Neuer Report

Europa wird von der Kreislaufwirtschaft profitieren, lautet die Botschaft eines neuen Reports. Die Industrie teste bereits neue Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft. Betroffen sind davon auch Anbieter traditioneller Abfallwirtschaftssysteme.

Umstellung auf Kreislaufwirtschaft wird Folgen haben


Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat den neuen Report „Circular economy in Europe – Developing the knowledge base“ veröffentlicht. Beleuchtet werden darin die Chancen und Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft in den europäischen Mitgliedstaaten. Dabei kommt der Bericht zu dem Schluss, dass der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in Europa beträchtliche Vorteile haben kann.

Genannt werden unter anderem eine geringere Umweltbelastung und eine abnehmende Abhängigkeit von Importen. Davon profitiere die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, denn der wachsende globale Wettbewerb um natürliche Ressourcen habe zuletzt zu deutlichen Preissteigerungen- und Schwankungen geführt. Kreislaufwirtschafts-Strategien könnten auch zu erheblichen Kosteneinsparungen führen und Arbeitsplätze schaffen.

Nicht alle werden profitieren

Gleichzeitig seien Reibungen zwischen dem bisher vorhandenen linearen Abfallwirtschaftssystem und den neuen kreislauffähigen Ansätzen vorprogrammiert. Wie bei allen Transformationsprozessen werden nicht alle von der Umstellung profitieren. Einige Branchen, Unternehmen, Regionen und gesellschaftliche Gruppen würden sehr wahrscheinlich verlieren und die Umstellung als Bedrohung wahrnehmen, während andere profitieren.

So könnten Arbeitsplätze in der Industrie zur Herstellung von Neuware oder minderwertiger Verbraucherware verloren gehen. Wie gut die Vorteile der Kreislaufwirtschaft genutzt werden können, hänge auch davon ab, wie schnell und ausreichend Kenntnisse und Ausbildung für die Kreislaufwirtschaft entwickelt und verbreitet werden. Hier sei die Politik gefragt, um diese Effekte zu managen und Strategien zu entwickeln.

Beispiele für eine kreislauffähige Wirtschaft existieren bereits heute, schreiben die Autoren des Berichts. Es gebe bereits Unternehmen, die mit service- und funktionsbasierten Geschäftsmodellen Erfolge hätten. So zum Beispiel Xerox, ein Hersteller von Kopiergeräten: 2010 entschloss sich das Unternehmen, seinen Kunden das Leasing von Druck- und Kopiermaschinen anzubieten. Die Zahlung erfolgt pro Druck oder Kopie – wobei die Wartungskosten pro Klick inklusive sind. Dieses „Managed Print Services-Geschäftsmodell“ sei so erfolgreich, dass bereits fast 50 Prozent des Umsatz des Unternehmens darauf entfielen.

Auch im Bereich des „kollaborativen Konsums“, also Teilen, Tauschen, Mieten und Schenken von materiellen und immateriellen Ressourcen, würden immer mehr Unternehmen experimentieren. Dieser Trend werde flankiert von Bemühungen verschiedener Regierungen, die Bereiche Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Reparatur zu fördern.

Noch zusätzlicher Informationsbedarf

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft erfordere jedoch eine erhebliche Erweiterung der Wissensgrundlage, um die Fortschritte aufzuzeichnen und festzustellen, wo noch mehr getan werden muss, um Veränderungen zu erreichen, schreiben die Autoren des Reports. Zwar gebe es bereits einige Indikatoren, wie Abfallmengen oder Recyclingraten. Dennoch würden deutlich mehr Informationen benötigt, um ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen kombiniert zu betrachten und qualifizierte Entscheidungen zu ermöglichen. Dazu würden bessere Einblicke in Produktionsstrukturen, Finanz- und Steuermechanismen sowie Anreize für technologische und soziale Innovationen benötigt.

Der vorliegende Report ist der Auftakt einer Serie von Kreislaufwirtschafts-Berichten, mit denen die EEA diese Wissenslücken schließen will. Die Serie richtet sich vor allem an die politischen Entscheidungsträger in der EU und der nationalen Ebenen, aber auch an Unternehmen und die Gesellschaft.

 

320°/db
Mehr zum Thema
„Wer Kreislaufwirtschaft möchte, muss diese auch kaufen“
Industriestrompreis: BDE legt Gutachten zur CISAF-Aufnahme vor
Recyclingverbände warnen vor Stopp der Abfallverbringung
Reiche setzt auf Biomethan aus der Ukraine
Irland will Zirkularitätsrate bis 2030 versechsfachen
EU-Altfahrzeugverordnung passiert die Ausschüsse
Potsdam stimmt über Verpackungssteuer ab
Hamburg will Schiffsrecycling-Standort werden