BIR-Herbsttagung in Prag
Chinas schwächelnde Konjunktur würde es nicht vermuten lassen, aber das Land importiert in diesem Jahr deutlich mehr Gebrauchtfasern. Auch aus Europa. Dadurch kann Europa gegenüber Nordamerika wieder Boden gut machen.
China importiert mehr Altpapier
Die Nachrichten, die derzeit aus China kommen, sind alles andere als erfreulich. Auch für die Altpapierbranche nicht. Die Konjunktur in der Volksrepublik schwächelt, die inländische Altpapiersammlung nimmt stark zu und verschärfte Umweltkontrollen führen dazu, dass immer mehr kleine Papierfabriken schließen müssen. Das alles sollte eigentlich die Nachfrage nach ausländischem Altpapier dämpfen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Denn in den ersten acht Monaten dieses Jahres sind die Importe im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „China hat von Januar bis August über 19,240 Millionen Tonnen Gebrauchtfasern eingeführt“, berichtete Ranjit Baxi gestern bei der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Prag. Im Vorjahresvergleichszeitraum importierte China etwas mehr als 18,607 Millionen Tonnen.

Griechenlands Exportsteigerung toppt alles
Beinahe alle EU-Staaten, die Altpapier nach China liefern, konnten von dieser Entwicklung profitieren. Einzige Ausnahme ist Portugal. Das Land verzeichnet einen drastischen Rückgang der Exporte um 28,85 Prozent auf 23.253 Tonnen.
Mit Abstand am meisten Altpapier hat Großbritannien nach China ausgeführt. Mit 2,495 Millionen Tonnen habe Großbritannien 10,42 Prozent mehr Gebrauchtfasern exportiert als 2014 (2,259 Millionen Tonnen), sagte Baxi. Auf dem zweiten Platz liegen die Niederlande mit 873.040 Tonnen. Das sind 8,57 Prozent mehr als 2014 (804.139 Tonnen). Italien steht an dritter Stelle mit 743.480 Tonnen, das entspricht einem Plus von 21,98 Prozent.
Ebenfalls stark gestiegen sind die Ausfuhren aus Frankreich (plus 25,12 Prozent auf 361.923 Tonnen), Norwegen (plus 36,28 Prozent auf 32.899 Tonnen) und Spanien (plus 44 Prozent auf 479.870 Tonnen). Die Exportzahlen Griechenlands stellen allerdings alles in den Schatten. Laut Baxi hat das Land in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast doppelt so viel Altpapier nach China exportiert als im Vorjahresvergleichszeitraum. Genauer gesagt sind die Exporte um 81,98 Prozent auf 100.247 Tonnen gestiegen.
Im Vergleich dazu ist die Steigerung der deutschen Altpapierexporte recht moderat ausgefallen. Diese seien um 2,02 Prozent auf 192.375 Tonnen (2014: 188.564 Tonnen) gestiegen, wie Baxi erklärte.
Positive Prognose für das Gesamtjahr
Auch was das Gesamtjahr angeht, fällt die Prognose des Altpapierexperten Baxi positiv aus: „China wird in diesem Jahr schätzungsweise über 28,860 Millionen Tonnen Gebrauchtfasern importieren.“ Das sind annähernd 1,5 Millionen Tonnen mehr als im vergangenen Jahr (27,362 Millionen Tonnen). Das bedeutet, dass der Rückgang bei den Importen im vierten Quartal nicht übermäßig stark ausfallen wird.
Tritt Baxis Prognose ein, werden auch die Importzahlen von 2011 übertroffen. In dem Jahr hatte China 27,280 Millionen Tonnen Gebrauchtfasern eingeführt. An die beiden guten Jahre 2013 und 2012 kann China allerdings nicht anknüpfen. Damals lagen die Importe bei über 31,649 Millionen Tonnen, respektive über 30,078 Millionen Tonnen.
Trotz aller widrigen Umstände wird sich der Altpapierbedarf Chinas in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht dramatisch verschlechtern. Die chinesische Konjunktur schwächelt zwar deutlich und hinterlässt Spuren auf den weltweiten Finanzmärkten und beim Wirtschaftswachstum der westlichen Industriestaaten. „Aber von einem Konjunkturkollaps kann man nicht sprechen“, betonte Baxi bei seinem Vortrag. „Chinas Wirtschaft wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 6,9 Prozent und immerhin noch um 6,4 Prozent im kommenden Jahr – das ist mehr als in den meisten westlichen Industrieländern.“ Daher geht Baxi von einer anhaltenden Altpapiernachfrage Chinas aus.







