Marktbericht für Edelmetalle

Meldungen aus den USA über neue Absatzzahlen der Automobilindustrie befeuern Platin und Palladium. Gold und Silber dagegen büßen ihre Zugewinne wieder ein. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Platin und Palladium profitieren von Automobil-Zahlen


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Nach der sehr positiven Entwicklung des Goldpreises im Januar (+8 Prozent), musste Gold in der letzten Woche wieder Verluste hinnehmen. Das hohe Niveau ließ den Markt Gewinne realisieren und so büßte Gold die gemachte Entwicklung – zumindest teilweise – wieder ein.

Dabei war der neue Monat zunächst vielversprechend gestartet und das 1.260 US-Dollar/oz-Level wurde wiederholt erfolgreich verteidigt. Erst die US Arbeitsmarktzahlen ließen Gold aus der bis dahin schmalen Range nach unten ausbrechen. Gold fiel in Antwort auf die positive Datenlage in den USA am Freitagnachmittag um 2,5 Prozent bis auf 1.229 US-Dollar/oz. Diese Reaktion verdeutlicht einmal mehr, wie sehr Gold von US-finanzpolitischen Entscheidungen abhängt.

Bei einer guten Konjunkturentwicklung rückt die geplante Zinserhöhung in den Vordergrund. So schwebt diese wie ein Damoklesschwert über dem Markt und lässt Gold – je nach Datenlage und entsprechender Wahrscheinlichkeit der baldigen Einführung – in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Auch Investoren haben letzte Woche dem Metall wieder ihre Unterstützung entzogen und ETF Bestände reduzierten sich entsprechend. Die Nachfrage nach Kleinbarren ist ebenfalls wieder auf normalem Niveau angekommen.

Heute Morgen handelt Gold bei 1.240 US-Dollar/oz. Wir sehen das Metall trotz der leichten Erholung im kurzfristigen Abwärtstrend mit Unterstützung beim Tief der letzten Woche. Der Widerstand liegt bei 1.250 US-Dollar/oz und der Markt wartet nun auf Impulse für die weitere Entwicklung. Weiterhin wird das vergleichsweise hohe Niveau in Euro-Gold genutzt, um Metall abzugeben.

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Gold: 02.02.-08.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.285,10 1.137,43 36,57
Tief 1.255,21 1.083,56 34,84

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Silber

Nach einer zunächst recht stabilen Woche kam Silber nach den guten US-Arbeitsmarktzahlen am Freitagnachmittag deutlich unter Druck. Auch Bedenken zu deflationären Tendenzen wurden mit den höher als erwarteten Lohnerhöhungen ausgeräumt. Neben der nun weiter wahrscheinlich gewordenen Zinserhöhung der Fed zur Mitte des Jahres tragen auch Vermittlungsbemühungen in der Ukraine-Krise sowie die Kompromissbereitschaft um Griechenland zu einem geringeren Bedarf an Risikoabsicherung in Form von Silber und Gold bei.

Momentan bewegt sich Silber um den 100 Tage Durchschnitt bei 16,70 US-Dollar/oz. Die nächste signifikante Unterstützung sehen wir bei 16,00 US-Dollar/oz, während der Widerstand nach oben bei 17,48 US-Dollar/oz liegt.

Unterstützung erhält Silber durch gute physische Käufe wie bspw. im US-Münzmarkt. Auch die ETF Bestände zeigen sich dieses Jahr auf konstantem Niveau nach Abverkäufen gegen Ende letzten Jahres. Mit den nächsten wichtigen Daten erst am Donnertag (US-Arbeitslosenzahlen und Einzelhandelsumsätze) dürften für größere Bewegung nach oben aber zunächst die Impulse fehlen, womit das Risiko niedrigerer Preise besteht.

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Silber: 02.02.-08.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 17,79 15,71 505,00
Tief 16,53 14,58 468,86

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Platin

Weder Platin noch Palladium haben sich von der Goldpreisentwicklung beeinflussen lassen und verteuerten sich im Laufe der Berichtsperiode. Platin öffnete bei 1.241 US-Dollar/oz und bewegte sich zum Ende der Woche auf die 1.257 US-Dollar/oz zu.

Platin wird weiterhin kräftig von Seiten der Automobilindustrie unterstützt. Es sind u.a. Meldungen wie die über die US-Autoabsatzzahlen der vergangenen Woche, die die Aussicht für Platin begünstigen. Darüber hinaus drohte die Regierung in Zimbabwe mit Exportsteuern auf unverarbeitetes Platin. In der Berichtsperiode wurde wiederum verkündet, dass die Regierung auf solch eine Exportsteuer verzichten würde, sofern die Minen in Zimbabwe in eigene Refininganlagen investieren, um eine eigene lokale Aufarbeitung zu fördern.

Inwiefern sich der Gedanke einer Exportsteuer tatsächlich umsetzt und geographisch verbreitet sowie auf den Platinpreis auswirken könnte, bleibt jedoch abzuwarten. Charttechnisch befindet sich der Widerstand bei 1.245 US-Dollar, Unterstützung sehen wir bei 1.242 US-Dollar.

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Platin: 02.02.-08.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.262,70 1.104,92 35,52
Tief 1.214,50 1.062,38 34,16

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Palladium

Palladium verbleibt auch in der vergangenen Woche auf dem Aufwärtstrend. Die vergangene Woche eröffnete Palladium bei 771 US-Dollar/oz und schloss mit einem wöchentlichen Anstieg um 1,49 Prozent bei 782 US-Dollar/oz. Der Palladiumpreis klettert somit derzeit in die Nähe der 800 US-Dollar Marke.

Wie bereits mehrere Male in unseren wöchentlichen Reports berichtet, unterstützten insbesondere Palladiumkatalysatoren in der Automobilindustrie den Preis des Metalls. Dabei bleiben die US-amerikanischen Verkaufszahlen weiterhin im Aufschwung (1,15 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Januar).

Von mindestens gleichwertiger Bedeutung für den Palladiumpreis sind jedoch auch die Entwicklungen auf der Angebotsseite. Palladium befindet sich seit dem letzten Jahr in einem bedeutenden Defizit. Begründet wird dies durch die begrenzten Auslieferungen aus Russland als weltweit größten Palladiumlieferanten. So wurden im vergangenen Jahr, im Zeitraum von Januar bis November, 30 Prozent weniger Unzen Palladium nach China ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum. In die Schweiz waren im Dezember die Exporte sogar um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen.

Analysten gehen davon aus, dass sich Palladium auch in diesem Jahr im Defizit befinden wird, was sich positiv auf den Palladiumpreis auswirken wird. Charttechnisch liegt der Widerstand bei 798 US-Dollar, Unterstützung findet sich bei 786 US-Dollar.

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Palladium: 02.02.-08.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 802,10 707,00 22,73
Tief 765,47 676,00 21,73

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Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium hat am Ende der Berichtswoche, nach insgesamt 3 Wochen ohne Preisbewegung, wieder etwas Leben gezeigt und mit unverhältnismäßig hohen Umsätzen geglänzt. Allerdings wurde die überraschend gute Nachfrage auch von Verkäufern genutzt, die an dem leicht gestiegenen Preis partizipieren wollten. Die Käufer kamen überwiegend aus den Bereichen Automobil und Investment.

Dadurch, dass das große Kaufinteresse wenig Auswirkung auf den ohnehin schon niedrigen Preis hatte, lässt die Aussicht auf einen weiteren schnellen Preisanstieg als ziemlich gering erscheinen. Es gibt wie in unseren vorangegangen Berichten erwähnt nach wie vor noch genügend verfügbares Metall, das zum Verkauf steht. Allerdings werden sich potenzielle Verkäufer bei anhaltend starkem Interesse etwas zurückhalten, um den Preis etwas Luft nach oben zu lassen, und entsprechend dann auf einem mutmaßlich höheren Kurs zu verkaufen.

Im Ruthenium gibt es diese Woche keine Veränderungen oder besonderen Marktgeschehen zu vermelden. Die Umsätze liegen aber immer noch auf einem verhältnismäßig hohen Niveau.

Bei Iridium setzt sich der Trend der Vorwochen fort und es gibt nach wie vor Käufer aus den verschiedensten Anwendungsgebieten, die den vergleichsweise niedrigen Preis sowohl für Spot Käufe als auch für Absicherungen nutzten. Der Preis handelt nach wie vor in der Nähe des 12-monatigen Durchschnittskurses, aber weiterhin deutlich tiefer als beispielsweise der 3-jährigen Durchschnittsnotierung, die immer noch mehr als 200 US-Dollar/oz höher liegt als der aktuelle Preis. Wir sehen aktuell keinen Anlass, unsere Meinung eines weiter ansteigenden Preises zu ändern.

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02.02.-08.02.2015 Rhodium ($/oz) Iridum ($/oz) Ruhthenium ($/oz)
Hoch 1.145,00 530,00 48,00
Tief 1.215,00 590,00 58,00
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