an anderen Märkten geraten. Damit spiegelt die aktuelle Kursentwicklung bei Nickel auch nicht die realen Gegebenheiten wider, sondern ist vielmehr getrieben durch die ausufernde Geldpolitik der Zentralbanken, die Investitionsentscheidungen von Anlegern und durch einen Wirtschaftskrieg um die Vorherrschaft auf dem Ölmarkt.
Nickel hat daher seit der leichten Befestigung Anfang Dezember rund 9 Prozent verloren und handelt gegenwärtig bei rund USD 14.500,00/mt. Zeitweise lagen die Notierungen sogar innerhalb eines Handelstages (intraday) kurz unter die Marke von USD 14.000,00/mt. Da bleibt selbst langjährigen Marktbeobachtern der Mund offen stehen und mit wem man auch spricht, der findet für die gegenwärtige Kurssituation keine wirkliche Erklärung, zumindest wenn man im Nickelmarkt selbst nach Gründen sucht.
Daraus entsteht natürlich dennoch eine Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Kursbewegung. Diese findet schon ihren Niederschlag in einer hektischen Korrektur der Preisprognosen für 2015 durch einige Analysten. Diesbezüglich hätte man sich allerdings ein wenig mehr Stehvermögen und Vertrauen in die eigenen Analysen gewünscht, denn die Fundamentaldaten im Nickelmarkt, also die Marktinformationen hinsichtlich Angebot und Nachfrage, sind nach allem was man derzeit sehen kann, unverändert. Man muss sich daher ernsthaft die Frage stellen, ob nicht mit der Finanzkrise und der Überflutung der Märkte mit billigem Geld eine neue Ära angebrochen ist, die eine sinnvolle Marktanalyse auf Basis der realen Verhältnisse ad absurdum führt. Denn wenn man die Dinge nüchtern betrachtet, sind die Industriemetallnotierungen nicht nur zu einem Spielball der Spekulation geworden (mit dem positiven Nebeneffekt einer größeren Marktliquidität an den Börsenmärkten), sondern werden aktuell regelrecht zwischen Ölpreiskorrektur und Währungsturbulenzen zerrieben.
Kupfer mit großen Verlusten
Nickel ist aber unter den Industriemetallen relativ gesehen immer noch der Star. Denn noch deutlicher als Nickel hat es die Kupfernotierungen – seit jeher noch in größerem Maße im Fokus der Finanzanleger – getroffen. Diese hatten seit Anfang Dezember um bis zu 20 Prozent verloren. Kupfer schaffte es in der dritten Kalenderwoche des neuen Jahres gar, den größten wöchentlichen Verlust innerhalb von mehr als drei Jahren zu realisieren sowie auf den niedrigsten Stand seit 2009 zu fallen. Kupfer zu verkaufen gilt geradezu als Standardspekulation, wenn es um eine Wette auf die Abschwächung der Weltwirtschaft geht.
Nach einem Bericht der Financial Times haben denn auch hier weitgehend unbekannte Hedgefonds aus China eine wesentliche Rolle gespielt, die Kupfernotierungen unter derartigen Druck zu bringen. Durch den Verfall des Ölpreises unter USD 50,00 pro Barrel waren die Industriemetallmärkte bereits unter Druck. Außerdem wurde durch diese Fonds die relativ dünne Liquidität des Marktes im Hinblick auf das bevorstehende chinesische Neujahrsfest für ihre, wie die Financial Times schreibt, „Attacke“ genutzt.
Da aber heute bei vielen Metallen mehr als 70 Prozent des Angebots und/oder der Nachfrage auf Asien entfällt, ist es kaum erstaunlich, dass es auch im Bereich der Finanzmarktakteure zunehmend zu einer Verschiebung der Player Richtung Asien kommt. Das dürfte auch europäischen Investoren nicht uneingeschränkt gefallen, denn wenn diese morgens aus ihren Betten steigen, ist der Markt vielleicht schon an einem Punkt, wo man ihn nie vermutet hätte. Dass also einzelne Marktteilnehmer oder auch konzertiert, einen derartigen Einfluss auf Preisentwicklungen an Warenterminbörsen nehmen können, ist nicht nur zum Nachteil der Realwirtschaft. Vielleicht bilden sich hier zukünftig noch ganz andere, ungeahnte Allianzen für eine stärkere Regulierung und Transparenz der Märkte.
Gesunde Fundamentaldaten für den Nickelmarkt
Wie hier bereits mehrfach diskutiert, sind die durch die Medien gerne zitierten Seltenen Erden gar nicht so selten, wie der Name vermuten lassen würde. Dennoch sind diese immer wieder Gegenstand der Berichterstattung, insbesondere wegen ihrer Bedeutung für gewisse Zukunftstechnologien sowie der Konzentration der Weltproduktion in China und der damit verbundenen, massiven Preissteigerungen. Daraufhin hatten nicht wenige Unternehmen und Länder damit begonnen, Strategien zu entwickeln, um die Abhängigkeit von China bei dem Bezug dieser Rohstoffe zu reduzieren.

Trotz dieser kurzfristig eher enttäuschenden Marktlage, ist nach allen Fundamentaldaten der Nickelmarkt nach wie vor gesund. Und wie nicht zuletzt die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Einfluss der Spekulation auf die Rohstoffpreise zeigen, bewegen sich die Notierungen auch nach starken spekulativen Verwerfungen immer wieder in Richtung des fundamentalen Gleichgewichts. Daher sind auch Rohstoffinvestments, trotz gegenwärtiger taktischer Untergewichtung, nach wie vor auf der Tagesordnung mittel- und langfristig denkender Vermögensverwalter. So hält die Privatbank Sal. Oppenheim Rohstoffe weiterhin als Assetklasse für strategisch interessant und weist insbesondere auf die Heterogenität der Rohstoffsektoren als Quelle von zusätzlichen Chancen hin. Gerade das mittelfristige Aufholpotenzial macht bestimmte Rohstoffe besonders interessant.


