Sanierung von Bohrschlammgruben
Nach Recherchen von NDR und WDR steht die Erdöl- und Gasindustrie vor einem gewaltigen Entsorgungsproblem: Sie muss in den kommenden Jahren große Mengen an Bohrschlamm entsorgen. Die ölhaltigen Rückstände sind unter anderem mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen belastet.
NDR: Öl- und Gasindustrie steht vor Entsorgungsproblem
Die Erdöl- und Erdgasindustrie in Deutschland steht angeblich vor einem großem Entsorgungsproblem: Nach Recherchen von NDR und WDR fielen in den vergangenen zehn Jahren allein bei der Sanierung von drei sogenannten Bohrschlammgruben in Niedersachsen rund 720.000 Tonnen Giftmüll an. Die Bohrrückstände stammen aus mehreren Jahrzehnten, in denen die Schlämme ohne besondere Sicherung direkt an den Bohrplätzen vergraben wurden.
Allein in Niedersachsen gibt es nach Angaben des Landesumweltministeriums mindestens 519 sogenannte Verdachtsflächen. In ganz Deutschland werden nach Recherchen von NDR und WDR mehr als 1.400 Bohrschlammgruben vermutet. Außer Niedersachsen seien auch die Bundesländer Brandenburg (400 Gruben), Mecklenburg-Vorpommern (345) und Bayern (170) betroffen.
Bohrschlämme gelten heute als Sonderabfall. Die ölhaltigen Rückstände sind oft mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen sowie radioaktiven Partikeln wie Radium 226 belastet. Die „wilden“ Alt-Deponien drohen nun Böden und Grundwasser zu kontaminieren, wie NDR und WDR berichten.
Sicherheitsrisiken beim Transport
Da Niedersachsen seit 2005 über keine geeigneten Deponien verfügt, seien die Schlämme in andere Bundesländer gebracht worden. Ungefähr die Hälfte (335.000 Tonnen) sei von Remondis nach NRW auf die Sonderabfalldeponie Hürth-Knapsack in der Nähe von Köln gebracht worden. Weitere 260.000 Tonnen gingen nach Rheinland-Pfalz. In 40 weiteren von den Behörden erfassten Gruben befänden sich noch einmal fast zwei Millionen Kubikmeter giftiger Bohrschlämme.
Allein der Transport dieser Mengen berge erhebliche Sicherheitsrisiken. Nach Recherchen von NDR und WDR wurden bei ähnlichen Sanierungsvorhaben teils ungeeignete Fahrzeuge eingesetzt, wodurch es zu gefährlichen Zwischenfällen kam. Eine an den Transporten beteiligte Fahrerin berichtet von einer mutmaßlichen Quecksilbervergiftung, die sie sich bei der regelmäßigen Reinigung der Fahrzeuge zugezogen habe.
Ende vergangenen Jahres einigten sich die Industrie und das niedersächsische Umweltministerium auf ein umfassendes Programm, mit dem Standorte und Sanierungsbedarf der alten Bohrschlammgruben erfasst werden sollen.
Die Sendung zu diesem Thema wird heute Abend um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen ausgestrahlt.