Marktbericht für Edelmetalle
Die Geldpolitik der EZB verleiht dem Goldpreis weiteren Aufschwung. Auch Silber konnte deutlich zulegen. Platin erreichte einen neuen Höchststand. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.
Gold profitiert von Zentralbankpolitik
Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.
Neues Jahreshoch für Gold
Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen der EZB-Sitzung. EZB-Präsident Mario Draghi überraschte abermals mit einem ganzen Bündel an geldpolitischen Maßnahmen: Das Anleihekaufprogramm (quantitative easing) wird von monatlich 60 Milliarden Euro auf „nur“ 80 Milliarden Euro ausgeweitet – erwartet wurde eine deutlich schwächere Aufstockung auf 70 bis 75 Milliarden. Zudem werden nun auch Unternehmensanleihen guter Bonität (investment grade) aufgekauft. Der Leitzins wurde gänzlich auf 0,00 Prozent sowie der Einlagensatz weiter auf -0,40 Prozent gesenkt.
Im Rahmen des neuen TLTRO (targeted longer-term refinancing operations) haben Banken jetzt wieder die Möglichkeit, über 4 Jahre Geld zu 0 Prozent zu leihen. Die anfängliche Euphorie an den Märkten wich schnell der Ernüchterung: Zumindest zinsseitig ist die EZB mehr oder weniger am Ende der Fahnenstange angekommen, da der Zinssatz nicht beliebig tief negativ gesetzt werden kann.
Gold profitiert weiter von einer solch extrem expansiven Zentralbankpolitik. Das Metall setzte seinen Anfang des Jahres begonnenen Aufwärtstrend fort und markierte mit 1.282,50 US-Dollar/oz ein neues Jahreshoch. Ziel ist jetzt die psychologische Marke von 1.300 US-Dollar/oz, darüber hinaus rückt auch das Hoch von 2015 bei 1.306 US-Dollar/oz wieder in greifbare Nähe.
Silber wertet weiter gegen Gold auf
Analog zu Gold konnte auch Silber von dem expansiven geldpolitischen Maßnahmenpaket der EZB am Donnerstag profitieren. Im Verhältnis zu Gold konnte Silber weiter aufschließen, das Gold-Silber Ratio verbesserte sich weiter leicht. Auf Wochensicht bleibt das Metall allerdings nahezu unverändert.
Bei Levels um 15,70 US-Dollar/oz besteht starker Widerstand, da es sich um das obere Ende des seit einem Jahr bestehenden Abwärtstrendkanals handelt. Unterstützung dürfte beim 30-Tage Schnitt von 15,20 US-Dollar/oz liegen. Auch letzte Woche wurden ETF-Bestände weiter aufgebaut. Nach dem massiven Aufstocken in der Vorwoche erreichten die Zuflüsse allerdings ein weitaus niedrigeres Niveau.
Diese Woche wird der Zinsentscheid und -ausblick der US-Notenbank Federal Reserve am Mittwochabend maßgeblicher Kurstreiber sein. Während keine Zinserhöhung erwartet wird, ist insbesondere der Ausblick zum weiteren Verlauf in diesem Jahr von Interesse.
Platin erreicht neuen Höchststand
Gold im Aufwärtstrend und eine allgemein positivere Stimmung bei den Industrierohstoffen waren auch in dieser Woche die treibenden Faktoren für die Stärke von Platin. Zum ersten Mal seit Oktober 2015 konnte die Marke von 1.000 US-Dollar/oz wieder durchbrochen werden, wenn auch nur kurzfristig. Platin schaffte es nicht, sich auf diesem Niveau zu etablieren, fiel zunächst auf 970 US-Dollar/oz zurück, konnte anschließend in einer Gegenbewegung aber wieder an Wert gewinnen.
Insgesamt zeigte Platin seit Jahresbeginn eine starke Performance. In den vergangenen sieben Wochen legte das Metall fast 25 Prozent zu. Der Jahrestiefstand vom 21. Januar 2016 bei 806 US-Dollar/oz scheint nun in weite Ferne gerückt. Die nächste Unterstützung nach unten liegt aktuell bei 957 US-Dollar/oz, auf dem Weg nach oben bildete sich Widerstand um 1.009 US-Dollar/oz und 1.041,51 US-Dollar/oz, dem Hoch aus August 2015.
Schwamm wird weiterhin mit Aufschlag gehandelt. Vermutlich wird die Knappheit von kurzer Dauer sein, da offenbar ausreichend Liquidität in Südafrika vorhanden ist. Das Bild könnte sich allerdings ändern, sobald konkrete Produktionskürzungen bekannt gegeben werden.
Palladium: Aufwärtstrend setzt sich fort
Palladium konnte seine positive Preisentwicklung der vorvergangenen Woche weiter fortsetzen. Nachdem wir im letzten Marktreport noch über Höchstkurse von 556 US-Dollar/oz berichteten, kletterte das Metall in der vergangenen Woche auf Kurse über 580 US-Dollar/oz. Dies entspricht einem Level, welches wir zuletzt Mitte November 2015 gesehen haben.
Auf diesem Niveau kam verstärktes Verkaufsinteresse in den Markt und ließ das Metall gegen Mitte der Woche wieder auf das Anfangsniveau von Montagmorgen um 550 US-Dollar/oz zurückfallen. Tiefere Kurse haben wir seitdem nicht mehr gesehen. Es folgte eine erneute Aufwärtsbewegung, die bis Freitag wieder zu Preisen über 580 US-Dollar/oz, in der Spitze sogar bis 585 US-Dollar/oz führte.
Wir sehen jetzt auch wieder Raum für Kurse über 600 US-Dollar/oz. Dieses Level wird den nächsten Widerstand bieten. Die Schwammprämie bewegt sich auf dem Niveau der Vorwochen. Wir sehen hier weiterhin eine gute Nachfrage.
Rhodium, Ruthenium, Iridium: Rhodium hält sich auf Jahreshöchstkursen
Rhodium konnte das Jahreshoch von 2016 in der Berichtswoche zwar halten, aber ein Follow-up bleibt bislang aus. Die Nachfrage konnte komplett vom erhöhten Angebot bedient werden. Zwar konnten wir bei Platin und Palladium insgesamt einen positiven Trend beobachten, die hohe Volatilität unter der Woche wirkte sich aber offenbar wenig vertrauenserweckend auf potenzielle Käufer für Rhodium aus. Nach wie vor deutet vieles auf höhere Kurse hin, Anfragen gibt bzw. gab es genug, jedoch fehlt momentan der nächste Schritt.
Ruthenium hat eine ruhige Handelswoche hinter sich und es gab keine preisbeeinflussenden Meldungen.
Auch im Iridium hielten sich die Aktivitäten ziemlich in Grenzen. Es gab auch hier wenig Neues zu berichten.





