Marktbericht für Januar

Gut möglich, dass die Talfahrt der Edelstahlschrott-Preise beendet ist. Seit Ende des vergangenen Jahres sind die Preise für Edelstahlschrott nicht weiter gefallen. Ein Überblick über den internationalen Markt.

Edelstahl-Schrottpreise: Talsohle erreicht?


In Zusammenarbeit mit Recycling International  Ri-logo-rgb

Die Preise für Edelstahlschrott am internationalen Markt haben im Januar ihr Niveau gehalten. So reicht die Preisspanne für die Sorte 304 unverändert von 890 bis 940 US-Dollar je Tonne. Auch die Preise für Sorte 316 blieben unverändert und erzielten zwischen 1.200 und 1.250 US-Dollar frei Lagerplatz Händler. Trotz der Tatsache, dass Stahlschrottpreise weiterhin niedrig sind, erreichen die Preise für Chromschrott weiterhin 200 bis 240 US-Dollar pro Tonne für die Sorte 409. Für die Sorte 430 wurden zwischen 300 und 340 US-Dollar erzielt.

Marktteilnehmer berichten jedoch, dass derzeit nur wenig Material zur Verfügung steht. Viele gehen davon aus, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, weil ein großer Teil der Produktion im Ausland landet. Die niedrigen Preise für Nickel und Chrom sowie die relativ niedrigen Energiepreise ermöglichen es Edelstahlproduzenten, in ihren Werken weniger Schrott und mehr Primärmetalle einzusetzen.

Nickelpreis unter Druck

In den ersten Tagen des neuen Jahres ging es für die Nickelpreise abermals nach unten. Als Gründe nennen Marktbeobachter die anhaltende Schwäche der chinesischen Wirtschaft und einen stärker werdenden US-Dollar. Auch in der zweiten Kalenderwoche änderte sich der Nickelpreis kaum und notierte bei etwa 8.400 US-Dollar pro Tonne. In den Wochen danach folgte ein weiterer Absturz, der den Nickelpreis Anfang Februar kurzzeitig unter die 8.000er Marke schickte. Aktuell notiert der Dreimonatspreis bei 8.270 US-Dollar je Tonne.

Bei Chrom prognostizieren Marktexperten für das laufende Quartal eine weitere Preissenkung. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Heinz H. Pariser belief sich die südafrikanische Ferrochromerzeugung in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres auf 3,107 Millionen Tonnen – ein Rückgang von 2,3 Prozent verglichen mit den Monaten Januar bis September 2014. Die EU-Importe von Charge/HC Ferrochrom fielen im gleichen Zeitraum um 15,8 Prozent auf 1,096 Millionen Tonnen.

Die EU-Importe von Edelstahlschrott aus Drittländern erreichten in den ersten neun Monaten 2015 353.430 Tonnen, das entspricht einem Zuwachs von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In die umgekehrte Richtung stiegen die EU-Exporte in Drittländer im selben Zeitraum um 9,5 Prozent auf 257.968 Tonnen.

Gedämpfte Nachfrage nach Nickelschrott

Am europäischen Markt für Nickelschrott erzielte V2A im Januar knapp 900 US-Dollar je Tonne, während V4A etwa bei 1.200 Dollar lag. Die Schrottsorte INOX 18/8 erzielte etwa 1.092 Dollar pro Tonne, INOX 316 lag bei 1.392 US-Dollar. Die Nachfrage bei den größten Verbrauchern – nämlich der Stahlindustrie – zeigte sich in den ersten Wochen des neuen Jahres weiterhin gedämpft. Kostengünstige Edelstahlsorten aus Asien belasten weiterhin den europäischen Markt und machen den lokalen Stahlerzeugern das Leben schwer.

statistic_id368064_edelstahl---produktion-in-china-bis-2014 (1)In China nahmen Händler vor den Feiertagen zum Chinesischen Neujahr eine aggressive Verkaufsposition ein, während die Edelstahlwerke schon Rabatte einräumten, um ihre Fertigstahlbestände vor den Feiertagen abzubauen. Die Werkspreise in anderen Teilen Asiens sind weiter unter Druck, nicht nur, weil sie noch vor den Feiertagen verkaufen mussten, sondern auch wegen der allgemein schwachen Nachfrage.

Weltweit erzeugten Edelstahlwerke in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 31,28 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Mehr als die Hälfte wurde in China erzeugt, das seine Produktionsleistung um 0,7 Prozent auf 16,13 Millionen Tonnen erhöht hat. Wie das International Stainless Steel Forum meldet, fiel die Produktion im Rest von Asien im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent auf 7,069 Millionen Tonnen.

In Nordamerika haben fallende Nickel- und Chrompreise den Schrottmarkt noch stärker unter Druck gesetzt. Die Materialströme sind dadurch deutlich schwächer geworden. Die Preise für Edelstahlprodukte bleiben unter Druck und der starke US-Dollar hat die Verkaufsaussichten der Stahlwerke nicht verbessert. Nach den neuesten Zahlen des International Stainless Steel Forum ist die Produktion der Edelstahlwerke zwischen Januar und September 2015 um 2,3 Prozent auf 2,146 Millionen Tonnen gestiegen.

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