Für 0,5 Liter- und 1,5 Liter-Flaschen

Der geplante Ausstieg von Coca-Cola aus dem Mehrwegsystem dürfte die deutsche Mehrwegquote deutlich nach unten ziehen. Die Deutsche Umwelthilfe ist empört: Sie ruft zum Boykott auf.

Coca-Cola verabschiedet sich von Mehrwegflaschen


Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) reagiert empört auf die Ankündigung von Coca-Cola, aus dem Mehrwegsystem auszusteigen. In den vergangenen 28 Jahren sei das der fünfte Generalangriff des amerikanischen Erfrischungsgetränkekonzerns auf das bundesdeutsche Mehrwegsystem, schimpft die DUH. Nun seien Verbraucher aufgefordert, sich an der Ladenkasse „für Mehrweg und gegen Coca-Cola“ zu entscheiden und Mehrweg-Getränke zu kaufen.

Coca-Cola plant, seine 0,5 Liter- und 1,5 Liter-Mehrwegflaschen gegen Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen zu ersetzen. Nach Berechnungen der DUH würde damit die Mehrwegquote von Coca-Cola von 56 auf nur noch 42 Prozent sinken. Nach Informationen der DUH will es Coca-Cola dabei nicht belassen: Auch die 1,0 Liter Mehrwegflasche soll in zwei bis drei Jahren auf Einweg umgestellt werden.

Absatzverteilung von Erfrischungsgetränken in Deutschland nach Verpackungsarten in den Jahren 2012 und 2013 DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bewertet die Entscheidung von Coca-Cola gegen Mehrweg als eine klare Entscheidung für mehr Profit zu Lasten grüner Arbeitsplätze und der Umwelt. „Weltweit zählt Coca-Cola zu den am rücksichtslosesten operierenden Unternehmen in ihrem Einsatz gegen Umweltgesetze. Jetzt zeigt der amerikanische Brausekonzern sein wahres Gesicht auch in Deutschland.“ Resch fordert die Verbraucher dazu auf, auf die zahlreich vorhandenen Mehrweg-Alternativen umzusteigen, die überwiegend von regionalen Abfüllern angeboten werden.

„Zu Schleuderpreisen bei Aldi“

Coca-Cola ist Marktführer im deutschen Erfrischungsgetränkesegment. Wenn das Unternehmen seine Mehrwegflaschen abschafft, wird dies nach Einschätzung der DUH zu einem deutlichen Rückgang der Mehrwegquote im Erfrischungsgetränkebereich führen. „Bundesumweltministerin Hendricks sollte sich ein Beispiel am ehemaligen Umweltminister Töpfer nehmen, der einen beschlossenen Mehrwegausstieg von Coca-Cola Ende der 80er Jahre mit einem konsequenten Handeln verhindern konnte“, erklärt Resch. Die DUH fordert, zusätzlich zum geltenden Einwegpfand, die Einführung einer Abgabe in Höhe von 20 Cent auf unökologische Einweg-Getränkeverpackungen und eine Regelung zur klaren Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg auf der Verpackung. Nur so kann das gesetzlich festgelegte Ziel von 80 Prozent ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen erreicht werden.

Coca-Cola  begründet seinen Teilausstieg aus dem Mehrwegsystem offiziell damit, dass wiederbefüllbare Flaschen in geringerem Maße von Kunden nachgefragt würden und nur noch eingeschränkt rentabel seien. „Coca-Cola setzt seine eigenen Getränke in Mehrwegflaschen unter Druck, indem das Unternehmen z.B. bei Aldi seine Cola zu Schleuderpreisen in Einweg verkaufen lässt“, erklärt der DUH-Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer. Er verweist darauf, dass auch beim Discounter Lidl demnächst Coca-Cola Einwegdosen erhältlich sein sollen.

Fischer kritisiert außerdem, dass Coca-Cola durch den Absatz von Getränken in Einwegverpackungen versuche, bei Discountern Marktanteile hinzuzugewinnen. Dabei nehme das Unternehmen weder Rücksicht auf den Umweltschutz, noch auf seine Mitarbeiter. Der Abbau des Mehrwegsystems führe zum Abbau von Arbeitsplätzen, da bei Abfüllung und Logistik von Mehrwegflaschen mehr Mitarbeiter benötigt werden als in Einwegbetrieben.

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