Neue Vorschriften
Bislang wird nur ein kleiner Teil der Bioabfälle in Düngeprodukte umgewandelt. In der Zukunft soll sich das ändern. Die EU-Kommission legte heute einen entsprechenden Vorschlag für einen ersten Verordnungsentwurf vor.
EU-Kommission will mehr Düngemittel aus Abfällen
Die EU-Kommission hat heute einen ersten Verordnungsentwurf mit neuen Vorschriften für organische und abfallbasierte Düngemittel in der EU vorgelegt. Ziel des Vorschlags ist es, den Zugang organischer und abfallbasierter Düngemittel zum Binnenmarkt der EU zu erleichtern und sie den traditionellen, nichtorganischen Düngemitteln wettbewerbsrechtlich gleichzustellen. Der Vorschlag ist Teil des Kreislaufwirtschaftspakets, das die Kommission für die EU plant.
Wie die Kommission erläutert, enthält der Verordnungsentwurf gemeinsame Regeln für die Umwandlung von Bioabfällen in Rohstoffe, die für die Herstellung von Düngeprodukten verwendet werden können. Der Entwurf legt dabei Anforderungen für die Sicherheit, Qualität und Etikettierung fest, die alle Düngeprodukte erfüllen müssen, um in der EU frei gehandelt werden zu können. Die Hersteller müssen künftig nachweisen, dass ihre Produkte diese Anforderungen und die Grenzwerte für organische und mikrobielle Kontaminanten sowie physikalische Verunreinigungen einhalten, bevor sie die CE-Kennzeichnung anbringen.
Die neuen Regeln gelten laut Kommission für alle Arten von Düngemitteln zur Sicherstellung eines höchstmöglichen Niveaus an Bodenschutz. Mit der Verordnung sollen strenge Grenzwerte für Kadmium in Phosphatdüngern eingeführt werden. Die Grenzwerte sollen von 60 mg/kg auf 40 mg/kg (nach drei Jahren) und später auf 20 mg/kg (nach zwölf Jahren) gesenkt werden.
Nur 3 Prozent der Bioabfälle werden recycelt
Die geplante Verordnung soll die geltende Düngemittelverordnung aus dem Jahr 2003 ersetzen. Nach Auffassung der EU-Kommission gebe es für Unternehmen, die organische Düngeprodukte herstellen, erhebliche Marktchancen. Heute würden erst 5 Prozent der Bioabfälle recycelt. Jedoch könnten Schätzungen zufolge bis zu 30 Prozent der nichtorganischen Düngemittel ersetzt werden, wenn mehr Bioabfälle wiederverwertet würden, erklärt die Kommission. Derzeit importiert die EU jährlich etwa 6 Mio. Tonnen Phosphate, könnte jedoch bis zu 30 Prozent dieser Menge durch Extraktion aus Klärschlamm, biologisch abbaubaren Abfällen, Fleisch- und Knochenmehl oder Gülle ersetzen.
„Nur ein sehr kleiner Teil der in großer Menge vorhandenen Ressourcen aus Bioabfällen wird in wertvolle Düngeprodukte umgewandelt“, erklärte der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Jyrki Katainen. „Unsere Landwirte verwenden Düngemittel, die aus importierten Ressourcen oder aus energieintensiven Verfahren stammen, obwohl unsere Industrie diese Bioabfälle als wiederverwertete Nährstoffe aufwerten könnte. Diese Verordnung wird uns dabei helfen, Probleme in Chancen für Landwirte und Unternehmen zu verwandeln.“
Der Verordnungsentwurf wird nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Annahme übermittelt. Nach der Annahme würde sie nach einem Übergangszeitraum, der es Unternehmen und Behörden ermöglicht, sich auf die neuen Vorschriften vorzubereiten, unmittelbar anwendbar. Eine Umsetzung in nationales Recht sei nicht erforderlich, so die Kommission.
