Marktbericht für Edelmetalle
Die Edelmetallpreise standen in der vergangenen Woche erneut unter Druck: Der Goldpreis fiel, ebenso der Silberpreis. Den Platin- und Palladiumpreisen fehlt unterdessen die Orientierung. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.
Goldpreis rutscht weiter ab
Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.
Gold: Kurs fällt unter 1.100 US-Dollar/oz
Am Freitag durchbrach der Preis seine Unterstützung und fiel bis auf 1.098 US-Dollar/oz, der tiefste Stand seit genau einem Monat. Belastend wirkten bereits in den Tagen zuvor die Erholung der Aktienmärkte in China, der sinkende Ölpreis und der zeitweise wieder erstarkte Dollar. Interessanterweise verlor der Goldpreis am Freitag genau dann an Boden, als auch der Dollar zu schwächeln begann.
Im Zentrum des Interesses steht weiterhin die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Donnerstag. Konsensmeinung ist, dass die Leitzinsen unverändert bleiben, dennoch erwarten die Marktteilnehmer Hinweise über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung seit zehn Jahren. Im Zuge fallender Preise verzeichneten die ETFs deutlich Abflüsse. Allein am Donnerstag reduzierte sich der Bestand des größten Gold-ETF, SPDR Gold Trust, um 4,2 t, was dem höchsten Tagesabfluss sein Ende Juli entspricht. Nach einem Anstieg um 19 t im Juli hat China seine Goldreserven im August um weitere 16 t erhöht. Auch wenn die Goldkäufe nicht den allgemein erwarteten Umfang haben, setzt die chinesische Zentralbank mit ihren kontinuierlichen Käufen ein positives Zeichen für das Edelmetall.
Unterdessen leiden insbesondere die südafrikanischen Produzenten unter dem Rückgang des Goldpreises. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge fahren die vier größten Minenbetreiber mit dem aktuellen Preis bei 35 Prozent ihrer Produktion einen Verlust ein. Steigende Energiekosten und Minenarbeiter, die mit Streiks drohen, sollten sich ihre Gehälter nicht verdoppeln, lassen den Druck weiter steigen. Südafrika, vor acht Jahren noch das größte goldproduzierende Land, liegt nun nur noch auf Rang 6.
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| Gold: 07.09.-13.09.2015 | Dollar/oz | Euro/oz | Euro/g |
| Hoch | 1.129,80 | 1.010,06 | 32,47 |
| Tief | 1.101,11 | 970,74 | 31,21 |
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Silber: Talfahrt im Schatten von Gold
Auch für die weitere Entwicklung des Silberpreises liegt der Fokus auf dem Ausgang der US-Notenbank-Sitzung am kommenden Donnerstag. In der vergangenen Woche handelte das Metall mit einer überschaubaren Volatilität in einer Spanne von 14,78 US-Dollar/oz bis 14,52 US-Dollar/oz, um am Freitag die Unterstützung von 14,45 US-Dollar/oz nach unten zu durchbrechen.
Damit handelt Silber so tief wie zuletzt gegen Ende August und hat sich von einer nachhaltigen Erholung mit Preisen über 15 US-Dollar/oz vorerst wieder verabschiedet. Aufgrund des ebenfalls nachgebenden Goldkurses hat das Gold/Silber-Ratio das Niveau der Vorwoche gehalten und liegt weiterhin um 76.
Ein positiver Effekt des niedrigen Preisniveaus war auf der industriellen Nachfrageseite zu verzeichnen: Hier konnte in der zweiten Wochenhälfte wieder erstarktes Kaufinteresse beobachtet werden.
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| Silber: 07.09.-13.09.2015 | Dollar/oz | Euro/oz | Euro/g |
| Hoch | 15,00 | 13,43 | 431,90 |
| Tief | 14,25 | 12,60 | 405,15 |
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Platin: Nachfrage weiterhin verhalten
Nach einem Wochenstart mit wenig Liquidität (Feiertag in den USA am 7. September) fiel Platin wieder unter die Marke von 1.000 US-Dollar/oz. Hauptgrund hierfür waren Gewinnmitnahmen bzw. die Liquidation von Long-Positionen.
Die Handelsspanne liegt aktuell zwischen 960 US-Dollar/oz bis 1.000 US-Dollar/oz, eine Bewegung über 1.025 US-Dollar/oz scheint aufgrund der weiterhin schwachen Nachfragesituation eher unwahrscheinlich. Die nächste Unterstützung findet Platin bei 945 US-Dollar/oz. Bei einem Preis unter 1.000 US-Dollar/oz bildete sich vereinzelt Kaufinteresse, welches dem Metall allerdings keinen nachhaltigen Antrieb geben konnte. Der Beginn der Platinwoche in New York liegt vor uns, was zu ebenfalls verhaltenen Preisbewegungen in der kommenden Woche führen könnte.
Anglo American Platinum bestätigte vergangene Woche die Veräußerung von 3 Minen und dazugehöriger Infrastruktur in Rustenburg. Käufer ist Südafrikas größter Goldproduzent, Sibanye Gold Mining, der durch diese Akquisition nun auch in die PGM-Produktion einsteigt. Ob Sibanye das selbst gesteckte Ziel erreichen wird, an die Ausbringungslevel von 2013 anzuknüpfen, bleibt indes abzuwarten.
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| Platin: 07.09.-13.09.2015 | Dollar/oz | Euro/oz | Euro/g |
| Hoch | 1.015,50 | 908,16 | 29,20 |
| Tief | 953,00 | 843,36 | 27,11 |
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Palladium: Ohne erkennbaren Trend
Palladium vollzog letzte Woche eine Seitwärtsbewegung und handelte in einer Spanne von 574 US-Dollar/oz bis 598,50 US-Dollar/oz. Die 600 US-Dollar/oz-Marke scheint einen starken Widerstand zu bilden. Solange das Metall über 570 US-Dollar/oz handelt, ist diese Marke zumindest weiterhin im Blick. Unterstützung liegt aktuell bei 572 US-Dollar/oz.
Der chinesische Herstellerverband CAAM meldete im August erneut einen Absatzrückgang der Automobilverkäufe um 3,4 Prozent auf 1,42 Millionen Fahrzeuge (Verkäufe an Handel). Währenddessen berichtete der Branchenverband PAC zwar von einem leichten Plus im Vergleich zum Vormonat (Verkäufe an Endkunden), allerdings dürfte dies kaum positiven Effekt auf die Gesamtstimmung haben. Presseberichten zufolge hat nun auch der größte chinesische Autohersteller SAIC Motor das Wachstum für den heimischen Automobilmarkt 2015 von ursprünglich 7 Prozent auf nun 0 Prozent korrigiert.
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| Palladium: 07.09.-13.09.2015 | Dollar/oz | Euro/oz | Euro/g |
| Hoch | 601,52 | 539,00 | 17,33 |
| Tief | 570,33 | 507,00 | 16,30 |
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Rhodium, Ruthenium, Iridium: Rhodium gibt weiter nach
Im Zuge der allgemein nachgebenden Preise verlor auch Rhodium erneut an Wert. Trotz des tieferen Preisniveaus bleibt die Nachfrage seitens der Industrie verhältnismäßig gering. Der Handel bleibt ruhig, es sind wenige Transaktionen zu beobachten.
Bei Ruthenium konnten wir eine leicht gestiegene Nachfrage beobachten. Aufgrund der sehr guten Marktverfügbarkeit sehen wir allerdings keine Anzeichen auf festere Preise in der nahen Zukunft.
Nachdem wir im letzten Bericht noch eine leicht anziehende Nachfrage bei Iridium verzeichnen konnten, zeigte sich die vergangene Woche relativ ereignisarm. Die Nachfrage bewegte sich auf kaum erwähnenswerten Niveau und der Preis blieb konstant.
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| 07.09.-13.09.2015 | Rhodium ($/oz) | Iridum ($/oz) | Ruthenium ($/oz) |
| Geld | 715,00 | 37,00 | 450,00 |
| Brief | 815,00 | 45,00 | 550,00 |




