Ungenutzte Biomasse
Aktuell wird vor allem über das Potenzial der getrennten Bioabfallsammlung diskutiert. Dabei gibt es eine Reihe biogener Rest- und Abfallstoffe, die bislang wenig beachtet wurden. Für diesen Mengenstrom besteht hohes Verwertungspotenzial, wie eine Studie zeigt.
Studie: Hohes Verwertungspotenzial bei biogenen Rest- und Abfallstoffen
Fast ein Drittel der biogenen Rest- und Abfallstoffe werden bislang nicht genutzt. Das ist das Ergebnis der Studie „Biomassepotenziale von Rest- und Abfallstoffen – Status Quo in Deutschland“, die das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) durchgeführt hat. Verwertungspotenzial bestehe vor allem bei Waldrestholz, Getreidestroh sowie Gülle und Mist.
In einem ersten Schritt haben die Forscher am DBFZ das theoretische Biomasse-Reststoffpotenzial festgestellt. Das liegt insgesamt bei 151,1 Millionen Tonnen Trockenmasse. Dabei entfällt der Großteil auf holz- und forstwirtschaftliche Reststoffe (43 Prozent) und auf Nebenprodukte aus der Landwirtschaft (30 Prozent). Weitere 12 Prozent entfallen auf Siedlungsabfälle, 9 Prozent auf industrielle Reststoffe und 6 Prozent auf Reststoffe von sonstigen Flächen.
Von den 151,1 Millionen Tonnen Trockenmasse können allerdings nur 98,4 Millionen Tonnen Trockenmasse technisch genutzt werden, wie es in der Studie heißt. Davon wiederum würden über zwei Drittel bereits verwertet. Unterm Strich bleiben also derzeit 30,9 Millionen Tonnen Trockenmasse (31,4 Prozent), die nicht genutzt werden.
Die 30,9 Millionen Tonnen wiederum werden laut Studie bestimmt von den drei Biomassen Waldrestholz (circa 11,9 Millionen Tonnen), Getreidestroh (8,5 Millionen Tonnen) und tierische Exkremente (circa 9,1 Millionen). Dazu kämen weitere 1,2 Millionen Tonnen Landschaftspflegeholz.
Wie biogene Reststoffe besser nutzen
Würden diese Biomassen energetisch verwertet, können rund 448 Petajoule Energie erzeugt werden, rechnen die Forscher vor. Damit würden theoretisch 3,2 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs abgedeckt. Der liegt momentan bei insgesamt 13.098 Petajoule.
Um das Biomassepotenzial tatsächlich zu nutzen, schlagen die Forscher nun vor, ein dauerhaftes Monitoringsystem aufzubauen. Daran anschließend seien nachhaltige und wirtschaftlich geeignete Prozessketten und Technologien zu entwickeln. Als wichtig erachten die Studienverfasser zudem, die Analyse unbekannter Biomassepotenziale, etwa von Landschaftspflegematerialien, sowie die Analyse des Altholzmarktes. Darüber hinaus sei es hilfreich, Mindeststandards bei der Berechnung von Biomassepotenzialen einzuführen und Kataster für biogene Reststoffe zu erstellen.
Insgesamt untersuchte das DBFZ in seiner Studie 93 so genannte Einzelbiomassen, darunter Holz- und forstwirtschaftliche Reststoffe, landwirtschaftliche Nebenprodukte und Siedlungsabfälle. Des Weiteren wurden industrielle Reststoffe betrachtet, etwa aus der Nahrungsmittelproduktion, Futtermittelproduktion, Tabakverarbeitung sowie der Chemie-/Pharma-/Hefeindustrie und der Biokraftstoffproduktion. Zudem erfassten die Forscher Reststoffe von sonstigen Flächen zum Beispiel aus der Landschaftspflege. Bei 77 Biomassen stand ausreichend Datenmaterial zur Verfügung.


