Reißfest und flüssigkeitsdicht
Ein neuer biologisch abbaubarer Abfallbeutel soll sich gut für die hygienische Sammlung flüssiger Bioabfälle eignen. Der Hersteller verspricht eine vollständige Zersetzung. Eine Biogasanlage hat den Beutel getestet.
Neuer Bio-Abfallbeutel verspricht schnelle Zersetzung
Bei kommunalen Entsorgern und den Betreibern von Bioabfallanlagen treffen kompostierbare Bioabfallsäcke häufig auf wenig Sympathie. Sie befürchten, dass die Säcke nicht vollständig abgebaut werden und darüber hinaus den Kompost verunreinigen. Ein neuer kompostierbarer Bio-Abfallbeutel will mit diesen Vorurteilen aufräumen.
Entwickelt wurde der Bio-Abfallbeutel von der Victorgroup, einem der deutschlandweit größten Produzenten von kompostierbaren Tragetaschen. Die Entwicklung erfolgte gemäß der Vorgaben des Entsorgungsbetriebes AHE in Witten. „Entsprechend dieser Vorgaben haben wir einen biologisch abbaubaren Abfallbeutel entwickelt, der reißfest und flüssigkeitsdicht ist, sodass die Bioabfälle im Haushalt hygienisch gesammelt werden können“, erklärt Ursula Weck, Geschäftsführerin der Victorgroup.
Grundstoff dieser Abfallbeutel ist der von BASF entwickelte Biokunststoff namens Ecovio. Der biobasierte Rohstoff basiert zum einen auf dem BASF-Kunststoff Ecoflex. Dieser ist nach Angaben des Chemiekonzerns ein bioabbaubarer und kompostierbarer Kunststoff auf Erdölbasis. Die zweite Zutat ist industrielle Maisstärke. Die aus dem Mais gewonnene Stärke wird fermentiert. Hieraus entsteht der biobasierte Kunststoff Polylactid (PLA), auch als Polymilchsäure bekannt.
Aus PLA und dem Kunststoff Ecoflex wird der Rohstoff Ecovio hergestellt. Schon heute bestehe das Produkt zu über 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, in den kommenden Jahren soll der Erdölanteil kontinuierlich weiter gesenkt werden.
Restlose Entsorgung im Kombiprozess
„Die stabilen Bio-Abfallbeutel der Victorgroup bieten den Verbrauchern einen großen Anreiz gerade zum Sammeln wertvoller flüssiger Bioabfälle, die sich besonders gut vergären und später im Blockheizkraftwerk in Strom umwandeln lassen“, sagt Heike Heinzkill, zuständig für den kommunalen Vertrieb des Entsorgers AHE. „Aus hygienischen Gründen landeten Essensreste wie Suppen sonst nämlich schnell in der Kanalisation.“
Aber wie ist es um die Zersetzung und Kompostierbarkeit dieser stabilen Biobeutel bestellt? Das hat AHE in seiner Biogasanlage in Witten ausgiebig getestet. Dort wird seit 2013 der gesamte Biomüll des Ennepe-Ruhr-Kreises zu Biogas (Methan) vergoren. Aus den 25.000 Tonnen Abfall wird der jährliche Strom für 2.000 Haushalte der Region gewonnen.
„Per Gesetz darf sich ja alles kompostierbar nennen, was nach der DIN-Norm EN 13432 in 180 Tagen zersetzt ist“, sagt Elisabeth Henne, zuständig für die Abfallberatung im Ennepe-Ruhr-Kreis. Doch derart lange Kompostierzeiten seien völlig unrealistisch, da unwirtschaftlich für die Entsorgungsbetriebe. „Die Bio-Abfallbeutel hingegen zersetzen sich rasant schnell“, berichtet Henne.
Nach gerade einmal 28 Tagen in der Wittener Vergärungsanlage hat sich der Beutel demnach in den meisten Fällen schon vollständig aufgelöst. In der Nachrotte, die ein bis zwei Wochen dauere und in der hochwertiger Kompost für die regionale Landwirtschaft produziert wird, würden etwaige Rückstände des Bio-Abfallbeutels restlos kompostiert.


