Marktbericht für Edelmetalle

In der vergangenen Woche verlor Palladium weiter an Boden. Besonders die rückläufige Nachfrage aus der Automobilindustrie macht dem Metall zu schaffen. Auch Platin konnte sich dem Druck fallenden Commodity-Preise nicht widersetzen. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Palladium rutscht auf 5-Jahres-Tief ab


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold: Starke Kursschwankungen
Nach den signifikanten Verlusten der Vorwoche verbuchten die Aktienmärkte wieder teils deutliche Gewinne. Auch der Ölpreis konnte am Donnerstag mit einem Preisanstieg von über 10 Prozent so stark zulegen wie seit 2008 nicht mehr. Auslöser hierfür waren die Leitzinssenkung in China sowie überraschend positive Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa. Gold hingegen gehörte die meiste Zeit zu den Verlierern: Nachdem das Metall zu Wochenbeginn noch bei 1.168 US-Dollar/oz notierte, gab der Preis am Mittwoch bis auf 1.117 US-Dollar/oz nach, um die Woche bei 1.134 US-Dollar/oz zu beenden.

Im Fokus der Marktteilnehmer stehen nach wie vor die wirtschaftliche Situation in China und die Zinsentwicklung in den USA. Von der US-Fed gab es hierzu widersprüchliche Signale; während sich die heimische Konjunktur positiv entwickelte, schwächt sich das Wachstum in den Schwellenländern weiter ab. Im Markt wird immer stärker von einer Verschiebung der US-Leitzinserhöhung von September auf Dezember ausgegangen, was den Goldpreis zumindest kurzfristig unterstützen sollte.

Wir gehen daher nicht davon aus, dass das Metall in der nächsten Zeit unter 1.100 US-Dollar/oz fallen wird. Charttechnisch erhält Gold bei dieser Marke nach 1.117 US-Dollar/oz die nächste Unterstützung, Widerstand nach oben liegt um 1.148 US-Dollar/oz und 1.170 US-Dollar/oz. Nachdem der Euro seine Kursgewinne nicht halten konnte und von über 1,17 auf unter 1,12 zurückfiel, bedeutete dies für Gold zum Wochenschluss deutliche Kursgewinne in EUR: Der Preis steigt von 979 Euro/oz zur Wochenmitte bis auf 1.015 Euro/oz zum Wochenende.
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Gold: 24.08.-30.08.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.168,40 1.023,51 32,91
Tief 1.117,35 978,76 31,47

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Silber: Schwächstes Niveau seit 2009
Zum ersten Mal seit 6 Jahren fiel Silber am Mittwoch kurzfristig unter die Marke von 14 US-Dollar/oz, das Gold/Silber-Ratio stieg weiter bis auf 80. Gegen Ende der Woche konnte sich der Silber-Preis aufgrund soliderer Wirtschaftsdaten, anziehendem Ölpreis und steigenden Aktienmärkten zwar wieder leicht erholen, handelt aber weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Sorgen um eine Konjunkturschwäche in China und den Schwellenländern, insgesamt niedrige Ölpreise und die volatilen Aktienmärkte drücken auf die industrielle Nachfrage nach dem Metall. Dieser verhaltene Ausblick auf die Industrienachfrage scheint aktuell der Haupttreiber der Silber-Preisentwicklung zu sein, wobei darüber der Charakter als „safe-haven“ Investment in den Hintergrund rückt. Während Gold als „sicherer Hafen“ eher von einer späteren Leitzinserhöhung profitiert, bleibt Silber unter Druck.

Die physische Nachfrage konnte aufgrund des niedrigen Preislevels insbesondere gegen Mitte letzter Woche allerdings deutlich anziehen.
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Silber: 24.08.-30.08.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 15,45 13,58 436,65
Tief 13,93 12,23 393,34

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Platin: Stimmung bleibt gedämpft
Nach einer starken letzten Woche mit Preisen über 1.000 US-Dollar/oz konnte sich auch Platin dem Druck der fallenden Commodity-Preise nicht widersetzen. In einem weiterhin volatilen Markt konnte ein Anstieg auf über 1.035 US-Dollar/oz nicht erreicht werden und der Preis für das Metall fiel zur Wochenmitte auf unter 970 US-Dollar/oz.

Aufgrund der weiterhin angespannten Situation in Südafrika und dem latenten Risiko einer Angebotsverknappung gab Platin weniger stark nach als sein Schwestermetall Palladium. Trotz der Tatsache, dass im Markt negative Stimmung vorherrscht, konnte Platin gegen Ende der Woche erneut auf über 1.000 US-Dollar/oz klettern. Auf der anderen Seite könnte aber das Sechseinhalb-Jahrestief von 945 US-Dollar/oz in greifbare Nähe rücken. Auch bei fallenden Preisen blieb die Industrienachfrage schwach, was sich auch in den niedrigen Schwammprämien widerspiegelt.

Platin handelt seit mittlerweile 8 Monaten mit einem Abschlag zu Gold, dies ist bislang die längste zusammenhängende Periode, in der das Gold/Platin-Ratio permanent unter der Parität gehandelt hat.
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Platin: 24.08.-30.08.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.033,50 918,69 29,54
Tief 965,00 833,26 26,79

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Palladium: Wann ist der Boden erreicht?
Mit Preisen von unter 530 US-Dollar/oz sank Palladium vergangene Woche auf ein Fünfjahres-Tief. Das Metall konnte sich zwar zum Wochenende wieder bei knapp 590 US-Dollar/oz etablieren, die Stimmung insgesamt bleibt aber schlecht.

Palladium leidet besonders stark unter der sinkenden Nachfrage aus der Automobilindustrie. Nach unten korrigierte Absatzprognosen insbesondere in Märkten wie China, Russland und Brasilien, dominieren hier die Nachrichten. Gleichzeitig ist die Produktion wieder auf einem hohen Niveau angekommen. Die nächste Unterstützung für Palladium liegt um 500 US-Dollar/oz, ein Durchbrechen dieser Marke könnte eine weitere Abwärtsspirale in Gang setzen. Allerdings scheint dieses Szenario im Moment noch weit entfernt.

In EUR fiel der Preis kurzfristig auf unter 15 Euro/g, allerdings konnte selbst unterhalb dieser Schwelle kein verstärktes Kaufinteresse verzeichnet werden.
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Palladium: 24.08.-30.08.2015 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 607,50 534,00 17,17
Tief 518,00 455,00 14,63

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Rhodium, Ruthenium, Iridium: Rhodium erneut unter Druck
Im Zuge der nachgebenden Preise im Wochenverlauf musste auch Rhodium einen Kursverlust verzeichnen. Das allgemein schwache Sentiment geht auch an Rhodium nicht vorbei. Die Nachfrage bleibt zurückhaltend, hauptsächlich sind Investorenverkäufe sichtbar.

Für Ruthenium und Iridium verlief die Woche äußerst ruhig und ereignisarm. Wir beobachteten eine sehr geringe Marktaktivität und kaum erwähnenswerte Nachfrage nach beiden Metallen.
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24.08.-30.08.2015 Rhodium ($/oz) Iridum ($/oz) Ruthenium ($/oz)
Geld 750,00 35,00 435,00
Brief 850,00 43,00 535,00
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