Bilanz für 2015
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland stagniert. Aller Voraussicht nach wird das auch im kommenden Jahr so bleiben. Die Exporte in Schlüsselländer sind rückläufig.
Nullwachstum für Maschinenbauer
Die gute Nachricht kommt vom Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieuren lag im dritten Quartal 2015 bei 2,2 Prozent – und damit auf Vollbeschäftigungsniveau. Seit der Wiedervereinigung sei die Beschäftigung von Ingenieuren nicht mehr so gut gewesen wie aktuelle, berichtet der Verband Deutscher Ingenieure (VDI).
Die weniger gute Nachricht ist, dass dieser Trend sich nicht fortsetzen dürfte. Nach Schätzungen des Branchenverbands VDMA werden die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland das Jahr 2015 zwar auf einem hohen Niveau, aber mit einem Nullwachstum abschließen. In den ersten zehn Monaten sei die reale Produktion von Maschinen und Anlagen um 0,5 Prozent gesunken.
Auch für das kommende Jahr erwartet der Verband kein reales Wachstum in der Maschinenbauindustrie. Angesichts vieler aktueller Krisenherde im Ausland und der Investitionszurückhaltung im Inland wertet der VDMA dies durchaus als Erfolg, erklärte VDMA-Präsident Reinhold Festge bei der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt.
China, Iran und Russland im Fokus
Vor allem die drei Schlüsselländer China, Iran und Russland stehen im Fokus des VDMA. Zwar konnten die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland ihre Exporte insgesamt in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 0,8 Prozent auf 116 Milliarden Euro steigern. Doch für China erwartet der Verband in diesem Jahr einen Rückgang der Ausfuhren um 5 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro.
Für Iran kündigte Festge an, die traditionell guten Geschäftsbeziehungen wieder aufleben zu lassen, sobald die Sanktionen nach dem „Implementation Day“ gelockert werden. Für eine solche Belebung der Geschäfte muss die Bundesregierung nach Ansicht des VDMA allerdings die Personalstärke in der für Ausfuhren zuständigen Behörde Bafa erhöhen. „Die Behörde ist nach unseren Eindrücken schon heute überlastet“, mahnte Festge. Von den Banken erwartet der Verband, dass sie ihre restriktive Geschäftspolitik bei Zahlungen mit Iran-Bezug nun rasch ändern. Der VDMA werde seine Mitglieder vor Ort mit der Gründung eines VDMA-Büros in Teheran in der ersten Jahreshälfte 2016 unterstützen.
Das Geschäft mit Russland ist im abgelaufenen Jahr kräftig um 27 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro gesunken, allerdings konnten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihren Marktanteil halten und bleiben wichtigster Technologielieferant. Die Konkurrenz aus China dagegen hat Marktanteile verloren. „Wir akzeptieren selbstverständlich das Primat der Politik. Aber wir wünschen uns mehr Bemühungen seitens der Politik, die Sanktionen schrittweise wieder aufzuheben“, sagte der VDMA-Präsident.
Beschäftigung leicht gesteigert
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland ist auch 2015 der größte industrielle Arbeitgeber des Landes geblieben. Seit Beginn des Jahres wurden hierzulande nochmals mehr als 10.000 Menschen zusätzlich eingestellt. Im September beschäftigte die Maschinenbauindustrie in Deutschland damit 1,019 Millionen Menschen – 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr.






