Marktbericht für Edelmetalle

Es war eine enttäuschende Woche für die Preisentwicklung der Edelmetalle: Gold musste Verluste hinnehmen, Silber ebenfalls und im Zuge dessen rutschte auch Platin ab. Nur Palladium hielt sich einigermaßen stabil. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Gold zieht Platin nach unten


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Eine vierte Woche in Folge hat Gold Verluste hinnehmen müssen und fiel in der Berichtsperiode mit einem Preis von 1.197 US-Dollar/oz auf den tiefsten Wert in 6 Wochen. Die Ergebnisse der Fed-Sitzung im Januar zeigten, dass man hinsichtlich einer Zinserhöhung in den USA zögerlicher ist als wohl angenommen. Während dies den USD belastete, profitierte das zinslose Gold von dieser Aussicht.

Aufgrund der Zuspitzung der Lage zwischen Griechenland und der EU erhielt Gold zusätzlich Aufwind. Das Metall glänzte im Zuge der schwierigen Diskussionen und der daran geknüpften Möglichkeit eines Grexits als Krisenwährung. Die Einigung der Finanzminister, die Hilfen für Griechenland für vier Monate zu verlängern, hat die Dinge vorerst entspannt und ließ Eurogold nach einem Anstieg auf knapp 1.075 Euro/oz um 20 Euro/oz auf 1.053 Euro/oz fallen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass in dieser Debatte noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Längerfristig positiv ist für Gold die Entscheidung der Reserve Bank of India, die Einfuhr- und Leihebestimmungen des Metalls durch Banken etwas zu lockern. Die Top-Handelshäuser dürfen nun Metal einführen, ohne dass die finale Verwendung vorab festgelegt sein muss. Die indische Handelsbilanz bleibt jedoch der Wegweiser für derartige Lockerungen oder neue Verschärfungen.

Ab Mitte der Woche kommt China nach den Neujahrsfeierlichkeiten zurück in den Markt und bringt entsprechende Kaufkraft mit. Bisher wurde die Schwelle von 1.200 US-Dollar/oz verteidigt und bildet weiterhin die erste Unterstützung, gefolgt von 1.170 US-Dollar/oz. Janet Yellens Rede vor dem Senate Banking Committee wird am Dienstag erneut Aufschluss auf die US-Konjunktur geben. Wir sehen sehr gute Nachfrage nach Kleinbarren sowie weiterhin erhöhtes Auskommen von Altgold.

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Gold: 16.02.-22.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.236,50 1.088,75 35,00
Tief 1.197,56 1.049,48 33,74

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Silber

Nach einem starken Jahresbeginn bewegt sich Silber seit Mitte Januar in einem Abwärtstrendkanal. So war auch die letzte Woche enttäuschend mit einer Performance von -6,3 Prozent.

Die Unterstützung aus dem Trendkanal ergibt sich nun bei zunächst 15,80 US-Dollar/oz. ETF Investoren hingegen nutzen das niedrigere Preisniveau zum Einstieg, so dass die Bestände sich wieder auf Jahreshöchstniveau befinden. Überraschend wurden die FOMC Minutes aufgefasst, da aus Ihnen eine eventuell spätere Zinserhöhung als bisher angekündigt gelesen werden konnte – begründet in disflationären Gefahren. Da der Markt allerdings an eine Zinserhöhung zur Mitte des Jahres (Juni/Juli) sowieso noch nicht richtig zu glauben vermag, war die Auswirkung auf die Metall- und Währungskurse gering.

Da das Problem um Griechenland nun wieder einmal auf spätere Zeiten verschoben wurde, liegt aber in genau jenen Zinserwartungen und US-Staatsanleiherenditen der Hauptbestimmungsfaktor für Silber- und Goldpreise in den nächsten Monaten. Wichtige Daten diese Woche sind u. a. aus den USA am Dienstag das Konsumentenvertrauen, sowie am Donnerstag Inflationszahlen, Arbeitslosenanträge und langlebige Wirtschaftsgüter. Aus China kommt am Mittwoch der Einkaufsmanagerindex (PMI).

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Silber: 16.02.-22.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 17,46 15,37 494,23
Tief 16,14 14,15 454,95

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Platin

Auch in der vergangenen Woche konnte sich Platin nicht erholen – ganz im Gegenteil: das Metall verlor weiterhin an Wert, nachdem es die Berichtswoche bei 1.205 US-Dollar/oz eröffnete. Zum Ende der Woche handelte das Metall nur noch bei 1.162 US-Dollar/oz.

Gleich zu Beginn der vergangenen Woche fiel Platin dabei auf ein Tief von 1.164 US-Dollar/oz. Dabei wurde wieder einmal deutlich, wie groß die Korrelation zwischen dem Platin- und dem Goldpreis ist. Hauptsächlich geriet Platin dabei ins Fahrwasser von Gold, welches durch das eher taubenhafte FOMC Protokoll ein großes Sell-Off erlitt.

Die Investmentseite sieht derzeit auch eher betrübt aus, da Investoren ETF Bestände abbauen (- 0,60 Prozent). Darüber hinaus nimmt derzeit auch die chinesische Platinnachfrage ab. An der Shanghai Gold Exchange werden derzeit rund 130 kg Platin pro Tag gehandelt, welches um über 30 Prozent niedriger ist als das tägliche Volumen, das täglich im Zeitraum von 2010 bis 2014 gesehen wurde.

Zu Gunsten von Platin meldete wiederum die europäische Automobilindustrie auch erneut positive Zahlen im Januar. So sind die Verkaufszahlen im Januar um 6,4 Prozent gestiegen im Vergleich zum selben Monat vor einem Jahr. Es sind dabei vor allem Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien, die im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum verzeichnen.

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Platin: 16.02.-22.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.222,50 1.072,56 34,48
Tief 1.151,40 1.013,05 32,57

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Palladium

Im Palladium zeichnet sich derzeit eine seitwärts gerichtete Bewegung ab. Das Metall handelt heute Morgen bei 777 US-Dollar/oz. Palladium bewegt sich bereits seit 5 Monaten in einer Handelsspanne zwischen 730 und 830 US-Dollar.

Die von uns berichtete Waffenruhe in der Ukraine wurde nun in der Zwischenzeit von weiteren Kämpfen im Osten der Ukraine gestört. Allerdings haben die jüngsten Ereignisse in der Krise den Preis nicht weiterhin beeinflusst.

Wir sehen Palladium weiterhin gut unterstützt und bleiben in unserer Aussicht für die Preisentwicklung eher bullish. Dabei sind es die guten Zahlen aus der globalen Automobilindustrie, die die Nachfrage nach Palladium in Autokatalysatoren nachhaltig unterstützt. Auf der Investmentseite sehen wir eine Reduktion in den ETF Beständen um 0,22 Prozent. Charttechnisch sehen wir die Unterstützung bei 782 US-Dollar und 777 US-Dollar sowie Widerstand bei 794 US-Dollar.

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Palladium: 16.02.-22.02.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 797,75 700,00 22,51
Tief 771,98 675,00 21,70

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Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium hat – nicht ganz unerwartet – einen kleinen Dämpfer erhalten, da sich die leicht positiven Anzeichen für steigende Kurse vor etwas mehr als 2 Wochen in keiner Weise erfüllt haben.

Käufer warten aktuell in Anbetracht der sehr guten Verfügbarkeit noch etwas ab und Verkäufer, die ursprünglich auf festere Kurse gesetzt hatten, sind zum Teil leicht nervös geworden und haben dementsprechend erste Mengen abgegeben. Auch wenn das Absorbieren von gewissen Mengen durch die Automobilindustrie weiter Bestand hat, ist im Markt doch etwas Unruhe zu spüren, was den Preis aktuell sicher deckelt, bzw. sogar weiter leicht unter Druck geraten lässt. Verkäufe kommen nach wie vor vermehrt von primären und sekundären Herstellern.

Im Ruthenium gibt es weder erwähnenswerte Vorkommnisse noch bedeutende Umsätze im Vergleich der letzten Wochen zu vermelden.

Bei Iridium haben wir nochmals einen leichten Preisanstieg erfahren, der den Trend der ersten Monate erneut bestätigt. Die aus vielen Industrien sehr breit gestreute Nachfrage hält nach wie vor an. Zu beachten bleiben in diesem Zusammenhang die elektrochemischen Anwender und die Medizinindustrie. Generell ist die physische Nachfrage aus Asien bedingt durch das „Chinese New Year“ erfahrungsgemäß in dieser Zeit so gut wie nicht vorhanden.Es bleibt zu hoffen, dass die Umsätze dementsprechend nächste Woche etwas anziehen und den Märkten, speziell bei den kleinen PGM, wieder zu etwas Leben verhelfen.

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16.02.-22.02.2015 Rhodium ($/oz) Iridum ($/oz) Ruhthenium ($/oz)
Hoch 1.135,00 530,00 48,00
Tief 1.205,00 610,00 58,00
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