Alternative zur Deponierung

Die Erdöl- und Gasindustrie muss in den kommenden Jahren große Mengen an Bohrschlamm entsorgen. Die Schlämme sind unter anderem mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen belastet. Ein bayerisches Unternehmen weiß, wie man die Schadstoffe mit einem stofflichen Verfahren abtrennen kann.

Reinigungsverfahren für belastete Bohrschlämme


Die Erdöl- und Gasindustrie steht massiv in der Kritik: In einer gemeinsamen Recherche hatten NDR und WDR kürzlich aufgedeckt, dass in den vergangenen Jahrzehnten große Mengen Bohrschlämme ohne besondere Sicherung direkt an den Bohrplätzen vergraben wurden. Diese Schlämme sind unter anderem mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen belastet, weswegen nun die Gefahr besteht, dass Böden und Grundwasser kontaminiert werden.

Das bayerische Umwelttechnik-Unternehmen econ industries mit Sitz in Starnberg will es so weit nicht kommen lassen. Econ bietet eine so genannte Vakuum-Destillation an, mit der sich kontaminierte Böden reinigen lassen. Bei dem VacuDry-Verfahren werden durch ein erzeugtes Vakuum die Siedetemperaturen der Schadstoffe gesenkt, was die energieeffiziente Behandlung in einem komplett gekapselten Prozess erlaube. Dabei werden Schadstoffe wie Quecksilber oder Kohlenwasserstoffe durch Verdampfen nahezu vollständig abgetrennt und anschließend als Flüssigkeit auskondensiert.

Anders als bei der Verbrennung gelangen nach Angaben des Unternehmens keine Schadstoffe in die Abgase. Insbesondere hinsichtlich Energieeffizienz und durch den geringen CO2- und Schadstoffausstoßes sei die stofflich Verwertung durch VacuDry anderen thermischen Trennverfahren weit überlegen, heißt es beim Unternehmen.

Hoffen auf gutes Geschäft

Die gereinigten Böden können laut econ im Anschluss beispielsweise wieder vor Ort zur Verfüllung der bei der Sanierung entstandenen Gruben genutzt werden. Damit würden sich Flächenverbrauch, die Ausgasung nach der Sondermüll-Deponierung sowie der Transportaufwand und die Gefahr, die ein Sondermülltransport möglicherweise mit sich bringt, erheblich reduzieren. Dass solche Gefahren tatsächlich bestehen, legen die Recherchen von NDR und WDR nahe. Demnach wurden bei ähnlichen Sanierungsvorhaben teils ungeeignete Fahrzeuge eingesetzt, wodurch es zu gefährlichen Zwischenfällen gekommen sei. Eine an den Transporten beteiligte Fahrerin berichtet von einer mutmaßlichen Quecksilbervergiftung, die sie sich bei der regelmäßigen Reinigung der Fahrzeuge zugezogen habe.

VacuDry ist kein neues-Verfahren, sondern bereits weltweit im Einsatz und international von Genehmigungsbehörden als Stand der Technik anerkannt. „In Deutschland wird mit belasteten Bohrschlämmen offensichtlich nachlässiger umgegangen als etwa in Australien oder Aserbaidschan“, sagt Reinhard Schmidt, Geschäftsführer von econ industries.

Der Firmenchef hofft, dass nun in Niedersachsen und in den anderen vom Bohrschlamm-Skandal betroffenen Regionen über den Einsatz seiner Technologie nachgedacht wird. Für econ könnte es ein gutes Geschäft werden, denn der Bedarf ist offenbar groß. Allein in Niedersachsen gibt es nach Angaben des Landesumweltministeriums mindestens 519 Verdachtsflächen. In ganz Deutschland werden nach Recherchen von NDR und WDR mehr als 1.400 Bohrschlammgruben vermutet.

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